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Sommerträume wurden wahr

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Sie rockten die Bühne und ließen nichts anbrennen - Peter Herrmann, Joe Bonica und Tony Hudspeth. Foto: Mattern © Mattern

Rund 120 Besucher lauschten am Freitagabend im Hof der Burg Gleiberg den unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen.

Wettenberg (mav). Wer hätte sich so etwas tolles träumen lassen: Ein Bilderbuch-Sonnenuntergang, zu beobachten zwischen 1000 Jahre alten Burgmauern und das Ganze garniert mit geschulten Gesangsstimmen und Virtuosen auf ihren Instrumenten.

Auf Burg Gleiberg wurden Sommerträume wahr und die Neugierde auf den gleichnamigen Konzerttitel lockte rund 120 Gäste in den Burghof. Der KuKuK (Kunst und Kulturkreis Wettenberg) hatte eingeladen und durfte mit dem Gleiberg-Verein sowie Burggastronom Axel Horn zwei verlässliche Partner an seiner Seite wissen. Dieterich Emde begrüßte und dankte auch Dr. Jürgen Leib vom Vorstand des Gleiberg-Vereins, der durch das Programm führte und die Pause mit kleinen Anekdoten aus der Historie des Vereins und der Burg verkürzte. Neun Künstlerinnen und Künstler schafften es, unterschiedliche Stilrichtungen zu einem harmonischen, musikalischen Erlebnis zusammenzuführen. Klavierklänge vermischten sich begleitend mit der intensiven Schallenergie einer Zugposaune. Da erklangen Sopran- und Mezzosopranstimmen und wer glaubte, sich nach Klassik, Operette, Chansons, Kuschelrock und tiefgängigen Songs aus der Popszene in Wohlfühlatmosphäre zu wiegen, der wurde mit harten Gitarrenriffs und Schlagzeugwirbeln ins Staunen versetzt, aber auf angenehme Art.

Da wäre man dann mittendrin, im Programm, beim Tony Hudspeth-Trio. Der aus Colchester stammende Gitarrist-Virtuose hatte mit Bassist Peter Herrmann einen alten Bekannten auf der Burg an der Seite und Joe Bonica komplettierte das Trio, das scheinbar mit sich selbst ebenso viel Spaß hatte, wie das Publikum mit den drei Künstlern.

Die ließen nichts anbrennen mit ihrem fetzigen Blues-Rock, bei dem auch Jimmy Hendrix’s »Hey Joe« nicht fehlen durfte und wie er biss da Tony Hudspeth in die Saiten - eine grandiose Bühnenshow.

Mit Martin Wilhelmi betrat ein junger Künstler mit seiner Posaune die Bühne und verriet dem Publikum, dass jeder angehende Konzertmusiker, der sich um einen Platz bewirbt, das Concertino op. 4 für Posaune und Orgel, von Ferdinand David vorspielen muss. Wenn man das geschafft hat, hat man auch einen Fuß in der Tür, so Wilhelmi, ein überzeugendes Talent, das an der Hochschule für Musik in Karlsruhe studiert und begleitet wurde auf dem Klavier von Hermann Wilhelmi.

In Biebertal lebt Gabriele Riedl. Die Mezzo-Sopranistin zeigte sich mit der Habanera aus der Oper »Carmen« geschult und sicher, um die dieser Gesangsstimme so eigenen Fülle der Töne in der Mittellage perfekt zu intonieren. Sie nimmt Gesangsunterricht bei Barbara Yeo-Emde. Die gebürtige US-Amerikanerin lebt schon lange in Krofdorf. Ist also ebenfalls keine Unbekannte und genoss eine klassische Ausbildung als Sängerin, als die sie auch im Hauschor am Stadttheater Gießen engagiert war. Mit »Summertime« aus »Porgy and Bess« und »Something’s Coming« aus »West Side Story« überzeugte die Gesangslehrerin.

Zu den beiden Sängerinnen Nora Schmidt und Ingi Fett etwas zu sagen, wäre Eulen nach Athen getragen, meinte Jürgen Leib. Noras Beitrag zu den »Sommerträumen« bestand aus zwei bekannten Chansons von Édith Piaf: »Sous le ciel de Paris« und »Non, je ne regrette rien«. Nichts bereuen tut auch Ingi Fett, die aufrief, sich auf die kleinen, einfachen Dinge wieder zu besinnen und warb dafür mit dem Lied »Ich wünsch mir einen Segler aus Papier«. Es folgte von Adele, »When we are young«. Den Schlussstrich zogen Barbara Yeo-Emde, Ingi Fett, Nora Schmidt und Gabriele Riedl mit ihrem vierstimmigen Gesang und mit der Zugabe »The Rose«.

Da war zum Schluss noch einmal Gänsehaut angesagt bei einem Konzertabend, der dem Anspruch von Vielseitigkeit voll umfänglich gerecht wurde.

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