1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Acht Teams greifen nach der Krone

Erstellt: Aktualisiert:

gispor060522-rollis_0605_4c
Am Ziel der Träume: Im Vorjahr gewinnt Kapitän Simon Brown mit dem RSV Lahn-Dill die europäische Königsklasse. © Diekmann

Wetzlar/Gießen (aj). An diesem Wochenende steigt in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt der Kampf um Europas Krone im Rollstuhlbasketball. Wie im Vorjahr, als das Finalturnier Corona-bedingt als Blase in Wetzlar ausgetragen wurde, stehen sich in einem erneut angepassten Modus und unter einem weiterhin veränderten Namen die acht besten Clubmannschaften des Kontinents im IWBF Champions Cup gegenüber.

Das Viertelfinale beschert dem Titelverteidiger RSV Lahn-Dill am Freitag in der Erfurter Riethsporthalle mit dem spanischen Meister Bidaideak Bilbao BSR ein absolutes Hammerlos.

Dem Viertelfinale am Freitag schließen sich die Halbfinalduelle am Samstag sowie die Finalspiele am Sonntag an. Hintergrund der erneut als Top-Acht-Turnier ausgespielten Entscheidung in der Königsklasse der IWBF-Europe ist die Tatsache, dass aufgrund der Pandemie im Januar die Gruppenphase ebenso abgesagt werden musste, wie im März das Viertelfinale der Champions League. Im Januar hätte der siebenfache Titelträger aus Wetzlar nach Tel Aviv reisen müssen, was aufgrund geschlossener israelischer Grenzen für alle Ausländer zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht möglich gewesen wäre.

Der auch in diesem Jahr sportlich hohe Wert des Champions Cups ist jedoch identisch mit dem der Champions League, denn in Erfurt wird erneut der offizielle Sieger der europäischen Königsklasse gesucht.

Konzept und Zuschauer

Auch wenn in diesen Tagen in Deutschland und Europa die Lage der Pandemie deutlich entspannter ist als im Vorjahr, sind die teilnehmenden acht Teams aufgefordert, eine freiwillige Blase einzuhalten und auf Außenkontakte während der Tage in Thüringens Landeshauptstadt zu verzichten. Der RSV Lahn-Dill hat hierzu seine Delegation in das reine Funktionsteam mit Spielern, Trainern und Crew sowie in ein organisatorisches Team im Umfeld aufgeteilt. Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie das Management des Clubs sind bewusst in einem anderen Hotel untergebracht, sind für alle logistischen Dinge außerhalb des Teamhotels zuständig und werden vom Tag der Anreise am Donnerstag bis Sonntag keinerlei direkten Kontakt zum Team haben.

Auch wenn aufgrund der Pandemie-Lage in Deutschland wieder Zuschauer in der rund 1520 Besucher fassenden Riethsporthalle in Erfurt uneingeschränkt zugelassen sind, werden alle zwölf Partien des Wochenendes live via SportDeutschlandTV und live.thbulls.com übertragen.

Modus und Spielplan

Der angepasste Modus des Champions Cups ist so einfach wie ambitioniert. Zwölf Spiele an drei Tagen, die Viertelfinalduelle am Freitag, die Platzierungs- und Halbfinalspiele am Samstag sowie die Finalbegegnungen am Sonntag.

Die Paarungen zum Auftakt am Freitag haben sich dabei aus der Europarangliste der IWBF Europe ergeben, in der der RSV Lahn-Dill aktuell auf Rang drei rangiert. Damit trifft der RSV im Viertelfinale auf die Nummer sechs des kontinentalen Rankings, den amtierenden spanischen Titelträger Bidaideak Bilbao BSR.

Den Auftakt zu den Viertelfinalspielen bestreitet bereits am Freitag der spanische Rekordmeister CD Ilunion Madrid, der in seinem Duell auf den französischen Vertreter Hornets Le Cannet trifft. Zweieinhalb Stunden danach rollt der italienische Meister Unipol Briantea 84 Cantu gegen den spanischen Tabellenführer BSR Amiab Albacete auf das Parkett der Riethsporthalle. Um 15.30 Uhr ist dann Titelverteidiger RSV Lahn-Dill gegen Bilbao gefordert, ehe Gastgeber Thuringia Bulls sein Viertelfinale gegen die Franzosen von CS Meaux bestreiten wird. Würde der RSV Lahn-Dill sein Duell am Freitag gewinnen, träfe er im Halbfinale auf den Sieger aus der Partie zwischen Madrid gegen Le Cannet.

