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Papst Benedikt gibt „versehentliche“ Falschaussage zu: Kardinal Wetter entschuldigt sich - mit großem Aber

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Mit einem Festgottesdienst wurde Kardinal Friedrich Wetter 2008 verabschiedet.
Kardinal Friedrich Wetter hat nach dem Missbrauchsgutachten Fehler eingestanden und sich entschuldigt. © Frank Mächler/dpa/Archiv

Als Reaktion auf das Missbrauchsgutachten hat sich der frühere Erzbischof von München und Freising, Kardinal Wetter, entschuldigt. Manche Vorwürfe weist er aber auch strikt zurück.

Update vom 25. Januar, 13.47 Uhr: Der frühere Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, hat sich für seine „falsche Entscheidung“ in einem prominenten Missbrauchsfall entschuldigt. Der betreffende Pfarrer hätte nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt werden dürfen, hieß es in einer Erklärung, die das Erzbistum am Dienstag in Wetters Auftrag veröffentlichte. „Es tut mir von Herzen leid.“

In anderen Fällen bestreitet er ein ihm vorgeworfenes Fehlverhalten allerdings vehement. „In 6 Fällen liegt kein Missbrauch vor“, schreibt Wetter beispielsweise - oder: „Ein Name war mir völlig unbekannt.“ Er kommt zu dem Schluss: Die Fakten der 21 Fälle belegten „keinesfalls pauschal ein ‚Fehlverhalten in 21 Fällen‘“.

Wetter ist der Vorgänger von Kardinal Reinhard Marx im Münchner Bischofsamt und war von 1982 bis 2008 Erzbischof der Diözese. In seine Amtszeit fällt die Versetzung eines wegen sexuellen Missbrauchs rechtskräftig verurteilten Priesters in eine andere Gemeinde in Garching an der Alz - wo er erneut Jungen missbraucht haben soll. Für diesen Fall gilt die Entschuldigung, die er nun formulierte.

Ein vom Erzbistum unter seinem Nachfolger Marx in Auftrag gegebenes Gutachten, das in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, wirft Wetter Fehlverhalten in 21 Fällen vor. Er habe die Fälle zwar nicht bestritten, ein Fehlverhalten seinerseits aber, sagte der Jurist Martin Pusch bei der Präsentation des Gutachtens.

Papst Benedikt gibt Falschaussage bei Missbrauchsgutachten zu - Theologe „erschüttert“

Update vom 24. Januar, 16.02 Uhr: Der Theologe und langjährige Weggefährte von Papst Benedikt XVI., Wolfgang Beinert, fordert eine öffentliche Entschuldigung des emeritierten Pontifex bei Opfern sexuellen Missbrauchs. „Das ist unbedingt notwendig“, sagte der emeritierte Theologie-Professor der Augsburger Allgemeinen. „Es bleibt ihm also nur übrig zu sagen: Ja, ich habe einen Fehler begangen und bereue ihn bitterlich“, sagte er. „Anschließend müsste er ein Zeichen setzen - so er das noch kann.“

„Auch Päpste sind vor Lügen nicht gefeit“, sagte der Ratzinger-Schüler Beinert. „Alle Menschen sind Sünder, Päpste auch. Und auch Päpste sind Menschen, die in der Not zum rettenden Strohhalm greifen“, sagte er. „Mich hat das erschüttert“, sagte er über Äußerungen Ratzingers, einer der beschuldigten Priester habe als Privatmann gehandelt. „Ich glaube, Ratzinger hat die Dimension dessen, was da geschehen ist, überhaupt noch nicht begriffen“, sagte der 88 Jahre alte Theologe der Zeitung.

