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AKW Saporischschja: Russland bittet UN-Sicherheitsrat um Gespräch

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Von: Tobias Utz, Moritz Serif, Constantin Hoppe, Nadja Austel, Nail Akkoyun, Jan Oeftger

Die Situation rund um das Atomkraftwerk Saporischschja ist heikel. Die Ukraine wirft Russland vor, das AKW ans eigene Stromnetz anschließen zu wollen.

Update vom Montag, 22. August, 19.00 Uhr: Wegen der anhaltenden Kämpfe um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja hat Russland erneut den UN-Sicherheitsrat angerufen. Moskau – eines der fünf Ständigen Mitglieder des Rates – beantragte in New York eine Sitzung des Gremiums für diesen Dienstag, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Diplomatenkreisen erfuhr. Moskau habe dies mit dem „anhaltenden Beschuss und der Angriffe von ukrainischen Kräften auf die Anlage“ begründet. Das Treffen soll voraussichtlich um 21.00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) stattfinden.

Der UN-Sicherheitsrat hat über das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine beraten.
Der UN-Sicherheitsrat hat über das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine beraten. © Ed Jones/AFP

AKW Saporischschja: Scholz, Macron und Johnson fordern „Zurückhaltung“ 

+++ 19.39 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), US-Präsident Joe Biden und sein französischer Kollege Emmanuel Macron sowie der britische Premierminister Boris Johnson haben zur „militärischen Zurückhaltung“ in der Umgebung des Atomkraftwerks Saporischschja aufgerufen, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Sonntag mit.

+++ 15.56 Uhr: Der frühere Boxweltmeister im Schwergewicht, Wladimir Klitschko, hat vor einer nuklearen Katastrophe durch Kämpfe um das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja gewarnt. „Die Welt muss sich im Klaren sein, dass, wenn es in die Luft fliegt, es ein Fukushima oder Tschernobyl von vielfachem Ausmaß geben wird. Das darf nicht passieren“, sagte der jüngere Bruder des Bürgermeisters von Kiew Vitali Klitschko am Sonntag dem Sender Times Radio.

Die Schusswechsel um das von russischen Invasionstruppen besetzte Kraftwerk dauerten weiter an, so Klitschko weiter. Zudem sei nicht klar, wie es den ukrainischen Experten gehe, die sich noch immer in dem Atomkraftwerk und in der Gewalt der Russen befänden. „Das bedroht die Welt“, sagte Klitschko.

Zu der Möglichkeit von Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland sagte Klitschko, es müsse erst einen vollständigen Abzug russischer Truppen geben. „Wir kämpfen seit 2014 für unsere territoriale Integrität und dafür, ein Teil der freien Welt und der Europäischen Union sein zu dürfen“, so der 46-Jährige.

AKW Saporischschja: Russland schickt Mitarbeiter in Urlaub

Update vom Sonntag, 21. August, 08.00 Uhr: Russische Truppen, die das AKW Saporischschja besetzen, haben offenbar die ukrainischen Kernkraft-Angestellten dazu angewiesen, weitere Urlaubstage einzureichen. Das berichtete das Nachrichtenportal Kyiv Independent am Sonntagmorgen mit Verweis auf Informationen des Nachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Damit verlängerten sie ihre Ansage, ohne den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Datum für die Rückkehr zu nennen. Eine Gruppe mit Minimalkapazitäten bleibt hingegen im Innern des AKW um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Unter Beschuss im Ukraine-Krieg: Ein russischer Soldat bewacht das Akw in Saporischschja.
Ein russischer Soldat bewacht das Akw in Saporischschja. © Konstantin Mihalchevskiy/imago

Laut Bericht soll die Maßnahme der russischen Truppen dazu dienen, um die Entkopplung des Atomkraftwerks vom ukrainischen Netz voranzutreiben. Wie bereits am Samstag berichtet wurde, soll Russland planen, das AKW an das russische Netz anzuschließen. Dies würde ein enormes Sicherheitsrisiko beinhalten (s. Update v. 07.45).

