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Am Ende läuft’s wie von selbst

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Von: Nico Hartung

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Perfekt gezielt: Moritz Zörb steuert seinen Teil zum Hüttenberger Auswärtssieg bei. © Bösener

Dessau. Unter der Woche hatte Johannes Wohlrab gefordert, dass seine Schützlinge doch endlich einmal die seit dem Jahreswechsel so magere Auswärtsbilanz aufhübschen sollen. Und die Akteure von Handball-Zweitligist TV Hüttenberg schienen sich die Worte ihres Trainers am Sonntagnachmittag zu Herzen genommen zu haben. Am Ende schossen die Blau-Weiß-Roten den Dessau-Roßlauer HV mit einem 36:

27 (17:16)-Kantersieg aus dessen eigener Halle.

Dessau-RoßlauerHV - TV Hüttenberg 27:36

Und ließen damit eine beeindruckende Serie der Bauhausstädter reißen, die zuvor vier Heimspiele am Stück, darunter zuletzt ein 33:32 gegen Ligaprimus VfL Gummersbach, gewonnen hatten. Besonders hervor taten sich auf Hüttenberger Seite dabei ein stark aufspielendes Quartett: Während es Ian Weber (9/1), Dominik Mappes (8/1) und Ryuga Fujita (6) bei 25 Wurfversuchen auf insgesamt 23 Treffer brachten, parierte der kurz vor der Halbzeitpause zwischen die Pfosten gerückte Simon Böhne insgesamt knapp 35 Prozent der auf sein Tor abgefeuerten Würfe.

Der größte Schockmoment eines am Ende vergleichsweise entspannten Duells hatte nichts mit Handball, sondern mit einem medizinischen Notfall zu tun. Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit, als Dessau-Roßlaus Trainer Uwe Jungandreas gerade seine erste Auszeit genommen hatte, wurde es mit einem Mal ganz still in der mit 1054 Zuschauern gefüllten Anhalt-Arena. Eine Anhängerin der DRHV-Fans war offenbar bewusstlos zusammengebrochen und musste nach kurzer Behandlung von den anwesenden Sanitätern, dann jedoch schon wieder bei Bewusstsein, aus der Halle geleitet werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide Teams jeweils 16 Treffer erzielt, was das enge und muntere Aufeinandertreffen beider Mannschafen bis dahin leistungsgerecht wiederspiegelte.

Der TVH, ohne Tristan Kirschner (gerade erst von einer Covid-Infektion genesen) und den für seine in der kommenden Woche anstehenden Abiturprüfungen paukenden Niklas Theiß angetreten, begegnete den zuletzt so formstarken Gastgebern von Beginn an auf Augenhöhe. Das 9:7 durch Dessau-Roßlaus Halblinken Timo Löser (16.) war das erste und schließlich auch einzige Mal, dass sich die Hausherren auf zwei Treffer absetzen konnten. Hüttenberg hatte in dieser Anfangsphase mitunter noch Probleme im Positionsangriff gehabt und in den Eins-gegen-eins-Duellen zu selten Durchbrüche geschafft. Wohlrab legte erstmals die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch - und seine Schützlinge schafften es fortan, die Partie an sich zu reißen, um sie in der zweiten Hälfte zu dominieren. Die TVH-Führung zum 14:13 durch Phillip Opitz (25.) hielt Mappes mit seinem Hüftwurftreffer zum 17:16 Sekunden vor dem Pausenpfiff aufrecht.

Und wer gedacht hatte, dass die Begegnung nach dem Seitenwechsel ähnlich eng und ausgewogen bleiben sollte, hatte sich immens getäuscht. Es dauerte nach der Halbzeitunterbrechung keine sieben Minuten, da hatte die Wohlrab-Sieben die Partie zu ihren Gunsten entschieden: Dem Hüttenberger 6:1-Lauf zum 23:17 (37.) hatten die Gastgeber nichts mehr entgegenzusetzen. Und in dem Maße, in dem die Aktionen des »Originals aus Mittelhessen« mit immer größerer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit funktionierten, begann beim Kellerkind aus Sachsen-Anhalt, das jetzt reihenweise technische Fehler und schwache Abwürfe produzierte, das große Nervenflattern.

Mappes erzielte per Doppelpack zunächst die Tore zum 28:22 und 29:22 (49.), ehe Opitz erstmals auf zehn Treffer erhöhte (33:23, 54.). Den Schlusspunkt setzte Patrick Jockel mit der Schlusssekunde zum auch in dieser Höhe nicht unverdienten 36:27-Endstand.

Dessau-Roßlau: Ambrosius (bis 30. und ab 45.), Malek (31.-36.), Seidemann (ab 36.-45.) - Löser (5), Hrstka (5), Sohmann (5/2), Bielzer, Häske, Gliese, Danneberg, Neumann, Scheithauer, Baumgart, Emanuel (2), Seidler (3), Pust (7).

Hüttenberg: Plaue, Böhne (ab 24.) - Schwarz (1), Kneer (2), Opitz (3), Fujita (6), Weber (9/1), Rompf (1), Zörb (2), Mappes (8/1), Ribeiro (1/1), Hahn, Klein, Jockel (1), Schreiber (2).

Schiedsrichter: Scharfe/Kittel (Neuenhagen/Berlin) - Zuschauer: 1054 - Zeitstrafen: Dessau-Roßlau drei (Sohmann, Bielzer, Seidler), Hüttenberg zwei (Weber, Kneer) - verworfene Siebenmeter: Sohmann (Dessau-Roßlau) scheitert an Böhne (34.).

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