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Der Spieler, um den sich der TVH und die HSG U 23 gestritten haben: Tristan Kirschner.

Ärger um Kirschner

Dutenhofen/Hüttenberg . Kein Dreivierteljahr ist es her, dass Handball-Zweitligist TV Hüttenberg und der benachbarte Drittligist HSG Dutenhofen/Münchholzhausen öffentlichkeitswirksam darüber sprachen, wie sie im männlichen Nachwuchsbereich zukünftig kooperieren wollen. Freilich, dies geschah im Hinblick auf eine gemeinsame A-Jugend. Aber auch darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit zwischen den Blau-Weiß-Roten und den Grün-Weißen in den letzten Jahren im Sinne der Anschlussförderung angekurbelt.

Nun aber hängt der Haussegen schief: Die Causa Tristan Kirschner sorgt für Differenzen zwischen den Handball-Aushängeschildern der Region.

Was ist passiert? Im Juni dieses Jahres verkündeten beide Vereine, dass Rechtsaußen Kirschner in der laufenden Saison an die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen verliehen wird - ebenso übrigens wie Rückraumakteur Phillip Opitz, der seine Tore auch weiterhin für die Grün-Weißen wirft. »Wir hoffen«, sagte seinerzeit Florian Laudt aus der sportlichen Leitung des TVH, »dass sie weiter hart an sich arbeiten, sich möglichst schnell im Männerhandball akklimatisieren und weiter gute Fortschritte machen. Wir werden ihre Entwicklung genau beobachten und hoffen, dass sie im Anschluss an ihre Leihe eine Option für unseren Zweitliga-Kader sind.«

Dieser Prozess ging zumindest bei Kirschner offenbar deutlich schneller vonstatten als ursprünglich gedacht. Fünf Spiele bestritt der 19-Jährige für die Grün-Weißen, schlug dabei als Leistungsträger vollends ein und war unzweifelhaft maßgeblich am famosen Saisonstart mit neun von möglichen zehn Punkten beteiligt. Starke 26 Tore steuerte Kirschner in diesen Begegnungen bei. Ende Oktober - bei der 18:30-Abfuhr gegen den HC Erlangen II - fehlte Kirschner dann bei den Grün-Weißen. Belastungssteuerung, so lautete seinerzeit die offizielle Begründung. Dahinter steckte freilich mehr. Der Blondschopf wurde in Hüttenberg gebraucht, bestritt seitdem kein Spiel mehr für Dutenhofen/Münchholzhausen. Obwohl diese das Erst-, der TVH lediglich das Zweitspielrecht innehatte.

Mittlerweile ist diese Übereinkunft auch ganz formal Geschichte: Der Vertrag zwischen den Wetzlarer Vorstädtern und dem Linkshänder wurde aufgelöst. Kirschner wird nicht mehr für die Grün-Weißen auflaufen. »Um Diskussionen in jeder Woche zu vermeiden und den Spieler zu schützen, haben wir komplett auf diese Zusammenarbeit verzichtet. Das bringt so weder Tristan noch uns etwas«, sagt Andreas Klimpke, Sportlicher Leiter der HSG. Eine versuchte Klärung der Personalie in einer Elefantenrunde mit Beteiligten beider Clubs war vorher gescheitert, über den vonseiten des TVH beabsichtigten Tausch von Erst- und Zweitspielrecht kam keine Einigung zustande.

Beim Überraschungs-Team aus Hüttenberg schenkt Trainer Johannes Wohlrab dem Youngster viel Vertrauen. Neun Einsätze in zwölf Saisonpartien sowie 17 Tore sprechen für sich. »Tristan hat sehr schnelle und große Schritte in seiner Entwicklung gemacht, weshalb er früher als erwartet bei uns in der 2. Liga gebraucht wurde. Er ist auf jeden Fall so weit, fest in der 2. Liga zu spielen und für uns sowohl im Angriff als auch in der Deckung ein enorm wichtiger Faktor«, sagt TVH-Geschäftsführer Fabian Friedrich auf Nachfrage dieser Zeitung. Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass Tobias Hahn aufgrund einer Fußverletzung für unbestimmte Zeit fehlt.

Markiert diese Episode einen ersten Riss im Binnenverhältnis? »Die Kooperation in der A-Jugend«, betont Klimpke, »betreiben wir ja mit dem TV Hüttenberg e.V., das läuft perfekt.« Aber: »Mit der Marketing GmbH (zuständig für das Zweitliga-Team; d. Red.) wieder ein vernünftiges Verhältnis hinzubekommen und nach dieser Enttäuschung nochmal gemeinsam etwas zu versuchen, wird schwierig.«

TVH-Geschäftsführer Friedrich betont: »Wir können die andere Seiten verstehen. Für den abgebenden Verein ist das nie günstig.« Der Austausch sei für Hüttenberg aber auch in den nächsten Jahren ein essenzieller Bestandteil.

»Wir müssen gucken, wie wir in der Zukunft die vertraglichen Konstellationen etwas anders gestalten und Gespräche darüber noch intensiver führen«, so Friedrich und weiter. »Das kann beispielsweise so sein, dass ein Spieler ohne Erst- und Zweitspielrechte fest für ein Jahr bei einer Mannschaft ist. Wir müssen da jetzt wieder Schritte aufeinander zugehen und ich denke, dass wir auch schon über die nächsten Namen sprechen können.«

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