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Zwei außergewöhnliche Ehrungen

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Landrätin Anita Schneider (links) und Vorsitzender Thomas Klein (4.v.l.) mit den Jubilaren (v.l.) Simone Krause, Reimund Bechthold, Joachim Peter, Andreas Leib, Horst Marquardt, Jürgen Guntrum, Bernd Leib und Winfried Abel. © Mattern

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurde beim Radsportverein 1921 »Über Berg und Tal« Launsbach an das 100-jährige Bestehen erinnert. Dabei wurden besondere Ehrungen vorgenommen.

Wettenberg (mav). Die Blütezeit ist vorbei, aber eine gesunde Pflanze zeichnet sich durch Langlebigkeit aus. Wenn der Name des kleinsten der drei Wettenberger Ortsteile nachhaltig mit dem Sport verbunden ist, dann durch den Radsportverein 1921 »Über Berg und Tal« Launsbach. Endlich konnte nun in einem kleineren Rahmen mit einem Jahr Verzug an das Vereinsjubiläum erinnert werden.

Silberne Ehrenplakette

Eingebettet in die Jahreshauptversammlung und einem gemeinsamen Essen war die Feierstunde im Hotel Restaurant »Schöne Aussicht« und damit dort, wo alles begann. Als Ehrengast verlieh Landrätin Anita Schneider an Vorsitzenden Thomas Klein, im Beisein des gesamten Vorstandes und im Auftrag des Hessischen Ministerpräsidenten, dem Verein die silberne Ehrenplakette des Landes Hessen, in Anerkennung herausragender Verdienste im und um den Sport.

Vor familiärem Hintergrund selbst dem Radsport verbunden, zeigte sich die Landrätin angetan von den großartigen Erfolgen des RSV Launsbach, vor allem in den 50er bis 70er Jahren, sowohl im Radball wie auch dem Kunstradfahren und dies auf nationaler und internationaler Ebene.

Es sei schade, feststellen zu müssen, dass dieser tolle Sport nicht mehr den Zugang wie einst habe und weniger angenommen werde, bedauerte sie. Balance und Koordination in physikalischer Hinsicht und Teamgeist als ein wichtiger Sozialisationsaspekt seien bedeutsame Merkmale bei der Ausübung dieser Sportart.

Anita Schneider würdigte das Engagement vieler Vereinsmitglieder. Ob durch sportliche Leistungen, als Trainer und Übungsleiter, oder in administrativer Form - es kommt immer auf die Menschen an, die sich engagieren und es sind genau diese Menschen, die einen Verein tragen - durch Höhen und Tiefen, oder, um das Wortspiel mit dem Vereinsnamen zu bemühen, »Über Berg und Tal«, so die Landrätin. »Bleiben sie am Ball«, rief sie der Versammlung zu und schloss mit einem Zitat von John F. Kennedy, »Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren«.

Seltene hohe Auszeichnung

Die Ehrungen langjähriger und verdienter Mitglieder bildeten den Mittelpunkt der Jubiläumsfeier. Die bemerkenswerteste, weil außerordentlich hochrangig und selten, war die von Winfried Abel. 1946 gehörte er als Jugendlicher zu denen, die kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter schwierigen Bedingungen den Neuanfang wagten.

Als »besten Sportler der gesamten RSV-Geschichte«, bezeichnete der zweite Vorsitzende den 88-jährigen. Neun Jahre in Folge deutscher Meister, stand er an der Spitze aller deutschen und westeuropäischen Kunstradfahrer und war ein Jahrzehnt durch die Teilnahme an über 350 deutschen und internationalen Wettbewerben die Konstante des RSV Launsbach. Winfried Abel ist Inhaber der Ehrennadel in Gold und seit sieben Jahren Ehrenmitglied im Verein. Verliehen wurde ihm nun die goldene Ehrennadel mit Jahreszahl.

RSV Launsbach-Geschichte ist auch Familiengeschichte. Dafür stand und steht Bernd Leib, dessen Enkel Simon Leib nicht nur zuvor bei seiner Jubiläumsansprache an die Entwicklung des RSV »Über Berg und Tal« erinnerte, sondern auch seinen Opa ehren durfte, was dem Jubilar sehr freute und zu Tränen rührte. Seit über 70 Jahren ist Bernd Leib Mitglied, davon über ein halbes Jahrhundert im Vorstand und hier 35 Jahre lang Vorsitzender. »Ohne Dich hätten wir das 100-jährige Vereinsjubiläum nicht erreicht«, sagte der zweite Vorsitzende. Bis zuletzt hatte der Jubilar auch als sportlicher Leiter die Geschicke bestimmt und Richtung und Ton angegeben. Er wurde mit der goldenen Ehrennadel des Bund Deutscher Radfahrer mit Jahreszahl, sowie einer Ehrengabe des Vereins geehrt und zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden ernannt. Diese Auszeichnung gab es bis dahin nur einmal und gebührte dem Vater von Bernd Leib, Ernst Leib, der nach 60-jähriger Mitgliedschaft - davon 17 Jahre Vorsitzender - 1991 verstarb.

Für 50-jährige Vereinszugehörigkeit wurde Reimund Bechthold, Spitzenradballer in den 70er Jahren, ausgezeichnet. Er erhielt die Ehrennadel in Gold des BDR. Die gleiche Auszeichnung für ebenfalls 50-jährige Mitgliedschaft gab es für Simone Krause, die als Tochter von Bernd Leib den Radsport und das ehrenamtliche Engagement im Blut hat. Ebenfalls für 50 Jahre wurden Joachim Peter und Jürgen Guntrum geehrt. Peter war Spitzenradballer, spielte in der Landesliga und blickt auf über 30 Jahre Vorstandsarbeit. Guntrum war Hessenmeister in den 70er Jahren. Seit vier Jahrzehnten ist der langjährige zweite Vorsitzende, Andreas Leib, dem RSV treu und erhielt ebenfalls die goldene Ehrennadel des BDR. Er war ein guter Schüler-Radballer und nahm an den deutschen Meisterschaften teil. Für 25-jährige passive Mitgliedschaft erhielt Horst Marquardt eine Ehrengabe.

Der RSV »Über Berg und Tal« war eine Kaderschmiede des Radsports. Darauf ist auch der neue Vorstand, wie er in der Jahreshauptversammlung vor der Feierstunde gewählt wurde, stolz. Wiederwahl hieß es für den Vorsitzenden Thomas Klein, Stellvertreter Andreas Leib, Kassierer Rainer Ehle, Schriftführerin Simone Krause, Gerätewart Reimund Bechthold und die Beisitzer Oliver Mühlich und Benjamin Krause. Bernd Leib gab sein Amt als langjähriger Sportleiter ab. Nachfolger wurde Christian Klein. Bernd Leib wurde zum Beisitzer gewählt. Hier schied aus dem Team Leo Schneider aus.

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