Sportliche Ziele

Die sportlichen Ziele des RSV Lahn-Dill sind aktuell nicht ganz einfach einzuordnen. Natürlich gilt die Mannschaft von Cheftrainerin Janet Zeltinger und ihres »Co« Günther Mayer als Titelverteidiger und mit ihrer enormen internationalen Erfahrung zu den Mitfavoriten, doch die letzten Wochen und Monate waren für die Mittelhessen alles andere als einfach. Zunächst zog sich Anfang April eine Coronawelle durch die Mannschaft, die nicht nur für zahlreiche Spielverlegungen im Playoff-Halbfinale gegen Hannover sorgte, sondern natürlich auch dafür, dass der deutsche Rekordmeister fast drei Wochen nicht vollzählig trainieren konnte.

Nach Ostern schloss sich dann mit der temporären Schließung der Ausweich-Trainingsstätte quasi nahtlos die nächste Katastrophe für die Wetzlarer an. Im März noch verloren sie binnen 36 Stunden ihre angestammte Trainingsstätte, die August-Bebel-Sporthalle, damit diese Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine zur Verfügung gestellt werden konnte. Das war für den RSV Lahn-Dill eine Selbstverständlichkeit, auch wenn bis heute nicht eine einzige hilfesuchende Person in der ehemaligen Trainingshalle in Stadtteil Niedergirmes Einzug hielt. Nach Ostern dann der Schock, dass kurzfristig auch die eigentlich aus Ausweichquartier zugesagte Sporthalle der Eichendorff-Schule in Dalheim überraschend und für die Rollis wenig nachvollziehbar wieder zur Baustelle wurde. Eine vernünftige, professionelle Vorbereitung war so nicht mehr möglich und die Endphase der Saison geriet dadurch zu einer sportlich-logistischen Katastrophe für den Club, auch wenn vor allem der TSV Dutenhofen in Person von Andreas Klimpke und der TV Wetzlar in der größten Not halfen.

Doch die Verunsicherung und Frustration ist groß, die Trainer sprechen dabei von einem erheblichen Nachteil im Kampf um den europäischen Titel wie auch um die darauffolgende Meisterschaft. Klar ist jedoch auch, dass es für den RSV Lahn-Dill nicht als Ausrede herhalten soll, er diese katastrophale Trainingssituation zur wichtigsten Zeit in der Saison aber im Nachgang zum sport-politischen Thema machen will und muss.

Historie

Die europäische Königsklasse, gestartet 1976 als West European Cup, geht in diesem Jahr in ihre 47. Spielzeit. Bisher konnten sich 17 verschiedene Teams in die Siegerlisten eintragen, angefangen vom Premieren-Champion ISA Amsterdam bis zum Titelträger der Jahre 2018 und 2019 aus Thüringen. Je fünfmal triumphierten der BC Verkerk Zwijendrecht und Galatasaray Istanbul. Der Rekordsieger ist mit inzwischen sieben Titeln seit dem Jahr 2015 aber der RSV Lahn-Dill. Die Wetzlarer Rollis bestiegen erstmals 2004, als damals erstes deutsches Team überhaupt, den Thron. Insgesamt bestritt der RSV Lahn-Dill bis heute 140 internationale Pflichtspiele gegen Teams aus 18 Nationen und allen Kontinentalverbänden der IWBF. Stolze 107 dieser Partien beendete die Mittelhessen als Sieger, nur 33 gingen verloren - darunter jedoch auch vier Champions-League-Endspiele.

Freitag: CD Ilunion Madrid - Hornets Le Cannet (10.30 Uhr), Briantea 84 Cantu - BSR Amiab Albacete (13 Uhr), Bidaideak Bilbao - RSV Lahn-Dill (15.30 Uhr), RSB Thuringia Bulls - CS Meaux CF (18 Uhr).

Samstag: Platzierungsspiel 1 (10.30 Uhr), Platzierungsspiel 2 (13 Uhr), Halbfinale 1 (15.30 Uhr), Halbfinale 2 18 Uhr).

Sonntag: Spiel um Platz 7 (10.30 Uhr), Spiel um Platz 5 (13 Uhr), Spiel um Platz 3 (15.30 Uhr), Finale (18 Uhr).

Auch interessant