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»Bank von England« im Frankfurter Tor

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Kevin Trapp © Red

Frankfurt (pep). Das Spiel mit der Frankfurter Eintracht beim FC Barcelona war für Kevin Trapp ein Spiel gegen die Vergangenheit. Im »Camp Nou« hatte er am 8. März 2017 die schwärzeste Stunde seiner Fußball-Laufbahn erlebt. Mit einem 4:0 im Rücken war er als Stammtorwart von Paris St. Germain nach Katalonien gereist.

Doch dann wurde die Franzosen und ihr deutscher Torwart von Barca mit einem überragenden Lionel Messi aus allen Champions-League-Träumen gerissen und aus dem Stadion gefegt. PSG und Trapp unterlagen 1:6, für Trapp ging es danach nur noch bergab in Paris. Er hatte das Vertrauen der Trainer verloren, das Vertrauen der Fans.

Vor knapp zwei Wochen hat der 31 Jahre alte Nationalspieler dieses Trauma mit dem 3:2-Sieg der Eintracht in Barcelona und einer Weltklasseleistung eindrucksvoll überwunden. »Abgehakt«, sagte Trapp hinterher betont cool. Nun geht es im Halbfinale der Europa-League gegen West Ham United (Hinspiel Donnerstag, 21 Uhr). Und wieder wird Trapp an seine Pariser Vergangenheit erinnert.

Denn im Tor der Londoner wird aller Voraussicht nach ein gewisser Alphonse Areola stehen. Jener Areola, der bei PSG der schärfste Konkurrent des Deutschen gewesen war und Trapp in der Saison 17/18 in Paris schließlich auch beerbt hatte. 34mal in der Liga, achtmal in der Champions-League spielte der in Paris geborenen und in Paris ausgebildete Torhüter - Trainer Unai Emery hatte Areola damals zur »Nummer eins« des französischen Meisters gemacht und Trapp zum Reservisten degradiert.

Der Deutsche bestritt in dieser Saison nur ein einziges Ligaspiel, dazu sechs Begegnungen im Pokal. Eine bittere Erfahrung für Trapp, ein »Glücksfall« für die Eintracht. Denn Trapp suchte im Sommer 2018 das Weite, kehrte zunächst auf Leihbasis zur Eintracht zurück. Dort hatte sich gerade Lukas Hradecky nach dem Pokalsieg verabschiedet, der neu verpflichtete Frederik Rönnow, inzwischen bei Union Berlin, stand wegen einer Knieverletzung nicht zur Verfügung. Trapp war wieder da, ist geblieben, hat längst am Main sein Glück gefunden. Und steht jetzt vor einem weiteren Höhepunkt seiner Karriere.

In Frankfurt ist Trapp unumstritten, sozusagen die »Bank von England« zwischen den Pfosten. »Er ist unser großer Rückhalt«, sagt Sportvorstand Markus Krösche. Trapp gehört aktuell sicher zu den zwei, drei besten Torhütern in der Bundesliga. In den wichtigsten Spielen der Saison trifft er nun auf den einstigen Kollegen, Rivalen, und keinesfalls besten Freund, Areola. Der steht bei West Ham United unter Vertrag, ist bei den »Hammers« eigentlich nur die »Nummer zwei« hinter dem polnischen Nationaltorwart Lukasz Fabianski. Doch im Pokal darf Areola (29) ran, das hat Trainer David Moyes so entschieden. Neunmal in der Europa-League, dreimal im englischen Pokal hat der Franzose zwischen den Pfosten gestanden. Es spricht nichts dagegen, dass das auch im Halbfinale so bleibt.

Für Kevin Trapp dürfte dies eine zusätzliche Motivation sein, auch wenn der Frankfurter Torwart sich und auch sonst niemandem noch etwas beweisen muss. Er spielt seit Wochen in Topform, zuletzt rettete er am Samstag beim 2:2 gegen die TSG Hoffenheim mit zwei überragenden Paraden den einen Punkt. Die Verletzung an der rechten Hand, verstaucht beim Spiel in Barcelona, stellte ganz offensichtlich keine Beeinträchtigung da. »Da war kein Risiko«, versicherte auch Trainer Oliver Glasner,. Auch und gerade in London werden die Frankfurter ihren Supertorwart wieder brauchen. West Ham spielt ganz anders als Barcelona, körperlicher, mit hohen Flanken in den Strafraum. Da muss sich Trapp durchsetzen. In der Strafraumbeherrschung hat er sich in dieser Saison noch einmal deutlich verbessert.

Die internationalen Spiele mit der Eintracht helfen dem Frankfurter Torwart auch seine Chancen in der Nationalmannschaft zu wahren. Aktuell gehört er fest zum Stamm von Bundestrainer Hansi Flick und hat die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Frühwinter des Jahres im Blick.

Das Duell um den Platz in der DFB-Auswahl gegen Bernd Leno, der bei Arsenal London nur noch auf der Bank sitzt, hat er erst einmal für sich entschieden. Nun will er auch das Duell mit einem anderen Londoner Torwart gewinnen. Es wäre eine späte Genugtuung, sich jetzt auch gegen Areola durchzusetzen.

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