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Schmuckstück für Burggastronomie

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Historische Urkunde entdeckt: Axel Horn (2.v.l.) mit dem Vorstand des Gleiberg-Vereins, Dr. Jürgen Leib, Andreas Kraft, Gerhard Schmidt, Ulrich Homberger und Karlfried Philipp (v.l.). Foto: Mattern © Mattern

Sebastian Niebergall war der erste Wirt auf Burg Gleiberg, trug von Sommer 1882 bis Frühjahr 1932 die Verantwortung. Lang ist die Reihe der Wirte und in diese Gilde reiht sich auch Axel Horn ein.

Wettenberg (mav). Die Gastronomie auf Burg Gleiberg ist nicht nur eine tragende Säule für den 1837 gegründeten Gleiberg-Verein, sondern auch wichtiger Bestandteil der über 1000-jährigen Geschichte dieser mittelalterlichen Befestigungsanlage. Dort, wo heute das Reich der Köche ist, stand einst die Wiege der im Frühjahr 2021 mit fast 100 Jahren verstorbenen Gertrud Schlage. Ihr Großvater, Sebastian Niebergall, war der erste Wirt und Kastellan auf Burg Gleiberg und trug von Sommer 1882 bis Frühjahr 1932 50 Jahre lang die Verantwortung.

Lang ist die Reihe der Wirte und ihrer Familien und in diese Gilde reiht sich auch Axel Horn ein. Gemeinsam mit seiner Familie und seinem Team wirkt er verlässlich und mit hohem Anspruch an seinen Beruf seit Sommer 2015 auf Burg Gleiberg. Das Verhältnis zum Vorstand ist geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen. Axel Horn ist neuer Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes und zudem im Landesvorstand des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Das freundschaftliche, fast familiäre Beziehungsgeflecht zwischen Gastronom und den »Burgherren« ist geprägt von gegenseitiger Unterstützung. Die eine Seite weiß immer schnell von der anderen, wenn etwas Besonderes anliegt oder passiert ist.

Auch ein Ereignis wie die Wahl von Axel Horn in eine neue, verantwortungsvolle Position rief emsige »Burggeister« auf den Plan. Findig und phantasievoll haben der Vorsitzende des Gleiberg-Vereins, Andreas Kraft unter maßgeblichem Zutun von Dr. Jürgen Leib, Schriftführer und profunder Kenner der Geschichte der Burg und ihrer Gastronomie, eine alte Urkunde aus den verstaubten Archiven des Vereins herausgekramt.

Gereinigt und fotografiert

In dieser geht es um Sebastian Niebergall, erster Wirt und Kastellan auf Burg Gleiberg. Er gründete den Wirteverein Krofdorf, Rodheim und Umgebung. 30 Jahre lang war er dessen Vorsitzender. Das Diplom wurde ihm 1907 vom Bund Deutscher Gastwirte überreicht, da er seit 1882 die Burggastronomie betrieb. Axel Horn erfuhr von Jürgen Leib von dieser besonderen Historie und war sofort begeistert. Sein Vorschlag: Dieser Urkunde einen für alle Gäste sichtbaren Ehrenplatz in der Burg zu geben. Also ließen Andreas Kraft und Jürgen Leib das kostbare Prunkstück reinigen und ablichten. In der Größe 80x50 Zentimeter wurde die alte Urkunde in neuem Glanz kürzlich vom Vorstand des Gleiberg-Vereins im Rittersaal an Axel Horn feierlich übergeben.

Wenn der Schriftführer und Archivar Jürgen Leib von Zeit zu Zeit in die Vergangenheit abtaucht, dann gelangen unter seinem geschärften Blick auch Dinge, Ereignisse und Anekdoten ans Tageslicht, die bisher unter dem Mantel der Geschichte schlummerten.

So war die Überreichung der Urkunde mit dem charmanten Hinweis an Axel Horn verbunden, dass ihr einstiger Besitzer und Amtsvorgänger, Sebastian Niebergall, auch seinerzeit dem Gemeindeparlament und dem Presbyterium angehörte. Etwas verhalten reagierte der Burgwirt, der aber sofort in Kenntnis des besonderen Humors und versteckten Witzes des Schriftführers gut einschätzen konnte, dass dies nicht zwingend die Erwartungshaltung des Vorstandes ist.

Eine Ämterhäufung wäre der florierenden Gastronomie auf Burg Gleiberg sicherlich nicht zuträglich. Axel Horn wird bei seinen Löffeln, Messer, Pfannen und Töpfen bleiben, denn dieses Handwerk versteht er prächtig. Dafür steht auch die Zertifizierung der Burggastronomie mit drei Löwen des Hessischen Landeswappens, die vor eineinhalb Jahren durch den Lahntal-Tourismus-Verband verliehen wurde und vom Hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, unterzeichnet ist. Sie dokumentiert, dass die Gastronomie auf Burg Gleiberg die entsprechenden Kriterien für diese hohe Auszeichnung erfüllt, nämlich wie die Hessische Küche regional, traditionell, innovativ, ursprünglich und nachhaltig ist.

Landwirtschaft auf dem Basaltkegel

»Die Urkunde ist nicht nur Zeitzeugnis, sondern auch ein Dokument dafür, dass mit Axel Horn eine lange Gastronomietradition fortgeführt wird«, sagte Gerhard Schmidt, zweiter Vorsitzender des Gleiberg-Vereins. Der langen Zeit der Niebergalls folgte jene, in der Georg und Henny Regelein als Wirteehepaar von 1952 bis 1981 Geschichte schrieben. Beide Wirtefamilien betrieben auf dem gut 300 Meter hohen Basaltkegel, auf dem die Burg thront, auch noch Landwirtschaft. Da wurden Äcker und Wiesen bestellt, mit Kuhgespannen die Ernte nach oben verbracht, Vieh gehalten und geschlachtet. Dies alles bleibt in modernen Zeiten den amtierenden Gastronomen erspart. Grund zur Klage gab es nie, denn alle hatten sie durch ihre Arbeit ihr Auskommen.

Die Vorgänger von Axel Horn waren Theo Friedrich, Andreas Britz und Michael Gattung und das Ehepaar Helga und Rudolf Friedrich. Der einzige Gastronom mit einem kurzen Gastspiel war Knud Schwer, der den Regeleins 1982 folgte.

»Die Gastronomie ist stets ein Markenzeichen und eine Besonderheit für die Burg Gleiberg und den Verein gewesen«, ergänzte Gerhard Schmidt und wies auf die Bedeutung des Pachtentgelts hin. Dieses bedeutet nämlich regelmäßige Einnahmen, mit denen der Gleiberg-Verein wirtschaften und arbeiten kann, um das historische Baudenkmal langfristig erhalten zu können, aber auch in die gastronomische Ausstattung mit Küchen, Gasträumen, Tagungsräumen und sanitären Anlagen werde regelmäßig investiert.

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