+++ 21.30 Uhr: Ukrainische Streitkräfte haben angeblich das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja erneut mit Artillerie beschossen. Das gaben Besatzungsbehörden bekannt. Kritische Objekte seien nicht getroffen worden, so die russische Militärverwaltung.
Die Nato-Munition sei vom gegenüberliegenden Ufer des Dnipro-Flusses abgefeuert worden und auf dem Gelände des AKW eingeschlagen - in unmittelbarer Nähe eines Verwaltungsgebäudes, hieß es. Vier Geschosse seien registriert worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

+++ 16.40 Uhr: Laut New York Times haben Inspektorinnen und Inspektoren das Atomkraftwerk Saporischschja immer noch nicht besichtigt und überprüft. Allerdings hätten Ukraines Präsident Selenskyj und Russlands Wladimir Putin ihre Bereitschaft dazu erklärt, dass sich internationale Fachleute das AKW ansehen könnten. Beide Länder hatten der Gegenseite vorgeworfen, dass sie Angriffe ausgeführt hatten.

AKW Saporischschja: Nato-Eingriff möglich?

+++ 13.15 Uhr: Abgeordnete aus den USA und Großbritannien haben betont, dass ein GAU am AKW Saporischschja das Inkrafttreten von Artikel 5 des Nato-Vertrages rechtfertigen würde. Als GAU (größter anzunehmender Unfall) wird in diesem Kontext eine Kernschmelze bezeichnet. Diese hätte wohl zur Folge, dass radioaktives Material aus dem Kraftwerk in die Umwelt gelangen würde.

Artikel 5 den angesprochenen Nato-Vertrages beinhaltet die Möglichkeit eines bewaffneten Angriffs gegen einen Mitgliedsstaat in Nordamerika oder Europa. Der US-Abgeordnete Adam Kinzinger (Republikaner) und der britische Abgeordnete Tobias Ellwood (Konservative Partei) erklärten dies. Sie begründeten den Vorstoß damit, dass die radioaktive Strahlung wohl auch Menschen in Nato-Staaten töten würde.

Ukraine-Krieg: Macron und Putin wollen über Inspektion von AKW Saporischschja sprechen

+++ 12.15 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin wollen in den kommenden Tagen offenbar erneut darüber sprechen, wann und in welchem Umfang eine unabhängige Inspektion des AKW Saporischschja stattfinden kann. Das berichtet die BBC.

Laut Angaben von UN-Generalsekretär António Guterres gibt es in Verhandlungen zwei Optionen für das Gelände des Atomkraftwerks. Zum einen könne eine entmilitarisierte Zone errichtet werden, was Russland bislang kategorisch ausschließt – mit der Begründung, dass dies den AKW-Komplex noch verwundbarer mache. Zum anderen könnten die eingangs erwähnten unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Internationalen Atomenergiebehörde Untersuchungen durchführen und auf das Gelände gelassen werden. Dies erscheint, angesichts der Informationen aus Paris und Moskau, derzeit die realistischere Option zu sein.

+++ 07.45 Uhr: Die New York Times berichtet, dass Fachleute für Nuklearsysteme des russischen Staatsbetriebs „Rosatom“ am Donnerstag das AKW Saporischschja verlassen haben. Dies steht laut Bericht möglicherweise im Zusammenhang mit einer neuen Eskalationsstufe im Streit um das besetzte Atomkraftwerk. Der Guardian berichtet zudem, dass internationale Beobachtende befürchten, dass die Kühlkette der Reaktorblöcke im AKW unterbrochen werden könne. Das vorhandene Reaktorkühlsystem ist für die Sicherheit des Standorts von entscheidender Bedeutung und hängt von der Aufrechterhaltung der Stromversorgung ab.

Im Zuge russischer Planungen das AKW an das russische Netz anzuschließen (s. Update v. 07.00 Uhr) könnte es zu einer Unterbrechung der Stromversorgung und damit der Kühlkette kommen. Falls die radioaktiven Brennstäbe im Inneren der Reaktorblöcke nicht dauerhaft gekühlt werden, steigt die Gefahr einer Kernschmelze enorm. Diese gilt als GAU (größter anzunehmender Unfall), da sie katastrophale Folgen für die Umwelt hätte.

Laut dem Bericht der New York Times haben die ukrainischen Angestellten des AKW Todesangst. Sie würden dauerhaft bedroht und müssten unter schlechten Bedingungen arbeiten, zitierte die Zeitung einen Augenzeugen aus dem Kraftwerk. Russische Truppen besetzen das Atomkraftwerk seit Monaten.

