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Waldflächen nur partiell stilllegen

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Von: Frank-Oliver Docter

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Märchenhafte Landschaft: Der Krofdorfer Forst lädt zu einem Waldspaziergang ein. Foto: Gemeinde Wettenberg © Gemeinde Wettenberg

Der Wettenberger Klimaausschuss ist gegen den Vorschlag, 1000 Hektar dieses riesigen Waldgebietes stillzulegen. Zudem wurden die Namen des Umweltpreisträgers und der Klimamanagerin verkündet.

Wettenberg . Als vor einiger Zeit Jörg Schmidt von der »Waldakademie Hessen« in Wettenberg den Vorschlag unterbreitete, 1000 Hektar des Krofdorfer Forsts - eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Hessen - stillzulegen, also nicht mehr länger zu bewirtschaften, sorgte das in der Politik wie auch der Öffentlichkeit für kontroverse Diskussionen, die bis heute anhalten. Soll man diesem Rat folgen und dafür 30 Millionen Euro aus dem »Wildnisfonds« der Bundesregierung erhalten, mit denen dann alle künftigen Maßnahmen im Wald zu finanzieren wären? Die Antwort darauf lautet »Nein«, wenn es nach den Mitgliedern des Wettenberger Ausschusses für Klima, Umwelt und Energie geht, die am Mittwochabend bei einer Enthaltung einstimmig gegen diesen Plan votierten.

Der Ausschussvorsitzende Oliver Wegener schlug stattdessen vor, weitere Erkenntnisse und »belastbare Zahlen« zu sammeln, um bei einem »Runden Tisch« ein »Leitbild Waldbewirtschaftung« zu entwickeln, das besser zum eigenen Forst passt und auch Jägerei und Freizeitnutzung miteinbezieht. So ist unter anderem geplant, dass eine externe Firma bei einer Überfliegung des Waldes mit einem Ultraleichtflugzeug Daten zum Wildbestand ermittelt. Wegener machte sich zudem dafür stark, nur partiell Waldflächen stillzulegen. Mit seinen Ideen traf er bei seinen Zuhörern, darunter Bürgermeister Marc Nees, schnell auf Zustimmung.

Mittlerweile ebenfalls geklärt ist, wer ab dem 1. Januar 2023 den neu geschaffenen Posten des Wettenberger Klimaanpassungsmanagers übernimmt: Die Wahl der Gemeinde ist hier auf Dr. Elisabeth Schmitt, Geographin aus Gießen, gefallen. Die 62-Jährige bringt eine große Erfahrung mit, so sei sie schon auf zahlreichen Klimaexkursionen unterwegs gewesen, darunter auch in die Arktis, berichtete der Wettenberger Umweltbeauftragte Diplom-Geograph Michael Krick.

80 Prozent der Finanzmittel für diese Personalstelle plus weitere damit verbundene Kosten werden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zur Verfügung gestellt. Die restlichen 20 Prozent trägt die Gemeinde. Die Hauptaufgabe Schmitts wird in den kommenden zwei Jahren sein, ein integriertes und nachhaltiges kommunales Anpassungskonzept zu entwickeln, um damit auf die Folgen des Klimawandels reagieren zu können.

Unterdessen nimmt der künftige Wettenberger Klimarat allmählich Formen an. Für die Mitarbeit im Nachfolgegremium des Energiebeirats hätten sich bislang 20 Personen gemeldet, berichtete Wegener. Schon diese Bewerber würden »geballte Kompetenz« mitbringen, war er sich mit Nees einig. Zusätzlich sollen die Fraktionen jeweils einen Vertreter in den Rat entsenden. Der Termin für die konstituierende Sitzung steht noch nicht fest.

Umweltpreisträger

Passend zu den Themen Wald und Klimaschutz wurde im Ausschuss auch bekannt gegeben, wer den »Wettenberger Umweltpreis 2022« erhält. Das Gremium votierte hier einstimmig für Prof. Hans-Richard Wegener. Mit seinen Tätigkeiten im Bund für Vogelschutz Krofdorf-Gleiberg, bei der Landschaftspflegegemeinschaft Wettenberg sowie seiner Mitarbeit in verschiedenen Arbeitskreisen und Gremien habe dieser »maßgeblich dazu beigetragen, dass in Wettenberg ein großes Gemeinschaftsgefühl und eine Identifikation mit der Landschaft entstanden ist«, heißt es in einem veröffentlichten Schriftstück. Hans-Richard Wegener war bereits 1983 Mitglied der Vogelschutz-Ortsgruppe geworden, arbeitet seit 1984 in deren Vorstand und übernahm 1990 selbst den Vorsitz.

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