BTW21 – Was Wähler wollen: Kassiererin Diana Störmer

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BÜDINGEN - Diana Störmer hat sich vor acht Jahren eine Eigentumswohnung in Gedern gekauft. Sie ist heute glücklich über diesen Schritt. Denn ein Zuhause in dieser Größe zu mieten, wäre für sie nun nicht mehr finanzierbar, ist sich die 45-Jährige sicher. Ihr Abtrag liegt deutlich unter den heutigen Mietpreisen.

Seit über 30 Jahren sitzt die Einzelhandelskauffrau an der Kasse bei Rewe, seit knapp zehn Jahren in Büdingen im Wetteraukreis. Hier ein freundliches „Hallo“, da ein kurzes „Wie geht’s?“. Die Stammkunden freuen sich über die Ansprache. Trotz Maske oder Plexiglasscheibe. Man kennt sich und Diana Störmer kennt das Geschäft von der Pike auf. Sie ist routiniert, freundlich und strahlt eine gewisse Autorität aus. Wenn sie was sagt, wird sie direkt.

Kaum bezahlbarer Wohnraum in der Region

Ein Kunde erzählte ihr vor einiger Zeit, dass er und seine Familie vergeblich auf der Suche nach einer behindertengerechten Wohnung in Büdingen seien. In der Region gebe es kaum bezahlbaren Wohnraum. Sie weiß von einigen Familien, die aus der Stadt sogar bis in den Vogelsberg gezogen sind und nach Frankfurt zur Arbeit pendeln. Dort auf dem Land konnten sie sich ein Haus mit Garten leisten.

Ist der Wohnungsbau ein Thema, das die nächste Bundesregierung lösen muss? Diana Störmer zögert mit ihrer Antwort. Sie hat wenig mit Politik am Hut, ist sich jedoch bewusst, dass das kein leichter Job ist.

„Gemeckert ist schnell“, sagt sie, „aber eine adäquate Lösung zu finden, ist auch nicht einfach.“ Klar gebe es Defizite. Corona habe die vergangenen eineinhalb Jahre geprägt, und den Kassierinnen und Kassierern insbesondere zu Beginn der Pandemie manch außergewöhnliche Situation abverlangt. Durch die Hamsterkäufe waren einige Regale leer geräumt. Solch eine Situation hatte sie noch nie erlebt. „Das hat sich, Gott sei Dank, nach dem ersten Lockdown normalisiert.“

Corona gehört zum Arbeitsalltag

Corona gehört heute im Einkaufsmarkt zum Alltag. Es sei anstrengend, wenn einige Kunden, nachdem die Inzidenzen im Frühsommer gesunken waren, auf die Maske verzichten wollen. Dann müssen Diana Störmer und ihre Kollegen immer wieder darauf hinweisen und sie auffordern, den Mund-Nasen-Schutz aufzuziehen. Dies dauernd zu wiederholen, und das oft bei denselben Personen, sei anstrengend. „Ich trage das Ding acht Stunden. Diese Viertelstunde beim Einkaufen ist jedem zuzumuten.“

Manche Corona-Regel des Landes kann sie nicht nachvollziehen. Wie etwa, wenn eine Familie mit zwei Kindern aus dem Urlaub in einem Risiko-Gebiet kommt, die zwölfjährige Tochter in Quarantäne muss, die jüngere aber nicht. „Das finde ich ein bisschen lachhaft.“ Trotzdem sei es nicht nur Sache der Politik. „Auch wenn die Leute geimpft sind, hätte jeder doch mal im Land bleiben können.“ Tauschen möchte sie mit den Politikern nicht. „Die nächste Bundesregierung hat vier Jahre vor sich. Es ist nicht zu erwarten, dass sie in dieser Zeit alles herumreißen kann. Ich hoffe, dass sie es gut macht.“

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Die ein oder andere Schlagzeile aus der Boulevard-Presse beunruhigt sie. Die Bundestagswahl in vier Wochen ist für sie irgendwie weit weg. Die Welt habe im Moment andere Probleme. Die Unwetter, Brände und nun Afghanistan. Sie hofft, dass die nächste Regierung alles tun werde, damit Deutschland aus diesem Konflikt herausgehalten wird. „Die Leute dort brauchen unsere Hilfe“, sagt sie und fragt sich, wohin wir Deutschen wohl flüchten würden, wenn solche Auseinandersetzungen vor Ort geschehen würden.

Erwartungen an die neue Bundesregierung hat Diana Störmer keine, besser werde es wohl nicht werden, schiebt sie hinterher. Sie wird auf jeden Fall am 26. September wählen gehen. Es gebe einige radikal wirkende Parteien, „wenn die mehr Zulauf erhalten, haben wir ein ganz dickes Problem. Da kann ich nur sagen: Leute, schaltet Euer Hirn ein“.

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