1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Wettenberg

Stärkere Anreize zum Wassersparen

Erstellt:

Von: Frank-Oliver Docter

gikrei_280722_AnderEuleW_4c_1
Der »Eule«-Hochbehälter am Gleiberg. Archivfoto: Jahn © Red

Die Wettenberger Gemeindevertretung befasste sich auf ihrer jüngsten Sitzung mit Themen rund um Finanzhaushalt, Wassergebühren und Extremwetter.

Wettenberg . Für einen kurzen Moment hatte Wettenbergs Bürgermeister Marc Nees (parteilos) dann doch mal Grund zum Lächeln. Als er nämlich am Donnerstagabend bei der Sitzung der Gemeindevertretung verkünden konnte, dass das Haushalts-Jahresergebnis 2022 besser ausfällt als bislang prognostiziert. Doch trotz des Zuwachses von knapp 263 000 Euro ist man hier immer noch mit rund 371 000 Euro im Minus. Auch die Gewerbesteuereinnahmen werden bis zum Jahresende voraussichtlich um etwa 500 000 Euro höher ausfallen, als im vorherigen Zwischenbericht geschätzt worden war. Aber auch hier wird der ursprüngliche Haushaltsansatz von 5,75 Millionen Euro wohl um circa 250 000 Euro verfehlt. Angesichts solcher negativen Entwicklungen wie auch der »Vielzahl an Risiken« etwa durch steigende Energiepreise und nicht zuletzt wegen der Haushaltsprognosen für 2023 bis 2026 habe »die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde Wettenberg ihre Grenzen erreicht«, betonte Nees. Dass man bislang »verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen« sei, war den »in der Vergangenheit gebildeten Rücklagen« zu verdanken. Künftig aber sei es »unbedingt zu vermeiden«, die finanziellen Möglichkeiten zu »überfordern und somit die Handlungsfähigkeit stark einzuschränken«, warnte er.

Umso mehr hatten sich offenbar viele Gemeindevertreter anlässlich eines CDU-Antrags von Nees Zahlen zu den zu erwartenden Mehrkosten für Strom und Gas in öffentlichen Gebäuden erwartet. Die aber blieb ihnen der Bürgermeister zumindest an diesem Abend noch schuldig.

Bei den Gemeindewerken Wettenberg mit ihrer Wasserver- und -entsorgung droht sich die Wirtschaftslage ebenfalls deutlich zu verschlechtern. Nach einem Gewinn von über 416 000 Euro in 2021 wird dieser in diesem Jahr voraussichtlich nur noch 13 000 Euro betragen. Verantwortlich hierfür ist vor allem der Bereich Abwasserbeseitigung, nachdem sich unter anderem infolge einer Kanaluntersuchung in Krofdorf-Gleiberg dort Sanierungskosten von schätzungsweise 220 000 Euro ergeben. Hinzu kämen deutliche Kostensteigerungen für den Wasserbezug vom Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) und bei den Umlagen für Klärwerke, nannte der Rathauschef weitere Posten. Und so seien für 2023 »Gebührenanpassungen unumgänglich«.

Erhöhungen

Im Detail betreffen die Erhöhungen, laut Nees die ersten seit 2017, zum einen die Schmutzwassergebühr, die um 0,40 Euro pro Kubikmeter auf 2,60 Euro steigt, und die Niederschlagswassergebühr, die von 0,13 Euro pro Kubikmeter auf 0,68 Euro anwächst. Der Kostensatz für die Entsorgung von Schlamm aus Kleinkläranlagen und Gruben wird derweil von 60 auf 73,50 Euro erhöht. Bei der Wasserbenutzungsgebühr hingegen steigt der Satz um 0,40 Euro pro Kubikmeter auf 2,80 Euro. Hinzu kommt hier die gesetzliche Umsatzsteuer von sieben Prozent. Unverändert bleibt dagegen die erhobene Grundgebühr. Dadurch sollen »stärkere Anreize zum Wassersparen gegeben werden«, erklärte der Bürgermeister die Idee, hier nur die Mengengebühr anzuheben. Das Votum des Gremiums fiel einstimmig aus.

Sorgen macht in Wettenberg wie auch anderen Kommunen die Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Starkregen. Als Beispiel hierfür erinnerten Redner an die schweren Überschwemmungen rund um die Wißmarer Bachgasse vor etwa zwei Jahren. SPD und Grüne machen sich daher in einem gemeinsamen Antrag für die Erstellung eines »umfassenden Regenwasserkonzepts für Wettenberg« stark.

Neben der Reduzierung versiegelter Flächen, der Verwendung wasserdurchlässiger Bodenbeläge, der Anlage von Retentionsflächen oder dem Verbot »großflächiger Schottergärten« spielt dabei auch der Neubau eines Hochbehälters am Gleiberg eine wichtige Rolle. Und zwar an der dortigen »Eule«, dem Symbol des 1912 errichteten und mittlerweile maroden Behälters. Dessen optisch markanter Eingangsbereich soll weitgehend erhalten bleiben. Diese Entscheidung fiel bereits bei der Juli-Sitzung.

Auch interessant