Wegen Corona: Messebau-Branche vor Milliardenverlusten

Von Stephan Weidemeyer

LANGENLONSHEIM - Auf dem Internetauftritt des Messebauers „mac“ stolpern Besucher auf der Startseite über eine kleine Meldung, „mac auf Erfolgskurs“ lautet sie. Datiert auf den 6. Juli 2019. In Anbetracht der laufenden Berichterstattung wirkt diese Überschrift wie eine Nachricht aus einem Land vor unserer Zeit. Denn: Es mehren sich die Presseberichte, dass die Messebau-Branche zurzeit heftig vom Coronavirus und seinen Auswüchsen durchgeschüttelt wird.

Beinahe täglich vermelden deutsche Medien, dass irgendwo, ob hierzulande, ob im Ausland, eine große Messe abgesagt wird. Aus Angst vor einer globalen Ausbreitung des aus China stammenden, hoch ansteckenden Coronavirus. Ob die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, die ProWein in Düsseldorf oder die Handwerksmesse in München – Großveranstaltungen, an denen viele Menschen aus aller Welt zusammen kommen, vor allem auch aus dem asiatischen Raum, werden derzeit aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Zum Leidwesen der Messebau-Branche.

Jan Kalbfleisch vom Fachverband Messe- und Ausstellungsbau (Famab) befindet zur jüngsten Entwicklung: „Die aktuelle Lage ist dramatisch. Wenn eine große Messe abgesagt wird, reißt das ein Riesenloch in die Auftragsbücher.“ Problematisch sei vor allem, dass viele Messen – etwa die Eisenwarenmesse in Köln – erst wenige Tage vor ihrem geplanten Beginn abgeblasen wurden. Zu diesem Zeitpunkt sei der Aufbau oft schon zu 90 Prozent abgeschlossen. Einer ersten Hochrechnung zufolge beläuft sich der Schaden, der aus bisherigen Absagen verursacht wurde, bereits jetzt auf mehr als 4,3 Milliarden Euro. „Ganz viele Unternehmen haben deshalb große Fragezeichen im Kopf, wie sie die nächsten Monate überstehen sollen“, sagt Kalbfleisch. Um Insolvenzen und Entlassungswellen zu vermeiden, fordern er und der Verband staatliche Hilfen.

Harald Kötter, Geschäftsbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit beim Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (Auma), teilt derweil auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Zum möglichen Ende der Absagenflut können wir leider keine Prognose abgeben. Allerdings steht schon fest, dass fast alle größeren Messen im März und April nicht wie geplant stattfinden werden.“ Kötter rechnet aber damit, dass die meisten Messen in der zweiten Jahreshälfte wie geplant durchgeführt werden können – schränkt jedoch ein: „Eine derartige Situation ist in der Tat noch nicht vorgekommen.“

Wie stark der Messebauer mac aus Langenlonsheim von der Corona-Krise getroffen ist, ist aktuell noch ungewiss. Andreas Valentin, zuständig für die Unternehmenskommunikation bei mac, teilt auf mehrere Anfragen dieser Zeitung mit: „Die mac äußert sich zu dem Thema nicht.“ Ein vielsagendes Schweigen?

Fakt ist, dass der Messebauer mac bereits vergangenen Oktober mit einer wirtschaftlichen Schieflage in die Schlagzeilen geraten war. Damals teilte Pressesprecher Valentin mit, dass das Unternehmen nach dramatischen Umsatzeinbrüchen zu drastischen Schritten gezwungen war. Konkret hieß das: ein Stellenabbau von 85 Arbeitsplätzen, davon alleine 53 am Standort Langenlonsheim. Als Schuldige wurde eine weltweite Konjunkturkrise ausgemacht. In einer Presseerklärung hieß es damals: „Unser erklärtes Ziel ist es, gestärkt aus der augenblicklich schwierigen Phase hervorzugehen.“ Gleichwohl sprach der Vorstand von einer der größten Krise in der 22-jährigen Firmengeschichte. Wie heftig nun der aktuelle Auftragseinbruch die mac trifft, lässt sich bislang nur erahnen. Vielleicht wird die Antwort ja demnächst auf dem Internetauftritt des Unternehmens veröffentlicht.

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