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Reparieren statt teuer neu kaufen

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Mit einem fachkundigen Blick ins Innenleben des Kassettenrekorders ist der Fehler schnell gefunden. Foto: Mattern © Mattern

Erstmals hatte in Wettenberg das Repair-Café seine Pforten geöffnet. Das neue Angebot zog gleich zahlreiche Bürger an. Zudem gilt es, 15 Jahre Seniorenwerkstatt zu feiern.

Wettenberg (mav). Sie kamen erwartungsvoll, auch etwas neugierig und wurden nicht enttäuscht. Etwa ein Dutzend Bürger fanden am Donnerstag den Weg in das »Haus der Begegnung«, dort, wo mit dem Repair-Café Wettenberg eine neue Einrichtung ihre Pforten geöffnet hat. Weg von der Wegwerfgesellschaft soll nun ein Angebot geschaffen werden, defekte Gegenstände wieder instand zu setzen, und der Auftakt war mehr als vielversprechend. Erster Kunde: Ein junger Mann mit einem Kassettenrekorder. Eine ältere Dame folgte. Sie trug eine kaputte Kaffeemaschine unterm Arm. Weitere »Patienten« waren ein Föhn, ein Verlängerungskabel und noch so einiges mehr.

Die Begegnungsstätte dient nun auch als Reparaturwerkstatt. An verschiedenen Tischen stehen Hinweiskarten, welcher Fachbereich sich dort konkret um die defekten Gebrauchsgegenstände kümmert. Elektrik, Elektronik, IT, Feinmechanik - so sind fürs Erste die Reparaturangebote organisiert. Aufgeräumt und wohlsortiert im Frontbereich befinden sich Werkzeuge in einem großen Werkzeugwagen, denn ordentliches Handwerkszeug ist genauso wichtig wie eine gute Sach- und Fachkenntnis. Auch daran mangelt es nicht, denn die, die hier sitzen und sich kümmern, haben keine »zwei linken Hände«. 15 gestandene Männer, meist im Ruhestandsalter, aber noch fit und agil, und eine Frau, Ingrid Walter, die sich um die Kunden kümmern.

Soziale Kontakte

Mit Freude und Genugtuung beobachten Tanja Meyer, Leiterin der Fachstelle für Familie und Demografie in der Gemeindeverwaltung, und Beigeordneter Ralf Volgmann, zuständig für soziale Fragen, das bunte Treiben. Das Repair-Café ist nämlich eine neue Organisationseinheit und weiteres Standbein der seit 15 Jahren bestehenden Seniorenwerkstatt Wettenberg, die im Rahmen des Projektes »Älter werden in Wettenberg« unter Trägerschaft der Gemeinde steht. Das Repair-Café sei auch ein Ort, wo soziale Kontakte stattfinden, wo Kommunikation entsteht, Austausch und sicherlich auch gefachsimpelt werden kann, sagt Tanja Meyer. Während einer Reparatur kann man Kaffee trinken und Kuchen essen. Zufrieden zeigt sich auch Ehrenbürgermeister Gerhard Schmidt, der in der Seniorenwerkstatt mitarbeitet und vor zwei Jahren die Idee für das Repair-Café hatte. »Wir sind stolz auf das Engagement der Aktiven«, fährt Meyer fort, mit Blick auch zu Jürgen Ross-Walter, Sprecher der Arbeitsgruppe und Vorsitzender des Fördervereins Seniorenwerkstatt, sowie Helmut Scharnagel, ebenfalls Sprecher der Arbeitsgruppe und Zweiter Vorsitzender des Fördervereins.

In der heutigen Zeit kommt es immer häufiger vor, dass defekte Alltags- und Gebrauchsgegenstände wie Möbel, elektrische Geräte, Fahrräder, Spielzeug und anderes im Müll landen, weil den Besitzern das nötige Wissen oder Werkzeug, vielleicht auch Zeit und Geduld, fehlt, die Dinge wieder instand zu setzen.

»Oft ist von der Wegwerfgesellschaft die Rede und der Wohlstand fördert das Konsumverhalten. Da wollen wir etwas entgegensetzten«, so die beiden. Wichtig sei es zu betonen, dass das Repair-Café keine Konkurrenz zum örtlichen Gewerbe ist. Eine Reparatur wird deshalb auch nicht gegen Bezahlung durchgeführt. Wer zufrieden ist, kann am Ausgang die Spendenbox füttern. Das Engagement basiert auf Ehrenamtlichkeit. Ein Haftungsausschluss regelt bestimmte Modalitäten zwischen dem Kunden und den Mitarbeitern. Beispielsweise kann es vorkommen, dass schwierige Reparaturen nicht durchgeführt werden können. Der Eigentümer muss dann sein Gerät wieder mitnehmen. Denn das Repair-Café ist kein Entsorgungsbetrieb.

Mit ihm entstand so ganz nebenbei eine Win-Win-Situation mit der örtlichen Jugendpflege. Jugendpfleger Christoph Werner arbeitet im Kreativraum im Kellergeschoss des »Hauses der Begegnung« und die jungen Menschen unterstützen den Reparaturbetrieb. Der Kreativraum bietet beispielsweise Platz für größere zu reparierende Gegenstände wie einen Rasenmäher.

Ab sofort ist das Repair-Café jeden zweiten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Ansprechpartner ist Jürgen Ross-Walter, Telefon oder WhatsApp: 0152/01838023.

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An der Kaffeemaschine ist sicherlich noch etwas zu machen, das hofft vor allem die Ratsuchende. Foto: Mattern © Mattern

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