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Auf der »Achterbahn der Gefühle«

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Von: Nico Hartung

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Überragend: Ian Weber führt den TV Hüttenberg zum Remis gegen Patrick Hüter (rechts) und Bayer Dormagen. © Röczey

Hüttenberg. Als er seine Schützlinge am Samstagabend 405 Sekunden vor Spielende zu sich holte, um sie in einer letzten Auszeit und mit ernster Miene noch einmal einzuschwören, glaubten wohl nur die wenigsten Anwesenden ernsthaft daran, dass der TV Hüttenberg seine zwölfte Saisonniederlage noch würde abwenden können. Mit 25:28 lagen die Hausherren zu diesem Zeitpunkt gegen den TSV Bayer Dormagen zurück - und die Zeit lief ihnen davon.

TV Hüttenberg - Bayer Dormagen 29:29

Und doch waren es knapp sechs Minuten später nicht die Gäste, sondern die Blau-Weiß-Roten, die den Matchball für zwei Punkte verwandeln konnten. Der letzte Hüttenberger Angriff lief, Niklas Theiß, der kurz zuvor nach einer Vorlage von Christian Rompf per Kempa sehenswert zum 29:29 ausgeglichen hatte, schleuderte das Harzleder eine Sekunde vor dem Ende in Richtung des Dormagener Tores, wo Schlussmann Christian Ole Simonsen schließlich mit dem seinem ausgefahrenen rechten Bein parierte.

Endstand in einer Partie, die beide Trainer hinterher jeweils als »Achterbahn der Gefühle« beschrieben: Ein unter dem Eindruck der gesamten Spielzeit gerechtes 29:29 (16:15)-Unentschieden. »Ich bin immer noch geflasht davon, wie sich die Jungs in der Schlussphase zurückgekämpft haben. Wie sie auf Deutsch gesagt die Eier haben, diesen Kempa zu spielen und dass wir die letzten Angriffe komplett mit dem siebten Feldspieler durchziehen, wo jeder Ballverlust das entscheidende Gegentor bringen kann. Das geht nur deshalb, weil ich den Jungs zu 100 Prozent und mehr vertraue«, stellte Wohlrab seinen Schützlingen hinterher ein Sonderlob aus. Doch so mitreißend die Aufholjagd in der Crunchtime schließlich auch war, sie war aus Hüttenberger Sicht eigentlich mindestens ebenso unnötig.

Denn nach anfänglichen Führungen der Gäste hatte das »Original aus Mittelhessen« die Partie die gesamte erste Hälfte und auch die Phase direkt nach dem Seitenwechsel total im Griff. Die Hausherren, bei denen Christian Rompf und Ryuga Fujita auf den Flügeln von Beginn an ran durften, hatten allerdings bereits nach sechs Minuten ein schweres Handicap zu verdauen.

Kapitän Dominik Mappes musste angesichts von muskulären Problemen (Wohlrab: »Eine reine Vorsichtsmaßnahme, um Schlimmeres zu vermeiden«) schon früh raus und wurde bis zum Schlusspfiff nicht mehr eingewechselt. Dafür mussten andere in die Bresche springen. Allen voran Ian Weber, erneut bester Hüttenberger, der seinen neun Treffern aus dem Dessau-Gastspiel vom vergangenen Wochenende gegen Dormagen nun elf Tore folgen ließ und insbesondere in der ersten Halbzeit kaum zu bremsen war. Acht Treffer erzielte der gebürtige Darmstädter und war damit für die Hälfte der Hüttenberger Tore zum 16:15-Halbzeistand verantwortlich.

Und nachdem der starke und in der zweiten Hälfte von der Gäste-Abwehr nicht selten überhart angegangene Hendrik Schreiber nach dem Seitenwechsel mit drei Treffern in Serie auf 19:16 erhöht hatte (34.), schien es, als biege der TVH langsam, aber sicher auf die Siegerstraße ein.

Ohne Mappes

Ein Eindruck, der sich allerdings nicht lange hielt. Denn Dormagen, das Abstiegsgespenst im Nacken, antwortete keine fünf Minuten später zunächst mit dem Ausgleich durch seinen wuchtigen Mittelmann Miroslav Grgic, ehe André Meuser aus dem rechten Rückraum gar das 19:20 erzielte.

Dem TVH flatterten jetzt kurzzeitig die Nerven, die Gäste aus Neuss zogen derweil auf 25:28 davon (54.). »Bei einem Team, das so eine gute Saison spielt wie der TV Hüttenberg, einen Punkt zu holen, ist schon stark. Aber wenn Du kurz vor dem Ende mit drei Toren führst, willst Du auch beide mit nach Hause nehmen«, gestand Bayer-Coach Peer Pütz später, wohl wissend, dass die Seinen ganz zum Schluss auch gut und gerne noch hätten verlieren können.

Viel Zeit haben die Hüttenberger nicht, um sich auf der Zielgerade der Saison auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Bereits am Mittwochabend steht beim TuS Ferndorf (19.30 Uhr) das zweite von fünf Spielen innerhalb von 14 Tagen auf dem Programm. »Ab Montag liegt der Fokus voll auf Ferndorf, wir müssen das jetzt bis zum Ende durchziehen. Eigentlich ist es für einen Handballer das Schönste, wenn er viele Spieler innerhalb kurzer Zeit hat, deshalb lieben wir diesen Sport ja alle«, so Wohlrab, um allerdings zur Erleichterung seiner Schützlinge rasch noch hinzuzufügen: »Am Sonntag haben die Jungs erst einmal frei.« Die Eindrücke aus der »Achterbahn der Gefühle« wollen schließlich verarbeitet werden.

Hüttenberg: Plaue, Böhne (bei drei Siebenmetern), Schwarz (1), Kneer (1), Kirschner (1), Theiß (4), Fujita (1), Weber (11/1), Rompf (1), Zörb (1), Mappes (1), Ribeiro, Hahn, Klein, Jockel, Schreiber (7).

Dormagen: Juzbasic, Simonsen (1, ab 23.) - Meuser (5), Leitz, Senden (2), Biernacki, Ian Hüter (3), Reimer (7/4), Grgic (6), Zurga, Patrick Hüter (1), Johannmeyer, Grbavac, Seesing (3), Steinhaus, Mast (1).

Schiedsrichter: Dietz/Biehler (Ohlsburg/Offenbach) - Zuschauer: 750 - Zeitstrafen: Hüttenberg fünf (Klein zwei, Zörb zwei, Theiß), Dormagen sechs (Seesing zwei, Grgic, Ian Hüter zwei, Senden) - verworfene Siebenmeter: Reimer (Dormagen) scheitert an Böhne (12.) und Plaue (50.), Weber (Hüttenberg) scheitert an Simonsen (43.).

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