Ukraine-Krieg: Russland schmiedet wohl perfiden Plan für AKW Saporischschja

Update vom Samstag, 20. August, 07.00 Uhr: In seiner am Freitag ausgestrahlten Videoansprache hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass Russland plant, das Atomkraftwerk Saporischschja an das russische Stromnetz anzuschließen. Moskau wolle eine „groß angelegte Provokation“ kreieren, um eine Abkoppelung des AKWs vom ukrainischen Stromnetz zu rechtfertigen. Seit Wochen beschuldigen sich die Ukraine und Russland einander, das Kernkraftwerk zu beschießen. International herrscht daher große Sorge über einen möglichen Super-Gau.

AKW Saporischschja: Russlands Aktionen „Gipfel der Verantwortungslosigkeit“

+++ 22.40 Uhr: Ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter ließ laut Bericht von CNN verlauten, dass Russland eine „völlige Missachtung“ der Sicherheit der ukrainischen Atomanlagen gezeigt habe und dass die Handlungen rund um die Anlage nun „der Gipfel der Verantwortungslosigkeit“ seien. „Dies ist eine Situation, die von der gesamten US-Regierung und der nationalen Sicherheitsgemeinschaft sehr, sehr genau beobachtet wird. Wir sind sehr besorgt über Militäroperationen in oder in der Nähe von ukrainischen Kernkraftwerken und sehr besorgt über Berichte über Schäden an den Stromleitungen in Saporischschja“, sagte der Beamte laut CNN in einer Pressekonferenz vor den Reportern.

„Wir haben sehr deutlich gemacht, dass Kämpfe in der Nähe von Kernkraftwerken gefährlich und unverantwortlich sind, und wir wollen, dass die Kämpfer und Russland mit äußerster Vorsicht vorgehen und keine Aktionen durchführen, die zu einer möglichen Freisetzung von Radioaktivität führen könnten“, so der Beamte weiter. Die USA erwarteten von Russland, der Ukraine die volle Kontrolle über die Anlage des Atomkraftwerkes zurückzugeben und die Sicherheitsvorkehrungen der Internationalen Atomenergie-Organisation einzuhalten.

AKW Saporischschja in Ukraine: Satellitenaufnahmen widersprechen Putins Vorwürfen

+++ 19.35 Uhr: Wie ist die Lage am AKW Saporischschja in der Ukraine? Der Sender CNN hat mehrere Satellitenaufnahmen ausgewertet und kommt zu dem Schluss: „Es gibt keine Anzeichen für einen systematischen Beschuss des Atomkraftwerks“ vonseiten der ukrainischen Streitkräfte. Diese Auswertungen widersprechen den Aussagen Wladimir Putins, die Ukraine würde das AKW mehrfach und direkt angreifen. Das soll Putin während seines Telefonats mit dem französischen Präsidenten Macron unterstrichen haben. Auf den Aufnahmen zeige sich laut CNN keinerlei neue Schäden seit dem 19. Juli.

Bei dem Telefonat einigten sich die beiden Staatsoberhäupter, IAEA-Kontrolleurinnen und Kontrolleure sollten das Kraftwerk „sobald wie möglich“ besichtigen. Angaben aus Paris zufolge werden Macron und Putin sich über die Inspektion in den kommenden Tagen erneut austauschen.

+++ 16.25 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron beendeten soeben ein Telefongespräch über die Lage in der Ukraine, berichtet der Guardian. In einem von Reuters veröffentlichten Bericht des Kremls über das Telefonat sagte Putin, dass der Beschuss des von Russland kontrollierten Kernkraftwerks Saporischschja in der Südukraine das Risiko einer „großen Katastrophe“ berge. Für die angespannte Situation habe er weiterhin Kiew verantwortlich gemacht.

IAEA soll AKW Saporischschja besichtigen: Putin und Macron telefonieren über Risiko einer „großen Katastrophe“

Reuters fügt hinzu, beide Präsidenten seien sich einig, dass ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde in die Anlage geschickt werden müsse. Nach Angaben des Kremls informierte Putin Macron außerdem über die fortbestehenden Hindernisse bei der Lieferung russischer Lebensmittel und Düngemittel auf die Weltmärkte.

