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»Anfassen wird wohl noch erlaubt sein«

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Eisenach. Timm Schneider konnte die Welt nicht mehr verstehen. Der Kapitän des TV Hüttenberg haderte mit der Entscheidung der Schiedsrichter Alexander Kittel und Lars Scharfe, diskutierte vehement mit selbigen, um letztlich nach 21 Minuten kopfschüttelnd das Feld in Richtung der eigenen Bank zu verlassen, kurz nachdem die Unparteiischen ihm die Rote Karte gezeigt hatten.

Zu diesem Zeitpunkt führte der TV Hüttenberg bei seinem Auswärtsspiel gegen den ThSV Eisenach am Freitagabend mit 10:9, am Ende entführten die Blau-Weiß-Roten dank des 29:29-Endstandes einen Punkt aus der Werner-Assmann-Halle, wodurch sie die Siegesserie von zuletzt sieben Eisenacher Erfolgen beendeten. Für Schneider war das Duell gegen den Tabellenzweiten ein besonderes. Zum ersten Mal nach seinem Weggang in Richtung TBV Lemgo im Sommer 2012 trug der 34-Jährige wieder das Hüttenberger Trikot - ein Moment, auf den er seit Beginn dieser Saison lange hatte warten müssen. Eine Meniskusoperation zu Saisonbeginn hatte dafür gesorgt, dass Schneider seine Mitstreiter bislang stets nur auf einem Platz neben der Bank unterstützen konnte. Nun wurde sein Comeback durch den Feldverweis vorzeitig beendet.

Timm, mit einem solchen Aufritt des TVH beim ThSV Eisenach, dem Team der Stunde in der 2. Handball-Bundesliga, haben im Vorfeld sicherlich nicht viele Experten gerechnet…

Man muss schon sagen, dass wir perfekt ins Spiel gekommen sind. Wir hatten gegen die Eisenacher 5:1-Abwehr immer genügend Abstand zur Spitze und haben dann unsere Lücken gefunden. Nach einer knappen Viertelstunde haben wir mehr zu wühlen angefangen, weshalb wir uns häufiger festgelaufen haben und Eisenach stärker wurde. Insgesamt haben wir aber eine starke Leistung gezeigt, kämpferisch kann man uns ja sowieso nie einen Vorwurf machen.

Sie haben nach Ihrer Roten Karte deutlich mit der Entscheidung der Schiedsrichter gehadert. War der Platzverweis nach Ihrem Foul an Eisenachs Jannis Schneibel aus Ihrer Sicht unberechtigt?

Wenn der Gefoulte hinterher zu mir sagt, dass es nichts Schlimmes war, sagt das doch glaube ich alles. In meinen Augen war es ein Allerweltsfoul, ich habe nur Kontakt an seiner rechten Schulter und der rechten Brust, und dann fällt er leider unglücklich. Den Gegner anfassen wird man beim Handball ja wohl noch dürfen (lacht). In der zweiten Halbzeit geben die Schiedsrichter auch Eisenachs Ivan Snajder die Rote Karte, was ebenfalls ein Witz war. Aber diese Linie mussten sie dann wohl durchziehen. Das ist meiner Meinung nach nicht der Handball, den man sonst kennt.

Zu Beginn der Saison hieß es, dass Ihr Comeback voraussichtlich erst im Dezember zustande kommen würde. Jetzt standen Sie doch deutlich früher auf der Platte. Kam der Einsatz am Freitag für Sie selbst überraschend?

Ich hatte mir selbst eigentlich das Ziel gesetzt, schon im Pokal gegen Bietigheim wieder dabei zu sein, was war dann aber doch noch zu früh. Ich habe in der vergangenen Woche erstmals komplett wieder mit der Mannschaft trainiert, das Knie hat gut mitgemacht.

Was genau musste an Ihrem Knie operativ korrigiert werden?

Das Ärgerliche ist, dass ich zu Beginn eine Fehldiagnose bekommen habe. Ich habe mich, damals noch für den VfL Gummersbach, am 1. Mai verletzt. Da hieß es dann, dass ich nur zwei Tage Pause machen müsse, daraus sind dann jedoch bereits sechs Wochen geworden. Danach habe ich dann gemerkt, dass die Schmerzen immer schlimmer wurden, weshalb ich kurz vor der Saisonvorbereitung noch einmal ein MRT habe machen lassen. Erst dann konnte festgestellt werden, dass zwei Risse im Außenmeniskus vorhanden waren. Das Schlimme war die Warterei, ich hatte vorher noch keine Knieverletzung und deswegen auch noch keine Erfahrungswerte, wie lange so etwas dauert.

Sie sind mit Ihren 34 Jahren ein erfahrener Handball-Profi. Waren Sie vor Ihrem Comeback für den TVH trotzdem zumindest ein bisschen nervös?

Wirklich aufgeregt war ich nicht, eher voller Vorfreude. Vor allem hat mich gefreut, dass das erste Spiel dann direkt in Eisenach war, da ist immer was los und gute Stimmung. Die ganze Halle ist gegen dich, aber das habe ich eigentlich ganz gerne (lacht).

mit Timm Schneider

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