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Ohne Schlaf auf dem Rad zum Sieg

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Respekt: Daniel Mauser hat die 26 839 Höhenmeter geschafft. © Dietel

Assistenzarzt Daniel Mauser schafft das Triple-Everesting in Wettenberg.

Wettenberg . Daniel Mauser hat mit 26 839 Höhenmetern am Stück am vergangenen Sonntag erreicht, das Triple-Everesting auf dem Rennrad.

Es war das dritte Everesting (der Anzeiger berichtete) des Assistenzarztes im Wohngebiet »Auf dem Falkenberg« in drei Jahren. Doch das sollte nicht das eigentliche Triple sein, um das es Daniel Mauser seit vergangenem Freitag in Krofdorf-Gleiberg ging. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, diesmal die dreifache Höhe des Mount Everest an einem Stück zu meistern und sich damit in eine Bestenliste einzutragen, die weltweit nur wenige Namen beinhaltet. Der Sieg über sich selbst war ihm

Härteprüfung in Wettenberg

Nach dem einfachen Everesting mit 8848 Höhenmetern im Jahr 2020 und dem 17 696 Höhenmeter umfassenden Doppel im Jahr 2021 sollte das Triple jetzt eine echte Härteprüfung sein - denn das, was nach dieser Marke kommen sollte, war auch für Daniel Mauser vollkommen neu und ungewiss.

Vor allem das Thema Schlaf hätte beim erwarteten dreitägigen Aufstieg auf den Thron des Everesting eine Rolle spielen können. Um 5.45 Uhr am 6. Mai begann die Expedition am Falkenberg. Die Höhenmeter des ersten Everestings nahm Mauser in der Durchfahrt und fast im Stillen mit. Nur Vater Kurt Mauser fiel dieser erste Meilenstein beim souveränen Aufstieg seines Sohnes auf.

Zum zweifachen Everesting stand dann ein Spalier aus Zuschauenden und Unterstützenden am Streckenrand, das Mauser diese wichtige Marke in der Vorbeifahrt auch hörbar vor Augen führte. Oberhalb der 17 696 Höhenmetern war der Gießener dann auf neuen Rekordwegen unterwegs - hin zum dreifachen Everesting.

»Am Schluss, die letzten fünf, sechs Stunden, wo einem einfach die Augen zufallen wollen - das waren die schweren Zeiten«, sagte Mauser. Tagsüber wurde seine Fahrt von zahlreichen Besuchenden bewundert. Die Nächte waren dafür umso zäher.

Nur der engste Kreis der Unterstützenden stand die ganze Nacht an der Strecke oder begleitete ihn auf dem Fahrrad. Das sollte vor allem in der zweiten Nacht wichtig werden, denn Mauser hatte von den vier Stunden des in den Everesting-Regularien insgesamt erlaubten Schlafes noch keinen Gebrauch gemacht. So erwartete sein Team für die zweite Fahrt durch das Dunkel einen noch deutlicheren Tiefpunkt, als in der ersten Nacht. Vor allem zwischen zwei und drei Uhr sei es in den Nächten immer sehr schwer, wusste Mauser aus der Erfahrung früherer Langstreckenfahrten.

Bange Minuten

Gegen drei Uhr wurde es dann wie erwartet hart für Daniel Mauser. Ein Becher Cola, ein kleiner Schluck Kaffee und Musik aus dem Radio halfen scheinbar ganz gut durch das Tief, bei dem Wolfgang Rinn von der Tour der Hoffnung an seiner Seite war.

Und doch gab es plötzlich bange Minuten am Falkenberg, als Rinn und Mauser nicht mehr vom Gipfel zurückkehrten und auch der Lichtkegel ihrer Lampen nicht mehr im gewohnten Rhythmus das Erreichen des Wendepunkts auf der Strecke erkennen ließ. Es blieb dunkel und still.

Vater Kurt eilte zu Fuß nach oben, um nach dem Wohlergehen der beiden Verschollenen zu sehen. Die kamen kurz darauf wieder auf dem Fahrrad zum Basislager im unteren Teil des Anstiegs zurück und hatten eine unerwartete Nachricht für die Betreuenden am Streckenrand.

Sie hätten eine tolle Idee zur Ablenkung gehabt und spontan auf dem Gipfel des Falkenbergs in der Radiosendung angerufen, die sie während der Fahrt gehört hatten, berichtete Rinn. In der ARD-Popnacht konnten sie live vom Triple- Everesting berichten und sich damit einen unterhaltsamen Höhepunkt im schwersten Moment der zweiten Nacht verschaffen. Und das Team der Betreuenden war nach den bangen Minuten ihres Fernbleibens froh, dass es ihnen gut ging. Froh war auch Mutter Ruth Mauser, als sie Runde um Runde eine von zehn weißen Schleifen abhängen konnte, die sie am Streckenrand befestigt hatte - der Countdown der letzten Runden war eingeläutet und wenig später machte sich nach 50,5 Stunden das Gipfelglück des erreichten Triple-Everestings unter allen Anwesenden breit.

Mauser freute sich im Anschluss auf eine Dusche und »einfach nix machen«, bevor er am Dienstag wieder arbeiten ging.

Neue Ideen

Mit dem eingefahrenen Puffer, der in Summe 564 Runden beträgt, darf sich Mauser jetzt in die Liste der weltweit sehr selten erreichten dreifachen Everestings eintragen. Ein vierfaches Everesting als Vorhaben für das nächste Jahr schloss der Familienvater übrigens aus - nicht aber, ein einfaches Everesting zu Fuß zu versuchen oder die 10 000 Passagen aus Training und Wettkampf am Falkenberg mit dem Fahrrad voll zu machen. Über 8000 Mal sei er »seinen« Anstieg jetzt schon hoch gefahren.

Fahrt für Tour der Hoffnung

Mausers Freude auf dem virtuellen Everest-Gipfel wurde auch noch durch den Erfolg der Spendenaktion gesteigert, die seine Langstreckenfahrt begleitete. Das gesammelte Geld zugunsten der Tour der Hoffnung soll die Arbeit der Organisation für an Krebs oder Leukämie erkrankte Kinder unterstützen.

Weitere Informationen zu den Regeln des Everestings und die Bestenlisten auf everesting.cc.

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