Gießen 46ers ehren den scheidenden Geschäftsführer Schelberg und kassieren eine ganz bittere Derby-Niederlage in der Basketball-Bundesliga gegen Frankfurt.
Von Alexander Fischer
Chefreporter Wetzlar
Der einzige Grund zum Feiern für die Gießener Fans: Beim Abschied von Heiko Schelberg wurde es während des Derbys emotional. Foto: Schepp
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GiessenFür gewöhnlich ist ein Vorabendprogramm soft. Und meist etwas fürs Herz. Egal, ob durch eine Heimatserie oder einen Medikamentenspot. In der Sporthalle Ost jedoch liefen rund um halb sieben die Minuten des Grauens. Aufgeführt von fünf heimischen Heroen, die in Windeseile eine Partie aus der Hand gaben, die sie nie und nimmer hätten verlieren dürfen.
Gießen 46ers - Frankfurt Skyliners 82:90
Es stand 15:14 nach einem Dreier von Brandon Thomas (9.) und 15:19 nach dem ersten Viertel, als das Elend begann: Zwei vergebene Freiwürfe John Bryant, technischer Fehler Jordan Barnett, Blackout bei den Schiris, Fehlwurf Stephen Brown, Ballverlust Teyvon Myers, Fehlwurf John Bryant, Fehlwurf Alen Pjanic, Fehlwurf Bjarne Kraushaar, Ballverlust John Bryant, Fehlwurf Brandon Thomas, technische Panne Teyvon Myers und schließlich die Auswechslung des längst nicht mehr unumstrittenen Kapitäns John Bryant.
Als Matt Tiby nach fünf Minuten und sechs Sekunden des wilden Durcheinanders den 18:0-Lauf der Gäste beendete und die ersten Gießener Zähler im zweiten Abschnitt zum 17:32 markierte, hatten sich die Männer aus der Bankenmetropole eben jenen Vorsprung erarbeitet, der ihnen reichen sollte, um nach zuvor sechs Niederlagen in Folge endlich wieder in die Erfolgsspur zu finden.
Mit 90:82 (19:15, 44:32, 63:55) entführten die Frankfurt Skyliners im Hessenderby nicht nur beide Punkte von der Lahn, sondern sie ließen vor allem ratlose und enttäuschte Gastgeber zurück. "Wer so verteidigt wie wir, der kann halt nicht gewinnen", schüttelte Alen Pjanic frustriert den Kopf. "Außen haben wir das heute ganz gut gemacht, aber wir hatten unseren Fokus eigentlich auf dem Inside-Spiel, da haben wir aber aktuell Probleme. Unser Defizit lag heute ganz klar unter dem Korb. Wir wissen, an was es liegt, das möchte ich aber hier nicht sagen. Wir arbeiten aber daran", deutete Ingo Freyer ein wenig verklausuliert an, was 3752 Besucher in erstmals in dieser Saison ausverkauften Osthalle gesehen hatten. Nämlich ein Reboundverhalten des Schreckens!
Mit 43:27 ging die Bilanz unter beiden Reusen deutlich an die Gäste vom Main, die obendrein in Leon Kratzer den überragenden Akteur des Abends auf dem Feld stehen hatten. Der Jung-Nationalspieler mit Gardemaß (2,12 Meter) sammelte in seinen 30 Minuten Einsatzzeiten nicht nur 23 Punkte und zwölf Rebounds ein, sondern er ließ John Bryant und Luke Petrasek auch ein ums andere Mal mit geschickten Bewegungen stehen wie Schulbuben. "Leon Kratzer hat eine herausragende Partie geboten", war Skyliners-Coach Sebastian Gleim voll des Lobes. Und selbst Ingo Freyer hob den 23-Jährigen hervor: "Kratzer hat heute den Unterschied ausgemacht und war von uns nie zu kontrollieren." Doch nicht nur am Brett hatten die Hausherren, die ihre vierte Pleite in Serie kassierten und wieder mitten im Abstiegskampf angekommen sind, so ihre Probleme. Nicht einmal die Hälfte aller Zwei-Punkte-Würfe fand ihr Ziel. Bjarne Kraushaar war als Entlastung für Stephen Brown nie ein Faktor. Teyvon Myers übertrieb die Einzelaktionen und rannte sich immer wieder am starken Shaquille Hines fest. Luke Petrasek war früh foulbelastet und saß deshalb mehr draußen, als es ihm lieb sein konnte. Und Brandon Thomas warf zwar wie wild, löste aber viel zu viele Fahrkarten. Da half es am Ende wenig, dass der nachverpflichtete Matt Tiby immer stärker wird, zehn von zehn Freiwürfen versenkte, mit fünf Assists und drei Steals gefiel und der einzige war, der zwischendurch immer wieder die Fans animierte, lauter zu werden.
Wie beim 45:48 (25.) durch einen Dreier des ansonsten aber blassen Jordan Barnett, als die 46ers für wenige Sekunden andeuteten, die Partie noch einmal drehen zu können. Doch als Brandon Thomas zwei freie Würfe verballerte, Jordan Barnett bei einem Pass im Aus stand und Teyvon Myers die Kugel auf den eigenen Fuß fiel, war es um die Herrlichkeit der Gastgeber drei Minuten später schon wieder geschehen. "Für uns zählt heute nur der Sieg", durfte sich Gäste-Coach Sebastian Gleim genüsslich zurücklehnen. Er hatte soeben ein Erfolgserlebnis gefeiert, auf das sein Kollege Ingo Freyer seit fünf Wochen wartet.