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In dieser Nacht

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Angekommen! Endlich Heiligabend. Nicht alle werden in Festtagsstimmung sein. Man muss nicht erklären, was alles in diesem Jahr war. Genug, um wenigstens für einen Moment innezuhalten. Wir erinnern heute an die Katastrophe im Ahrtal. 134 Menschen kamen dort ums Leben, starben in den Fluten, wurden unter den Trümmern der einstürzenden Häuser begraben.

Mehr als die Hälfte der Toten stammte aus der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das jüngste Todesopfer war vier Jahre alt, das älteste 97. Ich weiß, es ist ein frommer Wunsch, aber trotzdem formuliere ich ihn: Alte Menschen sollten, wenn ihre Zeit gekommen ist, friedlich in ihren Betten einschlafen. Vierjährige sollten in den Wochen vor dem Weihnachtsfest ihre Wünsche auf ein Blatt Papier malen. Aber doch nicht sterben. Wie werden wohl die Eltern Weihnachten feiern? Der Gedanke daran zerreißt einem das Herz. Vor einigen Tagen telefonierten wir mit Guido Orthen, dem Bürgermeister von Bad-Neuenahr-Ahrweiler. Er hat eine raue Stimme. Kein Wunder, er muss viel reden, beantwortet Fragen, spricht mit Bauexperten. Orthen managt die Krise, plant mit einem Team den Wiederaufbau, kümmert sich um die Sorgen der Menschen, tröstet und informiert sie. Seit »dieser Nacht«, so nennt er die Stunden, in denen seine Stadt überflutet wurde, hat Orthen Wortfindungsstörungen. Man kann sich denken, warum. Aber er macht weiter. Was er den Betroffenen im Ahrtal in seiner bewegenden Weihnachtsbotschaft gesagt und den Menschen in Mittelhessen zu sagen hat, steht heute auf Seite 24. Trotz allem wünschen Verlag und Redaktion: »Frohe Weihnachten!«

Burkhard Bräuning

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