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Homeoffice-Pauschale soll im Winter um 900 Euro steigen – DGB setzt Scholz unter Druck

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Von: Jens Kiffmeier

Zum Sparen von Gas: Die Ampel will die Deutschen ins Homeoffice schicken. Doch die Gewerkschaften wittern eine Kostenfalle – und dringen auf eine höhere Pauschale.

Berlin – Warme Küche statt kaltes Büro: Die Deutschen sollen in der Gaskrise vielleicht bald wieder mehr im Homeoffice arbeiten. Doch der Ampel-Plan hat seine Tücken. Denn wer trägt die Rechnung? Über die Verteilung der anfallenden Energiekosten ist bereits eine muntere Kontroverse entbrannt. So fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eindringlich die Erhöhung der Homeoffice-Pauschale, mit der die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Heimarbeit von der Steuer absetzen können.

Gaskrise in Deutschland: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dringt auf eine Erhöhung der Homeoffice-Pauschale

Es sei absehbar, dass die Arbeit im Homeoffice in Deutschland wieder eine größere Rolle spielen werde, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell Merkur.de von IPPEN.MEDIA. Zugleich warf er der Bundesregierung von Olaf Scholz (SPD) Untätigkeit vor. Obwohl die Koalition angesichts der Herausforderungen in der Energiekrise die Anpassung der Homeoffice-Pauschale in Aussicht gestellt habe, habe sich bislang nichts getan. „Auch der letzte Woche bekannt gewordene Entwurf für ein Jahressteuergesetz schweigt sich dazu aus. Das ist enttäuschend.“ Doch im Wirtschaftsministerium wiegelt man ab.

Losgetreten hat die Debatte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Angesichts einer drohenden Gasknappheit in Deutschland im kommenden Winter hatte er die Unternehmen zum Energiesparen aufgerufen. Denn nachdem Russland seine Gas-Lieferung über die Nordstream-1-Pipeline gedrosselt hat, muss der Verbrauch in Deutschland herunter. Um über die kalte Jahreszeit zu kommen, ließ Habeck bereits einen Notfallplan Gas vorbereiten. Neben vielen anderen Maßnahmen könnte auch das Senken der Raumtemperatur in Büros und das Ausschalten unnötiger Beleuchtung in Firmen einen Beitrag leisten.

Eine Frau sitzt auf ihrem Sofa mit Laptop und Smartphone. Die Bundesregierung will das Arbeiten im Homeoffice wieder fördern – zum Energiesparen.
Wohnzimmer statt Büro: Die Ampel-Koalition will die Deutschen zurück ins Homeoffice schicken – zum Energiesparen. © Sebastian Gollnow/dpa

Gas sparen: In der Energiekrise plädiert Minister Habeck für mehr Homeoffice – doch wer bezahlt?

Doch was tun, wenn es auf der Arbeit kalt wird? Für Habeck liegt die Lösung auf der Hand: So sollen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ins Homeoffice wechseln. „Die Energiebilanz ist dann eine positive, wenn in den Büros nicht geheizt wird und Räume genutzt werden, die sowieso geheizt werden“, sagte Habeck und meinte damit private Räume wie Küchen oder Wohn- und Arbeitszimmer.

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Die FDP signalisierte bereits ihre Zustimmung zu dem Plan. Doch wer übernimmt die Kosten? Die Arbeitnehmer? Oder die Unternehmen? Oder der Staat?

Homeoffice-Pauschale: Arbeitnehmer können seit Corona das heimische Arbeitszimmer absetzen

Eine kleine Finanzhilfe gibt es bereits. Seit der Corona-Pandemie, die der Heimarbeit zum Durchbruch verhalf, können die Deutschen einen Teil der Zusatzkosten über die Homeoffice-Pauschale abrechnen. So dürfen die Arbeitnehmer die Heimarbeit mit 5 Euro pro Arbeitstag von der Steuer absetzen. Jedoch gibt es eine Höchstgrenze von 120 Tagen im Jahr. Damit ist die Gesamtsumme auf 600 Euro im Jahr begrenzt. Doch die Homeoffice-Pauschale läuft aus. Zwar können die deutschen Steuerzahler das Instrument für die Steuererklärung 2021 noch einmal nutzen. Doch Ende Dezember 2022 ist erst einmal Schluss.

Steuererklärung zur Homeoffice-Pauschale – wo eintragen?

Seit der Corona-Pandemie können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Homeoffice von der Steuer absetzen. Dafür wurden die Steuerformulare 2021 angepasst. Dadurch kann die Homeoffice-Pauschale in der Anlage N der Steuererklärung in Zeile 45 eingetragen werden. Arbeitnehmer tragen in der Zeile die Anzahl der Tage ein, die sie ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet haben. Sind Sie an Tagen doch noch ins Büro gefahren, dürfen Sie lediglich in der Steuererklärung die Pendlerpauschale von 30 Cent ansetzen. Die Pauschale ist auf 120 Tage und 600 Euro gedeckelt. 

Angesichts der Gaskrise und dem Habeck-Vorstoß dringen die Gewerkschaften deshalb jetzt auf eine Anpassung der bestehenden Regelung. Neben einer Verlängerung der Maßnahme über das Jahr 2022 hinaus soll die Pauschale vor allem erhöht werden. Die bisherige Pauschale von 600 Euro sei „viel zu eng gefasst und wird den Herausforderungen nicht gerecht“, sagte DGB-Vorstand Körzell Merkur.de von IPPEN.MEDIA. Er schlug vor, die Pauschale deswegen auf mindestens 1500 Euro zu erhöhen.

Angesichts der hohen Energiepreise sieht man auch bei Verdi den Handlungsdruck. Jedoch sei hier weniger der Staat als die Unternehmen selber gefordert, sagte der Leiter der Tarifpolitischen Grundsatzabteilung, Norbert Reuter, Merkur.de von IPPEN.MEDIA. Immerhin würden die Betriebe durch das Homeoffice die Heizkosten senken. „Über Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung wäre zu regeln, dass je energieeinsparungsbedingten Homeofficetagen, also im Winter, der Arbeitgeber einen bestimmten Betrag, zum Beispiel 5 Euro, den Beschäftigten auszahlt“, fordert der Verdi-Experte.

Homeoffice-Pauschale 2021: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verhandelt über Verlängerung

Für das Bundeswirtschaftsministerium ist die Debatte längst noch nicht gelaufen. „Homeoffice kann grundsätzlich einen Beitrag zum Energiesparen leisten“, teilte eine Sprecherin von Habeck mit. So soll sich den Angaben zufolge mit verstärkter Heimarbeit bis zu fünf Prozent des Energieverbrauchs einsparen lassen. Wie die Kosten am Ende aber gerecht zwischen den Parteien verteilt werden könnten, sei noch nicht entschieden, hieß es. Man befinde sich dazu in einer Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium, dem Arbeitsministerium und den beteiligten Sozialpartnern, so die Sprecherin. Doch den Gewerkschaften dauert das offenbar zu lange.

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