Wie Rheinland-Pfalz Schulschließungen vermeiden will

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MAINZ - Immer wieder werden Schulen von Politikern als die Sorgenkinder in der Corona-Pandemie bezeichnet. Bislang jedoch sind in Rheinland-Pfalz die Schulen gut durch den Spätsommer gekommen. Seit Freitag nun ruht der Betrieb, Herbstferien. Danach könnte die entscheidende Zeit in der Pandemie kommen. Vergangenes Jahr setzte ungefähr zeitgleich mit dem Herbst die zweite Corona-Welle ein.

Schulen mussten geschlossen werden, Fernunterricht statt Präsenzunterricht stand auf dem Stundenplan. Damit sich das nicht wiederholt, hat das Land Vorkehrungen getroffen.

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Wie ist die pandemische Lage an den Schulen?

Laut den Zahlen des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums sind zurzeit landesweit 1038 Schüler an 455 Schulen mit dem Coronavirus infiziert. Also, knapp 0,1 Prozent der Schüler. Komplett geschlossen ist infolge einer Infektionswelle keine der 1590 Schulen im Land. Dafür mussten an 24 Schulen einzelne Klassen und Lehrer vorübergehend in Quarantäne geschickt werden. Aus dem Bildungsministerium heißt es weiter: „Größere Ausbruchsereignisse sind momentan nicht bekannt.“ Zudem gelten derzeit 55 Lehrer als corona-infiziert.

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Wie oft werden nach den Herbstferien Schüler auf Corona getestet?

Nach den Herbstferien ändert das Land seine Teststrategie. Bislang war es so, dass Schüler zweimal pro Woche auf Corona getestet wurden. Das wird die ersten beiden Wochen nach den Herbstferien beibehalten, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus durch Reiserückkehrer aufzufangen. Nach den zwei Wochen werden Schüler dann nur noch einmal pro Woche getestet. Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Lehrergewerkschaft GEW, sagt: „Es ist gut, dass das Land weiter auf Tests setzt. Sollten aber die Zahlen irgendwann wieder stärker hochgehen, sollten wir wieder auf zwei reguläre Tests die Woche umschwenken.“

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Was unabhängig davon weiterhin gilt, ist die Regel, dass sich Schüler nach einem Corona-Fall in ihrer Klasse oder Lerngruppe fünf Tage am Stück mittels Selbsttest testen und die Maske auch am Platz tragen müssen, unabhängig der aktuellen Corona-Warnstufe.

Wann muss eine Maske in der Schule getragen werden?

In Rheinland-Pfalz gilt bei der Maskenpflicht weiterhin das dreistufige Warnstufensystem. Die Warnstufen setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen, unter anderem der Sieben-Tage-Inzidenz und der Hospitalisierungsrate. Egal welche Warnstufe gilt: Schüler müssen im Schulgebäude immer eine Maske tragen. In Warnstufe 1 hingegen gibt es keine Maskenpflicht am Platz im Unterricht. In Warnstufe 2 ist eine Maskenpflicht für die weiterführenden Schulen am Platz vorgesehen. In Warnstufe 3 gilt die Maskenpflicht dann auch für die Grundschule im Unterricht. Die Gewerkschaft GEW begrüßt das rheinland-pfälzische Modell: „Keine Warnstufe sieht vor, die Schulen zu schließen oder in Fernunterricht auszuweichen. Das ist wichtig“, sagt GEW-Chef Hammer. Denselben Standpunkt vertritt auch Cornelia Schwartz, Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Philologenverbandes: „Verglichen mit einer Schulschließung halten wir die Maskenpflicht, so störend sie im Unterricht ist und so sehr sie das Unterrichtsgeschehen teilweise behindert, für das kleinere Übel.“

Kommt die Impfpflicht für Lehrer?

Eine zentrale Erhebung zum Impfstatus der Lehrer ist laut dem Land Rheinland-Pfalz bislang nicht erfolgt. Sowohl das rheinland-pfälzische Bildungsministerium als auch der Philologenverband gehen aber laut internen Berechnungen davon aus, dass über 90 Prozent der Lehrer geimpft sind. Trotzdem wird immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert, ob für Lehrer eine Impfpflicht oder zumindest eine Impfauskunftspflicht erlassen werden sollte. Philologenverbandsvorsitzende Schwartz teilt dazu mit: „Wenn nun für die wenigen verbleibenden ungeimpften Lehrkräfte eine Impfpflicht verhängt werden würde, würde das die Herdenimmunität in Rheinland-Pfalz nicht wirklich voranbringen.“ Zumal sich unter den wenigen ungeimpften Lehrkräften oft auch Leute mit Vorerkrankungen befänden, was eine Impfung unmöglich machen würde. Angesprochen auf eine mögliche Auskunftspflicht oder Impfpflicht für Lehrer meint auch GEW-Chef Hammer: „Wir lehnen einen Impfzwang ab, genau wie aus datenschutzrechtlichen Gründen eine Auskunftspflicht. Aber: Wir sind ganz klar für das Impfen.“

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