Anadin und die Wunder-Vorrunde

Minden/Wetzlar. Seit Mittwochabend um kurz vor 21 Uhr ist es amtlich: Die HSG Wetzlar hat sich mal wieder selbst übertroffen und mit dem knappen 24:23 (12:10)-Auswärtssieg bei GWD Minden die beste Vorrunde ihrer inzwischen langen Erfolgsgeschichte in der Handball-Bundesliga gespielt. 21:13-Punkte, Platz fünf - wer hätte das nach dem Trainerwechsel im Sommer gedacht .

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GWD Minden - HSG Wetzlar 23:24

»Wenn mir das vor der Saison einer gesagt hätte, dass wir nach 17 Spielen so gut dastehen, ich hätte es nicht geglaubt«, lächelte Anadin Suljakovic nach dem vierten doppelten Punktgewinn der Wetzlarer in Serie in die Fernsehkameras bei Sky. »Natürlich bin ich zufrieden«, ergänzte der 23-Jährige, als er auf seine eigene Leistung angesprochen wurde. 16 gehaltene Bälle, eine stolze Quote. Aber der Keeper switchte nach dem vorletzten Pflichtspiel-Gang in diesem Kalenderjahr sofort zurück zum Team. »Wir müssen bereit sein, in jedem Spiel. Und wir haben wenige Tage nach dem großen Spiel gegen Kiel Charakter gezeigt«, erklärte Suljakovic.

Trainer Benjamin Matschke hatte seine Startformation im Gegensatz zum Coup vom Sonntag gegen den Rekordmeister im Duell beim Schlusslicht auf drei Positionen umgebaut. Auf Außen sollten es Maximilian Holst und Lars Weissgerber richten. Doch die beiden Flügelspieler sorgten in den ersten Minuten für alles andere als Glanz auf dem Parkett der Kampa-Halle. Holst verursachte gleich einen Siebenmeter und betrat im ersten Angriff seiner Reihen den Kreis, Weissgerber wiederum scheiterte wenig später an GWD-Torhüter Malte Seimisch. So dauerte es bis zur fünften Minute, bis Stefan Cavor den ersten Gästetreffer des Abends zum 1:2 erzielte.

Dass die zuletzt drei Mal erfolgreichen Ostwestfalen in der Anfangsviertelstunde nicht weiter als auf drei Tore wegzogen, lag am dritten »Zugang«. Besagter Suljakovic ersetzte EM-Starter Till Klimpke von Beginn an zwischen den Pfosten der HSG. Und der Bosnier rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers. Starke acht Paraden verzeichnete der Schlussmann bereits in den ersten 30 Minuten.

Trotzdem führte Minden in der 15. Minute mit 7:4. Grund genug für Matschke, in einer Auszeit »mehr Überzeugung, mehr Tempo, mehr Attacke, mehr hundert Prozent« von seinen Jungs zu fordern. Der sich steigernde und eiskalt an der Linie stehende Holst überlobte 2,06-Meter-Hüne Semisch beim folgenden Strafwurf, Olle Forsell Schefvert erkämpfte sich den 8:8-Ausgleich, 61 Sekunden und Treffern von Adam Nyfjäll und Holst später leuchtete dann sogar eine 10:8-Führung für den Tabellenfünften von der Anzeigetafel. Alles gut war da aber noch nichts.

Denn zum einen schwächelte Lenny Rubin als eigentlicher Torschütze vom Dienst über die gesamte Dauer der Partie. Zum anderen sah Felix Danner nach 21 Minuten und 21 Sekunden Spielzeit infolge eines Fouls an Jan Grebenc die Rote Karte.

Nach dem Seitenwechsel schien es dann lange Zeit so, als sollten die davon kaum beeindruckten Gäste vor allem dank Stefan Cavors Abschlussqualitäten von ihrem hart erkämpften Vorsprung zehren. Mehrere Male verpasste der Rangfünfte jedoch eine Vier-Tore-Führung, die nur Weissgerber beim 15:11 (38.) gelang. Dank des Tunesiers Mohammed Darmoul und dessen Dynamik blieben die Hausherren dran - und schnupperten in der Schlussphase an der Wende. Weil die HSG urplötzlich falsche Entscheidungen statt ins Tor traf.

Der beim Abschluss sichtlich gehandicapte Magnus Fredriksen warf drüber, Forsell Schefvert traf das leere Mindener Tor nicht, Weissgerber scheiterte zum wiederholten Male an Semisch. Die Folge: 22:22 (58.).

Doch die Lahnstädter stibitzten sich im nächsten GWD-Angriff den Ball, der eingewechselte Emil Mellegard verwandelte im Tempogegenstoß zum 23:22. Und Fredriksen setzte den Schlusspunkt aus Wetzlarer Sicht. Das Weihnachtsfest kann kommen. Die HSG hat sich mal wieder selbst übertroffen und die beiden trainingsfreien Tage vor dem Showdown 2021 am Montag beim TuS N-Lübbecke im Kreise ihrer Familien verdient.

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