AKW Saporischschja: UN-Chef Guterres stellt Forderung an Russland

+++ 15.22 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres forderte Russland während seines Aufenthaltes in Odessa dazu auf, das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja nicht vom ukrainischen Stromnetz zu trennen. „Natürlich ist der Strom von Saporischschja ukrainischer Strom (...). Dieses Prinzip muss voll und ganz respektiert werden“, so Guterres am Freitag bei einer Pressekonferenz in der ukrainischen Hafenstadt. Zuvor hatte der Kraftwerksbetreiber Energoatom entsprechende Befürchtungen geäußert.

Es habe entsprechende Informationen gegeben, die darauf hindeuteten, hatte der Stromversorger im Onlinedienst Telegram mitgeteilt. Das russische Militär sei auf der Suche nach Nachschub für Dieselgeneratoren, die nach dem Abschalten der Reaktoren aktiviert werden sollten. Guterres hatte die Angriffe bereits am Vortag als „selbstmörderisch“ bezeichnet und eine entmilitarisierte Zone rund um die Atomanlage gefordert.

Ukraine-News – AKW Saporischschja: Warnung vor Katastrophe

+++ 13.45 Uhr: Russland hat erneut vor einer Katastrophe im Atomkraftwerk Saporischschja gewarnt. Das ukrainische Militär beschieße das AKW mit von den USA gelieferten Waffen, sagte der Sekretär des russischen nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, der Agentur Interfax zufolge in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. „Wenn es zu einer Katastrophe kommt, dann werden die Folgen in allen Ecken der Welt zu spüren sein. Die Verantwortung dafür werden Washington, London und ihre Handlanger tragen“, sagte er auf einer Sitzung der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit.

Die russische und die ukrainische Führung machen sich seit Tagen gegenseitig für den Beschuss des größten Atomkraftwerks in Europa verantwortlich. Russland und die Ukraine hatten auch vor möglichen Provokationen um das AKW für heute gewarnt. Es gab aber zunächst keine neuen Meldungen über den Beschuss der Kraftwerksanlagen. Russland lehnt internationale Forderungen ab, das AKW zu entmilitarisieren – offiziell mit der Begründung, dass die Regierung in Kiew wegen des Krieges nicht für die Sicherheit der Atomanlagen sorgen könne.

Die Lage um das AKW ist weiter angespannt. Geplant ist, dass sich Fachleute der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) ein Bild von der Lage im Kraftwerk machen. Ein Termin steht allerdings nicht fest. Russlands Vertreter bei den internationalen Organisationen in Wien, der Diplomat Michail Uljanow, meinte am Freitag, dass es womöglich Anfang September zu der IAEA-Reise in die Ukraine kommen könnte.

News zum Ukraine-Krieg: Lage um AKW Saporischschja spitzt sich zu

Update vom Freitag, 19. August, 06.40 Uhr: Trotz aller Vermittlungsbemühungen spitzt sich die Lage in und um das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja weiter zu. Russland und die Ukraine beschuldigten einander am Donnerstag, dort für den heutigen Freitag einen Anschlag zu planen. Im Internet kursierte ein nicht verifiziertes Video, das angeblich russische Militärlastwagen in einer Halle neben einem Reaktor zeigt. In den vergangenen Tagen ist das Werk immer wieder beschossen worden, wofür Russen und Ukrainer sich gegenseitig verantwortlich machen.

+++ 22.20 Uhr: Sollte es im Atomkraftwerk Saporischschja zu einem GAU kommen, könnte die radioaktive Verseuchung in erster Linie die Ukraine, aber auch die Nachbarländer treffen. Das teilte die ukrainische Online-Zeitung Pravda Ukrainska mit. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter des Hydrometeorologischen Instituts der Ukraine haben anhand von Simulationen berechnet, wie sich der radioaktive Niederschlag ausbreiten könnte. Anhand der Wetterdaten vom 15. bis 18. August, würden radioaktive Aerosole vor allem in westliche Richtung geweht werden, allerdings wären auch die besetzten Gebiete der Donbass-Region betroffen.

Teilweise radioaktive Verunreinigungen könnten sich auch auf die Nachbarstaaten, den östlichen Teil von Belarus, Polen und die baltischen Staaten ausbreiten, wie die Forscherinnen und Forscher auf der Facebook-Seite des Hydrometeorologischen Instituts der Ukraine mitteilten.

