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Am Ende wird’s noch einmal eng

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Von: Nico Hartung

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Kein Durchkommen: Obwohl der TV Hüttenberg um Hendrik Schreiber über lange Zeit das Geschehen gegen Dessau-Roßlau im Griff hat, wird es am Ende noch einmal eng. © Röczey

Hüttenberg. Die Zweitliga-Handballer des TV Hüttenberg haben am Dienstagabend beim 29:27 (13:9)-Heimsieg über den Dessau-Roßlauer HV gleich ein doppelts Ausrufezeichen gesetzt - ein sportliches und ein politisches. Denn neben dem zum Ende hin unnötig knappen Erfolg gegen das Team aus Sachsen-Anhalt stellten die Verantwortlichen klar, auf wessen Seite sie im aktuell in Osteuropa tobenden Krieg stehen.

»We stand with Ukraine« war - weiß auf hellblauem Hintergrund - in regelmäßigen Abständen auf den Werbetafeln des Hüttenberger Sportzentrums zu lesen. Es war zugleich das erste Heimspiel des TVH seit dem 24:26 gegen die HSG Nordhorn-Lingen am 23. Februar - jener Abend also, auf den nur wenige Stunden später der russische Angriff in der Ukraine gefolgt war.

TV Hüttenberg - Dessau-Roßlau 29:27

Anders als gegen Nordhorn mussten die Hüttenberger Fans am Dienstag einen vergleichsweise entspannten Handballabend verleben - zumindest bis zur 55. Minute. Ihre Mannschaft überzeugte gegen mit einer soliden Darbietung, ohne dafür eine überragende Leistung auf die Platte zaubern zu müssen. Die war deswegen nicht nötig, weil die Gästesieben von Trainer Uwe Jungandreas lange Zeit zu blass blieb und erst in der Schlussphase noch einmal mächtig aufdrehte.

Wirklich mithalten konnte Dessau-Roßlau zunächst nur zu Beginn der Partie. Eine knappe Viertelstunde lang ließ das Kellerkind den Hüttenberger Führungstreffern meist postwendend den Ausgleich folgen, ehe sich die Gastgeber absetzten. Zunächst traf Christian Rompf über die zweite Welle von Linksaußen zum 7:5 (15.), danach hatte Joel Ribeiro Grund zum Jubeln: Sein 9:6 nach 18 Minuten war gleichbedeutend mit dem ersten Zweitligator des Portugiesen, der sich seit seinem Wechsel von Sporting Lissabon ins Handkäsedorf im vergangenen Sommer quasi in permanenter Reha befunden hatte. Dominik Mappes sorgte eine Minute vor der Pause mit seinem verwandelten Siebenmeter für das 13:9. Und als Niklas Theiß kurz nach dem Wiederanpfiff das 15:10 folgen ließ (34.), machte sich im Sportzentrum eine Ahnung breit, dass da wohl nichts mehr anbrennen dürfte - ein Trugschluss.

Denn obgleich die Hüttenberger die Partie bis in die Schlussphase hinein im Griff hatten, mussten sie am Ende noch einmal ganz gewaltig zittern. Als acht Minuten vor dem Ende eine 25:20-Führung von der Anzeigetafel leuchtete, dachte wohl niemand mehr ernsthaft daran, dass die Blau-Weiß-Roten noch einmal ins Schwimmen geraten würden. Doch genau das passierte: Jungandreas brachte nun häufig den siebten Feldspieler, die Seinen nutzten eine doppelte Überzahl, den TVH-Schützen fehlte es an Präzision, Mappes verwarf einen Strafwurf - und plötzlich war die Fünf-Tore-Führung zwei Minuten vor dem Ende auf ein 26:27 zusammengeschmolzen. Jakub Hrstka erzielte mit seinem zwölften Tagestreffer das 27:27 und auf einmal schien selbst eine Hüttenberger Niederlage denkbar. Doch just in dieser Phase zeigte Mappes, wie wichtig er für sein Team ist - und zugleich, wie sehr sein Abgang im Sommer in Richtung Gummersbach schmerzen dürfte. Der Kapitän ließ sich vierzig Sekunden vor dem Ende in Unterzahl anspielen, wackelte einen Widersacher aus und überwand Ambrosius zum entscheidenden 28:27. Der Endstand durch Niklas Theiß‹ Empty-Net-Goal fiel auf den Schlusspfiff und ging im Jubel der TVH-Fans unter.

Unter dem Strich blieb es allerdings trotz der unnötig engen Schlussphase ein verdienter Heimerfolg des TVH, der an diesem Abend neben dem sportlichen ein vielleicht noch wichtigeres politisches Statement gesetzt hat.

TV Hüttenberg: Plaue, Böhne (ab 46.) - Schwarz (3), Kneer, Kirschner (2), Opitz, Theiß (5), Fujita, Weber (1), Rompf (2), Zörb (2), Mappes (9/3), Ribeiro (1), Hahn (1), Klein, Jockel, Schreiber (3).

Dessau-Roßlau HV: Ambrosius - Löser (2), Hrstka (12/6), Sohmann (1/1), Bielzer, Schmidt, Häske, Gliese (3), Danneberg, Neumann (1), Scheithauer (2), Baumgart, Emanuel (1), Seidler (1), Pust (1), Leu (3).

Schiedsrichter: Janz/Sug (Köln). - Zuschauer: 680. - Zeitstrafen: Hüttenberg vier (Mappes, Zörb, Rompf, Weber), Dessau-Roßlau sechs (Leu, Seidler, Emanuel, Baumgart, Gliese, Schmidt). - Verworfene Siebenmeter: Sohmann (Dessau-Roßlau) scheitert an Plaue (13.), Weber (Hüttenberg) scheitert an Ambrosius (14.), Mappes (Hüttenberg) scheitert an Ambrosius (58.),

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