Timothy Chandlers Ziel: Mit Fans durch Europa reisen

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FRANKFURT/ALTENSTADT - Im Februar 2020, zu Beginn der Bundesliga-Rückrunde 2019/20, war Timothy Chandler so etwas wie der Fußballer der Stunde bei Eintracht Frankfurt. Als Aushilfs-Rechtsaußen wuchs der gelernte Rechtsverteidiger über sich hinaus. Er traf mit dem Fuß, mit dem Kopf - erzielte fünf Tore. Ein Jahr später läuft es nicht mehr ganz so rund.

In 27 Spielen wirkte der 31-Jährige lediglich acht Mal als Teilzeitkraft mit. Sicherlich kein zufriedenstellender Wert für den aus Altenstadt (Waldsiedlung) stammenden und in der Jugend für die Sportfreunde Oberau spielenden Profi. Mit dem Kreis-Anzeiger spricht Chandler über seine persönliche Durststrecke, den Erfolg der Mannschaft und seine Ziele.

Hallo Herr Chandler, erst einmal nachträglich alles Gute. Wie haben Sie Ihren 31. Geburtstag am 29. März gefeiert?

Wegen Corona natürlich nur im kleinen Kreis. Meine Mutter kam aus Altenstadt, mehr ging leider nicht.

Das schönste Geschenk haben Sie sich selbst gemacht, als Sie wenige Tage vor Ihrem Geburtstag das 5:2 gegen Union Berlin erzielten. Wie groß war der Jubel über Ihren ersten Saisontreffer nach einem für Sie persönlich bislang nicht so zufriedenstellenden Saisonverlauf?

Natürlich habe ich mich gefreut, dass es so schnell nach meiner Einwechslung mit einem Tor geklappt hat. Aktuell bekomme ich nur wenige Einsatzmöglichkeiten. Da ist es wichtig, dass man nach einer Einwechslung gleich zu hundert Prozent auf dem Platz ist und der Mannschaft direkt weiterhelfen kann.

War Ihr 13. Bundesliga-Tor deshalb das schönste der Karriere?

Das schönste Tor der Karriere gibt es für mich nicht. Besonders war sicherlich mein Doppelpack in der vergangenen Saison gegen den FC Augsburg. So etwas gelingt mir nämlich nicht allzu oft.

War das Tor gegen Union wenigstens der Türöffner für mehr Einsätze in den nächsten Wochen?

Das kann ich nicht beantworten. Ich durchlebe gerade eine Phase, in der ich nicht so oft spiele. Der Trainer weiß aber, dass ich total fit und da bin, falls ich gebraucht werde. Adi Hütter kann sich auf mich verlassen.

Warum lief es bislang nicht rund? Sind Sie ein Opfer des Systems, in dem der klassische Außenverteidiger fehlt?

Das will ich so nicht sagen. In der vergangenen Runde erzielte ich auf der offensiveren Außenposition in gefühlt neun Spielen fünf Tore. Mit dieser Quote muss ich mich nicht verstecken. Warum ich jetzt nicht mehr so oft spiele, kann man schwer sagen. Ein Grund dafür ist sicherlich der gute Lauf unserer Mannschaft, da wechselt kein Trainer gerne durch. Wichtig ist, dass ich in jedem Training alles gebe und zufrieden nach Hause fahren kann.

Sie scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. Wie bleibt man immer positiv?

Natürlich ärgere ich mich auch mal. Trotzdem kann ich nicht lange böse sein, habe immer eine positive Grundeinstellung. Und das ist auch ganz wichtig für die Mannschaft, das vergessen viele. Die Spieler auf der Ersatzbank dürfen keine Stinkstiefel sein, müssen auch mitziehen. Dass ich gut ins Team passe, hat man nach meinem Tor gegen Union gesehen. Alle haben sich mit mir gefreut - das war schöner als das Tor.

Die Eintracht spielt überraschend stark auf und belegt Tabellenplatz vier. Ist die mögliche Champions-League-Qualifikation das Thema Nummer eins in der Kabine?

Wir sprechen eher über den guten Fußball, den wir gerade spielen. Das macht uns glücklich. Sollte am Ende die Champions-League-Qualifikation herausspringen, hätten wir uns diese dann auch verdient.

Am Wochenende steht das nächste Spitzenspiel gegen den VfL Wolfsburg an. Wird die Eintracht gewinnen und somit den nächsten Schritt in Richtung Champions League machen?

Wir spielen daheim und wollen unbedingt drei Punkte. Sollten wir gewinnen, wäre das natürlich der nächste Schritt. Danach warten im April noch weitere wichtige Spiele gegen Gladbach, Augsburg und Leverkusen auf uns. Zudem müssen wir immer auf die Konkurrenz aus Dortmund und Leverkusen schauen, die mit einer Serie an uns vorbeiziehen könnte.

Im Sommer 2022 läuft Ihr Vertrag in Frankfurt aus. Was kommt danach?

Ich bin fit und fühle mich gut, will auf jeden Fall weiter Fußball spielen. Natürlich am liebsten in Frankfurt. Deshalb hoffe ich, dass bald erste Gespräche stattfinden werden.

Wir leben jetzt schon über ein Jahr mit der Pandemie. Wie war die Zeit für Sie als Profifußballer?

Natürlich sind wir als Profifußballer privilegierter, weil wir unseren Beruf relativ problemlos ausüben dürfen. Die DFL hat ein überragendes Konzept erstellt, welches Fußball in Zeiten von Corona möglich macht. Und ich glaube auch, dass es der Gesellschaft hilft, wenn wir spielen und die Menschen samstags Bundesliga schauen können.

Ist es für Sie selbstverständlich, aktuell auf einen Teil Ihres Gehalts zu verzichten?

Logisch. Wir haben uns kurz darüber unterhalten. Niemand in der Mannschaft hat deshalb auch nur mit der Schulter gezuckt.

Zum Abschluss: Wie sehr schmerzt es, diese erfolgreiche Saison ohne Fans im Stadion absolvieren zu müssen?

Das tut natürlich weh. Aber wir als Mannschaft haben ein großes Ziel: Wir wollen uns für das internationale Geschäft qualifizieren, um hoffentlich in der kommenden Spielzeit - wenn es die Pandemie zulassen sollte - gemeinsam mit unseren Fans durch Europa reisen zu können.

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