News zum Ukraine-Krieg: AKW Saporischschja – Erdogan warnt vor Nuklearkatastrophe

+++ 19.30 Uhr: Angesichts der gespannten Lage im Ukraine-Krieg und der unklaren Situation rund um das Atomkraftwerk in Saporischschja werden jetzt immer mehr Warnungen laut. So hat nun der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einem „neuen Tschernobyl“ im AKW Saporischschja gewarnt.

News zum Ukraine-Krieg: AKW Saporischschja – Kiew warnt vor russischer Sabotage

+++ 18.55 Uhr: Im Ukraine-Krieg richten sich die Blicke aktuell gebannt auf das Atomkraftwerk in Saporischschja. Nach Moskauer Warnungen vor einem angeblich geplanten ukrainischen Anschlag auf das AKW hat der Militärgeheimdienst der Ukraine seinerseits vor einem möglichen russischen Sabotageakt gewarnt. Die russischen Besatzer hätten unerwartet für Freitag einen arbeitsfreien Tag im größten Atomkraftwerk Europas verkündet. Das schrieb der Geheimdienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums in Kiew am Donnerstag auf Facebook. Nur die Bedienungsmannschaft solle im AKW verbleiben, allen anderen sei der Zutritt untersagt worden.

Es sei zu befürchten, dass russische Kräfte nach ihrem Beschuss auf das AKW nun „den Einsatz erhöhen“ und einen Terroranschlag begehen wollten, hieß es in der Mitteilung. Details wurden nicht genannt; überprüfbar waren die ukrainischen Angaben nicht.

News zum Ukraine-Krieg: Sicherheit des Atomkraftwerks Saporischschja soll gewährleistet werden

+++ 17.30 Uhr: Nach seinem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres in Lwiw im Westen der Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstagnachmittag die UNO zur Sicherung des Atomkraftwerks Saporischschja aufgerufen. „Die Vereinten Nationen müssen die Sicherheit dieses strategischen Objekts, seine Entmilitarisierung und seine vollständige Befreiung von den russischen Truppen gewährleisten“, sagte Selenskyj.

+++ 15.30 Uhr: Die russische Regierung hat mit einer Abschaltung des Atomkraftwerks Saporischschja gedroht. Wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent am Donnerstag berichtete, wurde dies mit einer „Provokation“ der Ukraine auf dem AKW-Gelände begründet. Weitere Details wurden nicht genannt. Die Angaben sind nicht unabhängig verifizierbar.

News zum Ukraine-Krieg: „Ernsthafte Bedrohung“ – Nato drängt auf Inspektion von AKW Saporischschja

+++ 08.30 Uhr: Die Nato drängt im Konflikt um das von russischen Truppen kontrollierte AKW Saporischschja auf eine unabhängig Inspektion der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Die russische Besetzung sei „eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit dieser Anlage“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch (17. August) in Brüssel. Dies erhöhe das Risiko eines Nuklearunfalls oder eines „Zwischenfalls“, so Stoltenberg.

„Es ist dringend notwendig, eine IAEA-Inspektion zu ermöglichen und den Abzug aller russischen Streitkräfte zu erreichen“, erklärte der Generalsekretär des Militärbündnisses. Die russische Kontrolle über das AKW in Saporischschja gefährde „die Menschen in der Ukraine, in den Nachbarländern und die internationale Gemeinschaft“, betonte er weiter. In der vergangenen Woche hatte der Chef der IAEA, Rafael Grossi, in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats den sofortigen Zugang zu Europas größtem Atomkraftwerk gefordert.

News zum Ukraine-Krieg: „Nukleare Katastrophe“ in AKW Saporischschja befürchtet

Update vom Donnerstag, 18. August, 07.00 Uhr: Vor einem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut einen Abzug russischer Truppen aus dem AKW Saporischschja gefordert. „Dies muss ohne Bedingungen und so bald wie möglich geschehen“, sagte Selenskyj am Mittwochabend in seiner Videoansprache.
Ukrainische Diplomaten, Wissenschaftler und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) arbeiteten daran, den Besuch einer Expertenkommission in dem Kernkraftwerk zu ermöglichen. „Nur absolute Transparenz und eine kontrollierte Lage in und um das AKW garantieren eine Rückkehr zu normaler nuklearer Sicherheit für den ukrainischen Staat, die internationale Gemeinschaft und die IAEA“, sagte Selenskyj.

