1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Alles »etwas undurchsichtig«

Erstellt: Aktualisiert:

gispor_1112_fcg_101221_4c
Letzter Heimspielauftritt des Jahres 2021 im Waldstadion: Der FC Gießen empfängt Schott Mainz. © Ben

Gießen. Normalerweise diskutieren Daniyel Cimen und sein Co-Trainer Marco Vollhardt über Trainingsinhalte, feilen an einer Taktik für den kommenden Gegner, erhoffen nebenbei, dass Spieler XY sich nach seiner hartnäckigen Leistenverletzung gesund meldet. Aber was ist schon normal in diesen Tagen, da ein nicht unerheblicher Teil der Mannschaft zwei Wochen in Quarantäne saß, jetzt wieder langsam herangeführt werden muss, ein Trainingsaufbau, so wie man sich ihn klassischerweise auf der Zielgeraden eines Jahres vorstellt, einfach nicht möglich ist.

Und das ausgerechnet vor einem Muss-Spiel, wenn der FC Gießen am Samstag um 14 Uhr das Schlusslicht TSV Schott Mainz empfängt.

FC Gießen - Schott Mainz (Samstag, 14 Uhr)

Marco Vollhardt weiß das: »Ich spreche nicht gerne von siegen müssen, dafür ist Fußball zu komplex, aber sicher müssen wir im Kampf um den Klassenerhalt alles daransetzen, die drei Punkte einzufahren.« Im Grunde also ist der Sieg doch ein Muss. Eines unter denkbar schlechten Voraussetzungen, aus denen der FC Gießen am vergangenen Sonntag beim Top-Team des FSV Mainz U23 schon das Beste machte, erst in der Schlussphase gab die gebeutelte Mannschaft den einen Zähler noch aus der Hand. »Und das mit zwölf Feldspielern«, weist Vollhardt auf die verwaiste Ersatzbank hin. Die ist gegen Schott nun wieder gut besetzt, aber die Frage bleibt, wer ist wie fit, wer kann wie lange spielen und macht es überhaupt Sinn, alle zum Spiel zu beordern, wenn sie 14 Tage, wenn nicht mit schweren Verläufen, aber eben mit der Positivdiagnose und Quarantäne zu kämpfen hatten? »Klar haben wir da die Vorfälle in Berlin im Kopf«, bestätigt der 30-Jährige die Präsenz der Nachricht über die in der Regionalliga Nordost beim Berliner AK kollabierten Spieler. Die waren offensichtlich zu schnell nach einer Corona-Erkrankung wieder an die Belastungsgrenze gegangen. Was da hilft? Kommunikation und akribische Untersuchungen. »Wir warten die Ergebnisse ab«, erklärt Vollhardt, dass die Aktiven »von EKG über Blutwerte, Röntgenaufnahmen der Lunge und kardiologischen Untersuchungen« komplett auf den Kopf gestellt werden, um die Belastbarkeit einerseits anhand der Daten zu checken. Andererseits »sind wir aber auch im permanenten Gespräch mit den Jungs«, ergänzt Vollhardt, dass die Spieler auch verantwortungsvoll in sich reinhorchen sollen, denn »man muss das ja schon defensiver und sensibler angehen. Wenn die 14 Tage in Quarantäne waren, können sie nicht gleich Vollgas geben.«

Eine Herausforderung also, der sich nicht nur der FC Gießen stellen muss. So wurden gerade in dieser Woche Kardiologen und Internisten mit einer neuen Leitlinie des Deutschen Fußball Bundes und der deutschen Gesellschaft für Kardiologie bei Fortbildungen vertraut gemacht, Quintessenz: Nach Quarantäne und Corona-Positivtest sollten Spieler erst nach 18 Tagen wieder in den Wettkampfmodus einsteigen. Von 18 Tagen aber ist, nicht nur beim FC Gießen, im Ablaufplan der Regionalliga Südwest keine Rede. Am Samstag steht Schott Mainz vor der Waldstadion-Tür, es sei schon, so Vollhardt, eine »etwas undurchsichtige Situation« vor diesem Spiel. Wobei erschwerend hinzukommt, dass der Hessische Fußball Verband die abgesagte Hessenpokal-Begegnung beim 1. FC Erlensee jetzt auch noch für kommenden Mittwoch angesetzt hat. »Ob das sinnvoll ist«, fragt sich sicher nicht nur Vollhardt. Immerhin kehrt Michael Fink, der in der Vorwoche privat verhindert war, am Samstag wieder zurück in den Kader. Und der Rasen im Waldstadion? »Ist echt in gutem Zustand angesichts der Jahreszeit, da macht unser Platzwart Horst Viehl einen top Job.« Immerhin noch was Positives, außer den Corona-Tests.

Turgay Schmidt, Notvorstand FC Gießen 1927 Teutonia 1900 VfB e.V., wie es in ganzer Pracht heißt, lädt zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Gießen ein. Am Montag, den 20. Dezember, um 19 Uhr unter 2G+-Regel im VIP-Zelt im Gießner Waldstadion. Neben Berichten des Notvorstands und Steuerberaters gibt es Berichte der Jugendabteilung, des Trainerteams sowie einen Ausblick auf 2022/23.

Auch interessant