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Trinkgeld in Deutschland: In diesen Branchen ist es üblich – in anderen „verboten“

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Trinkgeld geben kann eine heikle Sache sein. Wo gibt man es, wie viel gibt man und wer darf es behalten?

Trinkgeld soll eigentlich eine nette Aufmerksamkeit sein, kann aber auch schnell zur Stolperfalle der gesellschaftlichen Konventionen werden. Schließlich will man weder geizig noch protzig wirken. Aber wer bekommt eigentlich Trinkgeld und wenn ja, wie viel? Darf der Kellner das Trinkgeld behalten und wo ist Trinkgeld geben sogar verboten?

Bezahlung und Trinkgeld in einem Restaurant
Bezahlung und Trinkgeld in einem Restaurant © Bernd Feil/M.i.S./ IMAGO

Trinkgeld: Für wen und wie viel?

Grundsätzlich ist Trinkgeld geben eine freiwillige Sache, dennoch wird sie in vielen Bereichen des Lebens erwartet und es schickt sich einfach nicht, eine Getränke-Rechnung über 17,47 Euro nicht auf einen glatten 20er aufzurunden. Trinkgeld können alle Dienstleister bekommen, die eine einmalige oder temporäre Leistung erbringen. Das kann der Kellner im Restaurant, der Barkeeper, der Taxifahrer, der Zimmerservice und die Reinigungskraft im Hotel, der Frisör oder der Handwerker sein. Regelmäßige Tätigkeiten wie das Zustellen der Post benötigen normalerweise nicht die Ausgabe von Trinkgeld, allerdings kann man dem Postboten, Zeitungsboten oder Müllmann gern zu Weihnachten eine Kleinigkeit zukommen lassen.

Bei der angemessenen Summe des Trinkgelds können die Meinungen schon einmal auseinander gehen. In Deutschland hat man die 10 Prozent-Richtlinie, um die man sich gut herumbewegen kann. Sollte die Rechnung, zum Beispiel im feinen Nobel-Restaurant, aber mehrere Hundert Euro betragen, reichen auch schon einmal 5 Prozent. Der Taxifahrer bekommt etwa 10 Prozent. Wer mehrere Nächte in einem Hotel verbringt, sollte dem Kofferträger, sofern es einen gibt, 1 bis 2 Euro pro Gepäckstück zukommen lassen. Der Zimmerservice kann bis zu 5 Euro und die Reinigungskräfte bis zu 2 Euro am Tag bekommen. Beachten Sie auch: Geben Sie das Trinkgeld lieber in Bar und nicht mit Karte, sonst können Abzüge für den Trinkgeldempfänger entstehen.

Beispiel: Wer im Restaurant isst und 64 Euro zahlen muss, sollte per 10 Prozent-Regel 6,40 Euro Trinkgeld geben. Die 70,40 Euro können Sie getrost auf 70 abrunden. Wer eine eher hohe Rechnung über 188 Euro hat, kann auf 200 aufrunden, was etwa 6 Prozent Trinkgeld sind.

Rechtslage des Trinkgelds: Wo es in Deutschland sogar verboten ist

Es gibt aber auch Bereiche in der Dienstleistung, in denen Trinkgeld sogar verboten ist. Dazu gehören zum Beispiel Fluglinien, deren Stewardessen und Stewards Trinkgeld meist gar nicht annehmen dürfen. Außerdem ist es sogar strafrechtlich verboten, Mitarbeitern von öffentlichen Amtsträgern Trinkgeld zu geben. Bedeutet: So nett die Dame im Bürgerbüro oder in der Arbeitsagentur auch zu Ihnen war, sie darf trotzdem weder Trinkgeld noch eine Tafel Schokolade annehmen, da dies als Bestechung gewertet werden kann.

Behalten darf das Trinkgeld in der Regel der Arbeitnehmer, der es vom zufriedenen Kunden bekommen hat. Das gilt auch dann, wenn das Trinkgeld wie in manchen Restaurants üblich zunächst gesammelt und dann anhand der Summe der Arbeitsstunden oder ähnlichen Kriterien geteilt wird. Gemäß § 107 der Gewerbeordnung ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer sein verdientes Trinkgeld auszuzahlen. Arbeitnehmer haben auch einen Anspruch auf Auskunftserteilung.

Trinkgelder gehören allerdings nicht zum Arbeitsentgelt und sind somit bei Entgeltfortzahlungsansprüchen, Urlaubsentgelt, Betriebsratstätigkeit oder Tariflohnansprüchen nicht zu berücksichtigen. Außerdem ist Trinkgeld in Deutschland steuerfrei, solange es freiwillig gegeben wurde und nicht etwa als Servicegebühr von vornherein auf die Rechnung aufgeschlagen wird.

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Aufgepasst im Urlaub: Trinkgeldregelungen in anderen Ländern

Auch wenn man in Deutschland die Trinkgeld-Regeln draufhat, sollte man im Urlaub ganz genau aufpassen. Der Spruch „Andere Länder, andere Sitten“ passt hier nämlich sehr gut. In Deutschland runden wir trotz bereits enthaltener Servicegebühr um etwa 10 Prozent auf. Das Gleiche gilt auch in den meisten anderen europäischen Ländern wie Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien, Portugal und Spanien. In Griechenland gibt man sogar bis zu 20 Prozent. In Großbritannien dagegen spart man sich das Trinkgeld, wenn schon eine Servicegebühr berechnet wurde. Wenn nicht, gibt man auch hier 10 Prozent.

In den USA sind hingegen 15 bis 20 Prozent Trinkgeld Usus, da die Bedienungen in der Gastronomie dort nur einen Mindestlohn von knapp 3 Euro die Stunde bekommen und beinahe nur vom Trinkgeld leben.

In Japan, Thailand und Indien ist Trinkgeld dagegen keine gängige Sache, da guter Service für die Asiaten ein Standard ist. Trinkgeld könnte hier sogar als Beleidigung aufgefasst werden, lediglich in sehr touristischen Gegenden kann man der Bedienung ein paar Taler extra geben. Einige Restaurants in Indien verlangen ohnehin eine Servicegebühr. In China jedoch sollten Sie die Geldbörse geschlossen halten, denn hier ist Trinkgeld sogar gesetzlich verboten.

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