Die Lage in dem von russischen Truppen besetzten größten Atomkraftwerk Europas beunruhigt die internationale Staatengemeinschaft seit Wochen. Immer wieder schlagen auf dem Kraftwerksgelände Geschosse ein, wobei sich Russland und die Ukraine gegenseitig für den Beschuss verantwortlich machen. Der Besuch einer IAEA-Mission in Saporischschja wird Thema bei dem Treffen Selenskyjs mit Guterres an diesem Donnerstag in Lwiw (Lemberg) sein. Dritter Teilnehmer des Gipfels ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die russische Besatzungsverwaltung berichtete am Mittwoch (17. August) zweimal über angeblich ukrainischen Beschuss auf das AKW. Zwei Mitarbeiter des Werks wurden nach Polizeiangaben festgenommen, weil sie den ukrainischen Truppen beim Zielen geholfen hätten, meldete die Agentur Ria Nowosti. Unabhängige Bestätigungen dafür gab es nicht.

Ukraine-Krieg: AKW getroffen? Macron mit Forderung an Putin

Update vom Mittwoch, 17. August, 08.45 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Forderung nach einem Abzug der russischen Truppen vom Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine bekräftigt. Macron habe in einem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj seine „Besorgnis“ über die Lage zum Ausdruck gebracht, erklärte der Elysée-Palast am Dienstag in Paris. Die Präsenz und die Einsätze der russichen Truppen an dem AKW sowie der allgemeine „Kriegskontext“ seien eine „Bedrohung“ für die Sicherheit der ukrainischen Atomanlagen. Macron fordere daher den Abzug der russischen Truppen.
Die russische Armee hält das Atomkraftwerk Saporischschja seit März besetzt, seit Ende Juli wurde es wiederholt beschossen. Kiew und Moskau machten sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Diese weckten Befürchtungen vor einer atomaren Katastrophe am größten Atomkraftwerk Europas.

Die ukrainische Regierung und ihre westlichen Verbündeten fordern eine entmilitarisierte Zone rund um das Akw und einen Abzug der russischen Truppen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am vergangenen Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung zur Lage in Saporischschja abgehalten.

Macron bekundete in dem Telefonat mit Selenskyj auch Unterstützung für die Forderung des Generaldirektors der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, auf freien Zugang zu der Atomanlage. Die beiden Präsidenten hätten sich „über die Modalitäten einer solchen Mission“ ausgetauscht, erklärte der Elysée. Auch mit Grossi tausche sich der französische Präsident regelmäßig über die geforderte Mission aus.

Ukraine-Krieg: Experte warnt vor AKW-GAU in Saporischschja

+++ 13.00 Uhr: Die Lage rund um das AKW Saporischschja bleibt angespannt. Ungeachtet der Entwicklung der Verhandlungen, in welchen zuletzt eine „Feuerpause“ im Gespräch war (s. Update v. 11.00 Uhr), kommt es zu Gefechten in der Region um das Atomkraftwerk. Die größte Gefahr stellen die Kämpfe dabei für die Stromversorgung des Kraftwerks dar. Derzeit sind zwei der insgesamt sechs Reaktoren im AKW in Betrieb. Sie sind für die Kühlung der Anlage zuständig. Zwar gibt es im Innern der Kraftwerks Notstromaggregate. Doch müssten alle Reaktoren abgeschaltet werden, wäre eine Stromzufuhr von außerhalb nötig. Eine zentrale Rolle spielen dabei Überlandleitungen, die inmitten der Kampfregion verlaufen. Falls alle Reaktoren im AKW-Innern die Brennelemente nicht mehr kühlen könnten und auch von außerhalb keine Energie in das Kraftwerk käme, träte wohl der Worst Case ein: eine Kernschmelze.

Eine Kernschmelze gilt in diesem Kontext als GAU. Auf diese Weise könnte radioaktives Material freigesetzt werden. In diesem Szenario würde der Wind wohl der wichtigste Aspekt sein. Die Folgen eines radioaktiven Materialaustritts hängen davon ab, „welche Witterung zum Ereigniszeitpunkt herrscht und woher der Wind weht“, erklärte kürzlich Meteorologe Wolfgang Raskob der Wochenzeitung Zeit. „Der bläst in Saporischschja überwiegend Richtung Süden oder Osten.“ Sowohl Russland als auch die Türkei könnten davon getroffen werden. Deutschland sei hingegen außer Reichweite, betonte Raskob, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Arbeitsgruppe „Unfallfolgen des Instituts für Kern- und Energietechnik“ leitet. Die Arbeitsgruppe hat in Zusammenarbeit mit zahlreichen europäischen Forschenden das Programm „Rodos“ entwickelt. Es simuliert die globalen Folgen eines radioaktiven Ernstfalls.

