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Ben Manga geht und viele atmen auf

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Keine Eintracht bei der Eintracht: So nah wie hier im Dortmunder Westfalenstadion waren sich Markus Krösche und Ben Manga nur selten. Foto: imago © imago

Frankfurt. Am Mittwoch wurde offiziell verkündet, was bei Eintracht Frankfurt die Spatzen schon seit vielen Monaten von den Dächern gepfiffen haben: Ben Manga, einst Chefscout, zuletzt offiziell Direktor Profifußball, der Mann mit dem Spitznamen »Perlentaucher« wegen seiner besonderen Fähigkeit, Talente zu erkennen, hat keine Zukunft mehr bei den Adlern.

Nun wurde die Trennung bekanntgegeben. Der Vertrag wird aufgelöst, Manga wird als Sportdirektor zum englischen Zweitligisten FC Watford wechseln.

Seit Jahresbeginn beschäftigungslos

Die Eintracht erhält keine Ablösesumme, spart freilich das üppige Gehalt ein. Der 48 Jahre alte Manga hat sich in knapp fünf seiner sechs Jahre bei der Eintracht verantwortlich gezeichnet für das Spieler-Scouting, war 2016 mit dem damaligen Sportvorstand Fredi Bobic gekommen. Die aktuelle Entwicklung kommt nicht überraschend, im Grunde war Manga schon seit Anfang des Jahres bei der Eintracht kaltgestellt, hat keine wesentliche Rolle mehr gespielt bei Neueinkäufen.

Diese wurde immerhin von freundlichen Worten begleitet. Manga habe »hervorragende Arbeit« geleistet und einen »großen Anteil« am Erfolg des Clubs, wurde Sportvorstand Markus Krösche zitiert. Manga selbst sprach davon, »dass wir im Guten auseinandergehen.« Gemeinsam mit Manga geht auch rund ein halbes Dutzend Scouts aus dessen engerem Team, darunter die hoch angesehene Helena Costa, die den spanischen und portugiesischen Spielermarkt im Auge hatte. Die Frankfurter glauben auf diese Expertisen verzichten zu können, nachdem das gesamte Scouting-System seit dem Amtsantritt von Krösche im Sommer 2021 auf andere Beine gestellt wurde. Der unterschiedliche Ansatz in Kurzform: Während Manga durchweg auf persönliche Beobachtungen vor Ort vertraute, geht es bei Krösche darum, Spielerprofile anzulegen und beim Scouting alle technischen Möglichkeiten wie Daten, Algorithmen und Videos auszuschöpfen, bevor die persönliche Begutachtung beginnt.

Krösche und Manga hatten von Beginn ihrer Zusammenarbeit an keine gemeinsame Wellenlänge gefunden. Am Ende herrschte Eiszeit, es war nur noch ein Nebeneinander.

Erfolgreich waren beide mit ihren Methoden. Manga zeichnet unter anderen für die Einkäufe des Brasilianers Tuta, des Franzosen Evan Ndicka oder einst Sebastien Haller verantwortlich. Ihm zugerechnet werden in der Öffentlichkeit auch Luka Jovic und Ante Rebic, die freilich auf Betreiben des damaligen Trainers Niko Kovac geholt wurden. Nichtsdestotrotz ist Mangas Bilanz sportlich wie wirtschaftlich rundum positiv. Auch deshalb sind nicht alle im Club glücklich mit der Trennung.

Nur wenig Transferflops

Mit den meisten Transfers vor den letzten beiden Spielzeiten hatte Manga freilich schon nichts mehr zu tun. Jesper Lindström, Ansgar Knauff, Hrvoje Smolcic oder Junior Ebimbe wurden von Krösche geholt. Beim einen oder anderen, bestes Beispiel ist Randal Kolo Muani, hatten die beiden noch zusammengearbeitet. Und beide haben auch Flops zu verantworten: Manga mit Fabio Blanco, auch Andersson Ordonez oder Chico Geraldes haben keine Spuren hinterlassen. Krösche hat bei Jens-Petter Hauge, Sam Lammers und womöglich auch Luca Pellegrini danebengegriffen.

Durchaus erleichtert sein dürfte nach der Trennung auch der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer. Ein offensichtliches Missverständnis in Bezug auf Kompetenzen konnte nun ausgeräumt werden. Holzer hatte im Frühjahr 2021 nach den Irritationen um die Abgänge des damaligen Sportchefs Fredi Bobic, des damaligen Managers Bruno Hübner und des damaligen Trainers Adi Hütter in höchster personeller Not eine Vertragsverlängerung mit Ben Manga erreicht, die diesem mehr Einfluss eingebracht hatte. Kurz darauf hatte Holzer dann Krösche als Sportvorstand geholt, die Voraussetzungen in der sportlichen Führung hatten sich damit wieder grundsätzlich geändert, zum Nachteil von Manga. Er habe sich damals »mit dem Herzen« für die Eintracht entschieden, sagt Manga im Rückblick, »solche Fehler macht man vielleicht nur einmal.«

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