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Ex-Nato-General ist sich sicher – Putin hat noch neun Monate Zeit

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Von: Julius Fastnacht

Mit einer verstärkten Offensive erzielt Russland militärische Erfolge im Osten der Ukraine. Laut einem Nato-General ist der Angriff auch ein Spiel mit der Zeit.

Moskau – Ein Strategiewechsel im Ukraine-Konflikt scheint Russland erhebliche militärische Erfolge zu bescheren. Mittlerweile konzentriert sich die russische Armee nämlich vor allem auf ihre Offensive im Osten des Landes.

Laut einem Bericht des Nachrichtensenders Al Jazeera versuchen die russischen Truppen derzeit, die Gesamtheit der verbliebenen ukrainischen Streitkräfte in den Regionen Luhansk und Donbass einzukesseln.

Ukraine-Krieg – Russland verfolgt Zerstörungsstrategie

Der Kampf um die östlichste noch von der Ukraine gehaltene Stadt – Sjewjerodonezk – tobt bereits seit dem 21. Mai. Kreml-Meldungen, nach denen der Ort bereits gefallen sei, treffen laut Angaben des Gouverneurs von Luhansk, Serhij Hajdaj, allerdings nicht zu.

Ukraine-Krieg
Ein russischer Soldat im zerbombten Theater von Mariupol. © Alexander Nemenov / AFP

Dennoch sagte Hajdaj: „Der Beschuss nimmt immer mehr zu. Die russische Armee hat beschlossen, Sjewjerodonezk vollständig zu zerstören.“ Dabei erinnert die russische Herangehensweise Al Jazeera zufolge an den Angriff auf Mariupol – der Schwarzmeer-Hafen liegt nach zwei Monaten Bombardement in Schutt und Asche.

Ukraine-Konflikt: Armee noch nicht an westlichen Waffen geschult

Gegenüber der FAZ sagte Politologe und Militärexperte Carlo Masala, ein Grund für die Rückschläge der Ukraine im Osten des Landes bleibe weiterhin der Mangel an schweren Waffen. Für den ehemaligen Nato-Kommandeur Konstantinos Loukopoulos rückt mittlerweile aber ein anderer Faktor in den Vordergrund. Die ukrainische Armee müsse sich überhaupt an die bereits gelieferte westliche Militärausrüstung anpassen, sagte er Al Jazeera.

„Die Ukraine braucht acht, neun Monate, um die Waffen aus dem Westen aufzunehmen, sie einsatzbereit zu machen, die richtigen Einheiten zusammenzustellen und sie auszubilden. Sie kann dafür keine aktiven Einheiten von der Front abziehen“, äußerte sich Loukopoulos.

Gleichzeitig sei das der konkrete Zeitrahmen für Wladimir Putins Offensive – bis dahin müsse er den Ukraine-Krieg auf dem Boden für sich entscheiden und einen Deal verhandeln. Für den Moment gelte aber: „Ob es uns gefällt oder nicht, Russland hat die politische und militärische Initiative. Der Westen reagiert auf das, was Putin tut.“

Mariupol: Ukrainische Stadt ist völlig zerstört

Rund eine Woche nach der Eroberung des Asow-Stahlwerks in Mariupol gibt Russland derweil an, 2431 ukrainische Soldaten gefangen genommen zu haben. Wenn es nach Denis Puschilin, Anführer der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, geht, soll das zerbombte Stahlkombinat nicht neu aufgebaut werden. Stattdessen könne er sich vorstellen, Mariupol als Resort für russische Touristen zu entwickeln.

Die Aussagen stehen in scharfem Kontrast zum Horror, den zuletzt die Zivilbevölkerung vor Ort durchlebte. Unter Berufung auf die städtische Verwaltung schreibt Al Jazeera von geschätzten 22.000 Todesopfern, getötet durch russischen Beschuss. Drei Viertel der Bewohner:innen seien geflohen, 60 Prozent der Gebäude komplett zerstört.

Der mittlerweile geflüchtete Bürgermeister Wadym Bojtschenko erzählt von einem wahrhaft apokalyptischen Szenario in der Stadt. Kanalisation und Müllentsorgung seien nicht mehr existent, es werde immer wärmer. Im Sommer könne es deshalb zu „Ausbrüchen von Ruhr und anderen Infektionskrankheiten“ kommen. (juf)

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