Ukraine-Krieg: AKW Saporischschja unter Beschuss – Russland will wohl „Feuerpause“

Update vom Montag, 15. August, 11.00 Uhr: Seit Wochen kommt es zu Kämpfen in der Region Saporischschja. Insbesondere die dortige Lage des Atomkraftwerks macht die Situation brisant. Zuletzt wurde eine Atomkatastrophe befürchtet (s. Erstmeldung). Nun soll es offenbar Bewegung in den Verhandlungen geben. Russische Besatzer sollen eine „Feuerpause“ im umkämpften Gebiet vorgeschlagen haben. „Die Führung der Vereinten Nationen und der Chefdiplomat der EU sollten nicht über Entmilitarisierung sprechen, sondern über die Einführung einer Feuerpause“, sagte Wladimir Rogow, ein Vertreter der russischen Besatzungsbehörden, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Seit Tagen beschuldigen sich die Kriegsparteien gegenseitig, wer für die Angriffe auf das AKW verantwortlich sein soll.

Ukraine-Krieg: AKW Saporischschja – Atomkatastrophe wird befürchtet

Erstmeldung vom Sonntag, 14. August, 12.30 Uhr: Enerhodar – Aktuell wird gemutmaßt, dass es im Ukraine-Krieg zu einem Nuklearunfall gekommen ist. Auf sozialen Medien sind Berichten zufolge derzeit Videos zu sehen, wie einige Fahrzeuge das Gebiet des Kernkraftwerks Saporischschja in Enerhodar in der Ukraine verlassen.

Die belarussische Medienagentur Nexta postete am Samstag (13. August) ein Video, auf dem einige Fahrzeuge zu sehen sind, die das Gebiet verlassen wollen. „Die Menschen verlassen #Energodar und andere nahegelegene Städte in Massen, während die Gegend ständig beschossen wird“, schrieb Nexta auf Twitter. Auch Maria Avdeeva, Forschungsdirektorin der European Expert Association in der Ukraine, teilte entsprechende Videos. Dazu schrieb sie, dass „die Russen wieder ein Atomkraftwerk beschossen haben“. Ein großer Konvoi von Autos versuche das Gebiet zu verlassen.

Ukraine-Krieg: Russland möchte Ukraine verantwortlich machen

Das US-amerikanische Magazin Newsweek habe die Informationen der Videos noch nicht unabhängig überprüfen können. Laut der Nachrichtenagentur Reuters weisen Beamte der Kriegsparteien Ukraine und Russland die Schuld von sich. Beide behaupten, der jeweils andere habe das Kraftwerk beschossen.

Mychhailo Podoljak, der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, schrieb am Samstag auf Twitter, dass die Russen einen Teil des Kraftwerkes beschießen würden, in dem die Energie für den Süden der Ukraine gespeichert ist. „Das Ziel ist, uns vom Atomkraftwerk Saporischschja zu trennen und die (ukrainische) Armee dafür verantwortlich zu machen.“ Das Gebiet, auf dem sich das Kraftwerk befindet, ist schon länger von Russen besetzt, dennoch wird es weiterhin von Ukrainern betrieben.

Ukraine-Krieg: Durch Beschuss könnte Radioaktivität austreten

Erst am Freitag (12. August) hatte der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew mit seinen Aussagen wieder provoziert. Er schrieb auf Telegram, dass es auch zu „Unfällen“ auf Atomkraftwerke der EU kommen könne. Für den Beschuss der Anlage Saporischschja macht er die Ukraine verantwortlich. Edwin Lyman, Experte für Kernkraft, hatte am Freitag in einem Interview mit der New York Times darüber gesprochen, ein Brand in der Anlage sein könnte. Das Kühlsystem könnte dadurch abgeschaltet werden und daher Radioaktivität austreten. (jo/tu/con/nak mit dpa/AFP)

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