Emeritierter Papst Benedikt XVI.: Mainzer Bischof erschüttert über Missbrauchsgutachten

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zeigte sich erschüttert über das Missbrauchsgutachten. „Namen von versagenden Verantwortlichen, die jetzt genannt werden, waren für mich viele Jahre, bei aller Distanz, immer auch Persönlichkeiten, die mein Kirchenbild geprägt haben“, erklärte er am Montag in einer Stellungnahme. Das augenscheinliche Versagen kirchlicher Amtsträger habe seinen Glauben erschüttert. „Aus dem Stolz, für Jesus Christus unterwegs zu sein, ist bei mir immer wieder auch Scham geworden und der Wunsch, die Erde möge sich unter mir auftun.“

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. spricht bei einem Interview
Der emeritierte Papst Benedikt XVI steht nach dem Missbrauchsgutachten in der Kritik. (Archivbild) © Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Katholische Reformbewegung bezeichnet Stellungnahme des emeritierten Papstes Benedikt XVI. als „peinlich“

Update vom 24. Januar, 15.40 Uhr: Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat die Stellungnahme des emeritierten Papstes Benedikt XVI. mit der Korrektur einer Aussage zum Münchner Missbrauchsgutachten (siehe Erstmeldung) als „peinlich“ bezeichnet. „Was immer noch fehlt, ist sein persönliches Schuldeingeständnis“, sagte „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Durch falsche Entscheidungen im Fall des Priesters sei „vielen Betroffenen großes Leid zugestoßen. Das hätte durch ihn verhindert werden können. Dieser Gesamtverantwortung muss er sich stellen“, sagte Weisner. „Es ist höchst peinlich und unglaubwürdig, dass Joseph Ratzinger seine erste Stellungnahme zum Münchner Gutachten in einem so entscheidenden und leicht nachprüfbaren Punkt korrigieren muss.“

„Versehen“? Papst Benedikt gibt Falschaussage bei Missbrauchsgutachten zu

Erstmeldung vom 24. Januar: München - Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Stellungnahme für das Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising an einer wichtigen Stelle eine falsche Aussage gemacht. Das räumte der emeritierte Pontifex am Montag in einer Stellungnahme seines Privatsekretärs Georg Gänswein ein, die unter anderem das Portal Vatican News und die Tagespost Stiftung dokumentierten.

Benedikt habe demnach, anders als in dem vergangene Woche veröffentlichten Gutachten behauptet, doch im Jahr 1980 als Erzbischof von München und Freising an einer Ordinariatssitzung teilgenommen, bei der über einen Priester gesprochen wurde, der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war.

Kirchen-Beben um Papst Benedikt XVI.: Falsche Aussage in Stellungnahme

Jener Priester wurde später in Bayern wieder als Seelsorger eingesetzt und ist einer der zentralen Fälle des Gutachtens, das die Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) im Auftrag des Erzbistums München und Freising präsentiert hatte. Darin wird Benedikt in insgesamt vier Fällen Fehlverhalten vorgeworfen.

Der 94-Jährige wollte bei seiner Korrektur der Aussage „betonen, dass dies nicht aus böser Absicht heraus geschehen ist, sondern Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme war“, hieß es in dem Statement. „Dieser Fehler tut ihm sehr leid und er bittet, diesen Fehler zu entschuldigen.“

Papst Benedikt XVI. mit Klarstellung - „Im Bemühen um Aufklärung sehr verbunden“

Gänswein wollte zudem klarstellen, dass in jener Sitzung vom Januar 1980 „über einen seelsorgerlichen Einsatz des betreffenden Priesters nicht entschieden wurde. Vielmehr wurde lediglich der Bitte entsprochen, diesem während seiner therapeutischen Behandlung in München Unterkunft zu ermöglichen“.

Benedikt studiere derzeit intensiv das Gutachten und sei seiner früheren Diözese „nahe“ und „im Bemühen um Aufklärung sehr verbunden“. Laut des Berichts waren mindestens 497 Kinder und Jugendliche zwischen 1945 und 2019 in dem katholischen Bistum von Priestern, Diakonen oder anderen Mitarbeitern der Kirche sexuell missbraucht worden. Mindestens 235 mutmaßliche Täter gab es demnach - darunter 173 Priester und 9 Diakone. Allerdings sei dies nur das „Hellfeld“ - es sei von einer viel größeren Dunkelziffer auszugehen. (dpa/cibo)

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