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Auf nach Cardiff

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Von: Thomas Wißner

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Hartes Training zahlt sich aus: Milan Ortac, hier mit seinem Coach Ladell Goik, ist auf dem Weg zur Kickbox-WM in Cardiff. Foto: Wißner © Wißner

Gießen (twi). »Schau mal, willst Du vielleicht zum Kickboxen gehen«, waren die Worte seiner Mutter, die Milan Ortac dazu veranlassten mit dem Sport zu beginnen. Es war sofort seine große Leidenschaft, wenn auch die ersten Kämpfe verloren gingen. In den bevorstehenden Herbstferien nimmt der 13-jährige Schüler der Brüder-Grimm-Schule nun an der Weltmeisterschaft der World Kickboxing and Karate Union in Cardiff/Wales teil, die den Schüler dazu eingeladen hat.

Zunächst spielte Milan Ortac Fußball bei der TSG Wieseck, wo auch sein Vater als Trainer wirkte. Doch irgendwie verlor der junge Mann die Lust an der Lederkugel und nach einem Kickbox-Probetraining bei Ladell Goik meldete er sich drei Tage später bei den LG Cobras Gießen an.

Zwischen Bruce Lee und Mike Tyson

Von Beginn an trainierte er unter Golk, der 2013 Deutscher Meister im Kickboxen wurde und im Stolzenmorgen in Gießen seine Kickboxschule betreibt. Mike Tyson und Bruce Lee schauen von der Wand auf den Nachwuchs, der hier fleißig trainiert. Das LG im Vereinsnamen steht für Ladell Goik, der die Cobras als Kickboxtrainer leitet und seine Kompetenz weitergibt. Goik hatte einst im Alter von elf Jahren mit dem Sport begonnen. Noch zwei Jahre jünger war Milan bei dem lizensierten Fitness- (B-Lizenz) sowie Kickbox- und Boxtrainer. Kickboxen und Boxen? Das weist auch auf die beiden Ikonen Bruce Lee und Mike Tyson hin, die als Poster von der Wand blicken. »Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass ein Mix aus verschiedenen Kampfsportrichtungen für das Kickboxen am effektivsten ist. Dieser Mix spiegelt sich in unserem Cobras »Mixed«-Kurs wider, indem du das Beste aus allen Techniken erlernen kannst und der für Anfänger sowie Fortgeschrittene geeignet ist«, erläutert der Coach. »Unser Kampfstil zeichnet sich durch Härte und Schnelligkeit aus und ist deshalb auch für Wettkampfinteressierte geeignet, jedoch stehen Spaß, Sicherheit und Sportlichkeit an erster Stelle«, verrät Goik, der mächtig stolz auf seinen Schützling ist. Milan Ortac wiegt unter 50 Kilogramm und wird in der Disziplin Kick-Light in Cardiff an den Start gehen. Exakt in den Herbstferien, vom 23. bis 29. Oktober, findet die Weltmeisterschaft in Wales statt, bei der der Nachwuchs-Athlet von seinem Vater und dem Trainer betreut wird. Der 23. Oktober ist dabei für Milan Ortac ein besonderer Tag, nicht nur weil dann die WM beginnt, sondern er auch seinen 14. Geburtstag feiert. Ein Geburtstag, der allerdings keine Auswirkungen bei der Einteilung der Altersklasse hat.

Bruce Lee und Chuck Norris machten die Sportart bekannt, doch wer glaubt, dass das moderne Kickboxen seinen Ursprung in Thailand, Japan oder anderswo im Fernen Osten hat, der irrt, denn die wahren Ursprünge der Sportart liegen in dem Namen, unter dem sie bekannt war: Vollkontakt-Karate - und gehen tatsächlich auf Bruce Lee zurück.

Mitte der 70er Jahre waren verschiedene amerikanische Karateturniersportler frustriert über die Beschränkungen des damals recht primitiven Punktesystems für Wettkämpfe. Sie wollten ein System finden, in dem sie Tritte und Schläge bis zum K.o. anwenden konnten. Das Vollkontakt-Karate war geboren. Ein langer Tritt, dann schnelle Schläge - Kickboxen vereint traditionelle Kampfstile mit modernem Boxen. Ladell Goik gestaltet das Training vielseitig, wie auch die Motivation der Sportler: Manche zieht es in den Wettkampf, andere wollen sich selbst verteidigen oder einfach nur fit werden. »All-Style-Karate« vermischte einst traditionelle Kampfstile wie Kung Fu, Karate und Taekwon-Do miteinander. Dann kamen die Schlagtechniken des modernen Boxens hinzu.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft wird Milan Ortac das Training beibehalten, trainiert er zweimal die Woche. Dienstags eineinhalb und donnerstags drei Stunden und darüber hinaus leitet er noch das Training »der Kleinen«, wie er verrät, wobei die »Kleinen« zwischen sieben bis zehn Jahre alt sind. Und er ist dann mit seinen 14 Jahren schon fast ein richtig Großer.

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