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Erziehung in Frankreich: Kinder zeigen weniger Verhaltensprobleme

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Französische Eltern machen in Sachen Erziehung wohl vieles besser als deutsche. Ihre Kinder neigen weniger zu Wutanfällen und Verhaltensstörungen.

Manchmal stecken Eltern in einer echten Sackgasse, was die Erziehung ihrer Kinder angeht. Wenn sich der Nachwuchs zum wiederholten Male auf den Boden wirft und aus Leibeskräften schreit, ist viel Ruhe und Geduld gefragt. Doch was hierzulande fast zur Normalität gehört, ist in Frankreich eine echte Rarität. In dem deutschen Nachbarland herrschen in Sachen Erziehung ganz andere Maßstäbe. Wie auch in Dänemark, wo Eltern ihre Kinder nach der sogenannten Glück-Formel erfolgreich heranziehen.

Doch warum haben französische Kinder eigentlich weniger Verhaltensprobleme? Dafür gibt es laut dem Online-Magazin momjunction.com verschiedene Gründe. Die wichtigsten sind nachfolgend aufgeführt.

Erziehung in Frankreich: Kinder haben seltener Verhaltensprobleme

1. Kinder schlafen separat

Familie am Esstisch, Kind will Mutter füttern
Französische Eltern machen offensichtlich bei ihrer Erziehung vieles richtig: Angeblich haben ihre Kinder weniger Verhaltensprobleme. (Symbolbild) © Shotshop/IMAGO

Schlaflose Nächte stehen bei französischen Eltern weit weniger an der Tagesordnung als bei deutschen. Der Grund dafür ist simpel: Babys und Kinder schlafen in einem separaten Zimmer oder zumindest in einem anderen Bett als die Eltern. Wenn das Baby nachts aufwacht und zu weinen beginnt, warten die Mütter normalerweise ab, bevor sie nach dem Rechten sehen. Dadurch lernen Babys, sich selbst zu beruhigen. Der Vorteil ist, dass die Kinder alleine einschlafen können – ganz ohne die Hilfe von Mama und Papa. Diese Methode ist also meist viel effektiver, als das Kind verzweifelt zu schaukeln oder zu füttern, damit es zu weinen aufhört.

2. Kinderbetreuung im frühen Alter

Dass Unabhängigkeit in der französischen Erziehung einen hohen Stellenwert hat, zeigt sich auch daran, dass Mütter bereits zehn Wochen nach Geburt des Kindes wieder zur Arbeit zurückkehren. Zwar kann die Elternzeit verlängert werden, wird aber nicht länger bezahlt. Deshalb bringen viele Mütter ihren Nachwuchs schon im jungen Alter in eine Kinderkrippe oder Kita. Durch den frühen Kontakt mit einer neuen Umgebung und anderen Menschen werden französische Kinder schnell eigenständig und sind auch kommunikationsfreudiger. Den Eltern wird dieser Prozess durch gute Betreuungsangebote leicht gemacht. Die deutsche Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl rät entgegen der in Frankreich verbreiteten Erziehung von einer zur frühen Fremdbetreuung ab.

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3. Klare Benimmregeln

Gutes Benehmen wird in Frankreich groß geschrieben – das fängt bereits im frühen Alter an. Kinder lernen von ihren Eltern, Nachbarn und Bekannte freundlich zu grüßen. Höflichkeitsfloskeln wie „Bitte“, „Danke“, und „Gern geschehen“ gehören schon bei den Kleinsten zum festen Wortschatz. Außerdem drängeln französische Kinder nicht, wenn sie in einer Schlange stehen, sondern warten geduldig ab. Von nörgeln und meckern ist in solche Situationen keine Spur zu sehen – das kann sich unsereins gar nicht vorstellen!

4. Kinder erhalten Taschengeld

Auch in finanzieller Hinsicht werden französische Kinder schon früh unabhängig. Ganz im Gegensatz zu Kindern von sogenannten Rasenmäher-Eltern, die sich durch ihre Erziehung laut einer Expertin zu „unselbständigen Tyrannen“ entwickeln. Französische Kinder bekommen von den Eltern ein festes Taschengeld, das ihnen zur freien Verfügung steht. Dadurch lernen Kinder, mit ihrem Ersparten zu wirtschaften und es nur für das auszugeben, was sie wirklich wollen. Das löst das Problem von Wutanfällen an der Supermarktkasse – will das Kind eine bestimmte Leckerei, muss es das Geld dafür selbst zahlen oder eben dafür sparen. Je älter das Kind, desto mehr Taschengeld erhält es in der Regel.

5. Familienzeit ist heilig

Wegen Schule und Arbeit kann es unter der Woche durchaus passieren, dass man als Familie nicht viel gemeinsame Zeit verbringt – umso heiliger ist den Franzosen ihr Sonntag. Der ist nämlich nur für die Familie da. Das heißt: Niemand arbeitet, niemand paukt für die Schule oder trifft Freunde. Stattdessen unternimmt man zusammen als Familie etwas und genießt die gemeinsame Zeit.

6. Gemeinsame Mahlzeiten

Mindestens eine Mahlzeit am Tag isst man in Frankreich mit der ganzen Familie. Auch die Benimmetikette am Tisch lernen Kinder schnell, da sie von klein auf ihre Mahlzeiten mit den Eltern einnehmen. Serviert bekommen sie übrigens nichts anderes als die Erwachsenen selbst. Das heißt, es werden nicht extra „kinderfreundliche“ Gerichte wie Nudeln oder Pommes gekocht. Deshalb haben französische Kinder auch nichts gegen gesunde Lebensmittel einzuwenden. Sie essen einfach, was auf den Teller kommt – und knabbern fröhlich am aufgetischten Spinat oder Brokkoli. Lediglich scharfe oder schwierig zu essende Gerichte wie Muscheln werden Kindern nicht serviert.

7. Kinder können Probleme selbst lösen

Eltern wollen ihre Kinder stets vor Gefahren beschützen – und mischen sich aus diesem Grund oft in die Angelegenheiten ihres Nachwuchses ein. Rasenmäher-Eltern übernehmen beispielsweise schon mal die Hausaufgaben für ihre Schützlinge. Ganz anders handhabt man es in Frankreich: Kinder sollen sich frei entfalten und früh auf eigenen Beinen stehen können. Beispielsweise halten sich Eltern zurück, wenn sich das Kind mit einem gleichaltrigen Freund gestritten hat, damit es selbst lernt, den Konflikt zu lösen. Außerdem machen es Eltern gegenüber dem Kind klar, dass schlechtes Benehmen Folgen nach sich ziehen wird.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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