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Profikletterer helfen bei Erhalt

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Von: Lukas Jahn

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Das Mauerwerk wird regelmäßig kontrolliert. Foto: Jahn © Jahn

Die vierte Sanierungsphase an dem historischen Gebäude in Wettenberg läuft gerade. Mit ihrer Seiltechnik können die Kletterer auch sonst verborgene Stellen erreichen.

Wettenberg (ljh). Die Burg Gleiberg ist in einem guten Zustand. Dies bestätigen neben Fachleuten auch regelmäßig die Besucher der vermutlich um das Jahr 1000 errichteten Burg. Das ist vor allem der Verdienst des heutigen Eigentümers, des 1837 gegründeten Gleiberg-Vereins. Was damals als Bürgerinitiative zur Errichtung einer Treppe in den Bergfried begann, führt bis heute ehrenamtlich zum Erhalt und der Pflege der Burganlage. Einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen haben die beiden Gewerbekletterer Michael Rinn und Kai Renner, welche die Instandhaltung und Sanierung des historischen Bauwerks seit knapp 15 Jahren begleiten.

Als die Burg 1879 in das Eigentum des Vereins überging, lag sie als Ruine in Schutt und Asche und wurde lediglich als Steinbruch von der Bevölkerung genutzt. Seitdem ist die Burg eine Dauerbaustelle, die in vier Sanierungsphasen bearbeitet wird. Eine zentrale Rolle spielen dabei in der aktuellen vierten Phase die seit über zehn Jahren an der Burg aktiven Gewerbekletterer. Rinn und Renner überprüfen wechselnde Teile der Burganlage auf etwaige Schäden und dokumentieren diese fein säuberlich. Erst durch ihre Dokumentation wird deutlich, was der Einsatz der Kletterer für die Burg bedeutet, betont der stellvertretende Vorsitzende des Gleiberg-Vereins, Gerhard Schmidt. Die händische Arbeit und das Auge der Beteiligten an den Mauern könne man auch nicht durch eine Drohne oder ähnliche Hilfsmittel ersetzen. Nicht nur beobachten, sondern anfassen sei geboten.

So können Schäden frühzeitig erkannt werden, sodass sie nicht ausufern und den Verein teuer zu stehen kommen. Was die beiden Kletterer handwerklich selbst können, wird auch direkt von ihnen ausgebessert. Als heimisches Unternehmen aus dem Westen des Landkreises haben die Gewerbekletterer »schon immer einen Bezug zum Gleiberg«, wie sie erzählen.

»Jeden Stein«

Mindestens einmal im Jahr sind sie im Einsatz, auch um Grünwuchs und Efeu zu bekämpfen. »Jeden Stein anpacken« und überprüfen ist das Ziel der Einsätze. So entdeckten die Kletterer 2011 Risse am Kopf des Bergfriedes, woraufhin der Turm zunächst gesichert werden musste. Im Anschluss folgte dann die Sanierung des Turmes in den Jahren 2013 und 2014. Der damit einhergehende Anblick des in Gerüst und Folie gehüllten Wahrzeichens des Gleiberger Landes dürfte den Menschen in der Region noch gut im Gedächtnis sein.

Mithilfe ihrer Seiltechnik können die Kletterer Stellen erreichen und begutachten, die sonst auch mit Gerüsten oder Kränen verborgen bleiben würden. Bei der letzten Inspektion des Merenberger Baus konnte so beispielsweise auch die Mauerkrone erreicht werden. Zuletzt wurde so am 29 Meter hohen Nordgiebel des Merenberger Baus ein rund 50 Kilogramm schwerer Basaltstutzen in einem Fenster als Gefahr identifiziert. Sofort wurden mittels Holzpfosten Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Bezüglich eines anderen Problems konnte Entwarnung gegeben werden: Ein optisch erkennbarer Riss in der Mauer hat sich als ungefährlich herausgestellt.

Mit einer alten Burg habe man »immer viel zu tun«, betont der Vorsitzende des Gleiberg-Vereins, Andreas Kraft. Durch die schwierige Zugänglichkeit habe man entsprechend hohe Kosten. Die Kletterer seien zur Instandhaltung eine kontinuierliche und kostengünstige Lösung. Nicht umsonst nennt Kraft sie »unsere Augen und Hände« beim Erkennen und Beheben von Gefahren. Neben Investitionen auch in die auf der Burg beheimatete Gastronomie veranstaltet der Verein zahlreiche Aktivitäten wie kulturelle Veranstaltungen oder Burgführungen. Die über viele Jahre liebevolle, ehrenamtliche Pflege der Anlage mit kontrollierten Investitionen durch den Gleiberg-Verein zeichnet die Burg auch aus, wie nicht nur die beiden Kletterer finden.

Dach verschiefern

Immer mal wieder hat man auch kleinere Baustellen, demnächst wird wieder ein Gerüst auf dem Gelände zu finden sein: Ein Dach muss neu verschiefert werden, dies soll noch in diesem Jahr erfolgen. Insgesamt rund zwei Millionen Euro hat der Verein allein seit 2010 investiert. Ohne die frühzeitige Gefahrenerkennung durch die Kletterer wäre vermutlich deutlich mehr nötig gewesen. Die Zusammenarbeit »macht Spaß« auf beiden Seiten und dient letztlich auch einer guten Sache, nämlich dem Erhalt der Burg Gleiberg.

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