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Krise in Burkina Faso: Präsident und Minister offenbar von Soldaten festgenommen - Erklärung erwartet

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Meuternde Soldaten umstellen den Eingang des nationalen Fernsehsenders von Burkina Faso - wenig später melden sie sich zu Wort.
Meuternde Soldaten umstellen den Eingang des nationalen Fernsehsenders von Burkina Faso - wenig später melden sie sich zu Wort. © picture alliance/dpa/AP | Sophie Garcia

Im westafrikanischen Burkina Faso ist Präsident Roch Marc Kaboré offenbar von meuternden Soldaten festgesetzt worden. Am Nachmittag gab es ein Lebenszeichen.

Update vom 24. Januar, 19.37 Uhr: Die Lage im westafrikanischen Land Burkina Faso bleibt unübersichtlich. Nach der Meuterei verkündeten uniformierte Soldaten nun die Machtübernahme durch das Militär im Staatsfernsehen. Die Regierung sei abgesetzt und das Parlament aufgelöst worden, sagten die Soldaten.

Der Verbleib von Präsident Roch Marc Christian Kaboré war nach einer Meuterei zunächst unklar. Aus Sicherheitskreisen hatte es am Montagmorgen (24. Januar) geheißen, der Präsident und weitere Mitglieder seiner Regierung seien festgenommen und in eine Kaserne in der Hauptstadt Ouagadougou gebracht worden. Aus Regierungskreisen hieß es jedoch später, es sei gelungen, den Staatschef am Sonntagabend vor der Ankunft der Soldaten aus seiner Residenz zu holen.

Die Regierungspartei sprach von einem vereitelten Attentat auf den Staatschef und auf einen Minister. Der Aufenthaltsort von Kaboré blieb unbekannt. Bereits am Wochenende hatte es heftige Proteste gegen die Regierung und Aufstände in mehreren Kasernen des Landes gegeben. Das Militär wirft Kaboré vor, im Kampf gegen radikalislamische Milizen versagt zu haben.

In ihrer im Fernsehen und auf Facebook verbreiteten Videobotschaft verkündeten die Soldaten, dass die Grenzen geschlossen würden. Sie versprachen eine „Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung“ innerhalb einer „angemessenen Zeit“.

Krise in Burkina Faso: Präsident und Minister offenbar von Soldaten festgenommen - Erklärung erwartet

Update vom 24. Januar, 16 Uhr: Im westafrikanischen Burkina Faso ist Präsident Roch Marc Kaboré von meuternden Soldaten festgesetzt worden (siehe Erstmeldung). Am Montagnachmittag gab es erstmals ein Lebenszeichen von Kaboré. Über den Kurznachrichtendienst Twitter bat der Präsident die Soldaten, die Waffen niederzulegen und sich auf einen Dialog einzulassen. Auch Westafrikas wirtschaftliche Staatengemeinschaft Ecowas erklärte, sie unterstütze die Regierung.

Erstmeldung vom 24. Januar: Ouagadougou - In Burkina Faso* ist Präsident Roch Marc Christian Kaboré nach Angaben aus Sicherheitskreisen von meuternden Soldaten festgenommen worden. Neben Kaboré seien auch der Vorsitzende des Parlaments sowie die Minister in den Händen der Soldaten in einer Kaserne der Hauptstadt Ouagadougou, verlautete am Montag aus mehreren Sicherheitsquellen. Bereits am Wochenende wurde das westafrikanische Land von Unruhen erschüttert; in mehreren Kasernen fielen Schüsse. Die Regierung bestritt aber einen Militärputsch.

Burkina Faso: Präsident in Militärcamp? Meuternde Soldaten wollen Erklärung abgeben

Der Staatschef des westafrikanischen Landes sei in ein Militärcamp in der Hauptstadt Ouagadougou gefahren worden. Die Deutsche Presse-Agentur beruft sich dabei auf einen hochrangigen Soldaten, der anonym bleiben wollte. Die meuternden Soldaten würden noch eine Erklärung abgeben. Das Gebäude des nationalen Fernsehsenders in der Hauptstadt wurde am Montagmorgen bereits von ihnen umstellt.

Zwei Männer fuhren am 23. Januar 2022 in Ouagadoudou, Burkina Faso, an einem Kontrollpunkt vor einem Militärstützpunkt vorbei.
Zwei Männer fuhren am 23. Januar 2022 in Ouagadoudou, Burkina Faso, an einem Kontrollpunkt vor einem Militärstützpunkt vorbei. © Sam Mednick/dpa

Schon am Samstag hatte es heftige Proteste gegen die Regierung gegeben, dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Präsident Kaboré hatte daraufhin eine nächtliche Ausgangssperre erlassen*.

Einen Tag später gaben Soldaten in mehreren Kasernen des Landes Schüsse ab, um nach eigenen Angaben die Entlassung einiger führender Armeechefs sowie bessere Ausrüstung zu fordern. Einwohner der Hauptstadt berichteten später von Schüssen in der Nähe der Privatresidenz des Präsidenten.

Burkina Faso: Präsident wohl von Soldaten festgenommen - Regierung wies Berichte zu Machtübernahme zuletzt noch zurück

Noch am Sonntag hatte die Regierung erklärt, es gebe keine „Machtübernahme durch die Armee“ und die politischen Institutionen seien „derzeit“ nicht bedroht. Entsprechende Berichte in den Online-Netzwerken wies sie zurück und rief „die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren“.

Das westafrikanische Burkina Faso gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land kämpft zudem wie auch andere Staaten der Sahel-Zone gegen Angriffe islamistischer Milizen, von denen einige mit dem Al-Kaida-Netzwerk oder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbunden sind. (AFP/dpa/cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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