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Böhne per Fuß, Mappes per Hand

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Von: Nico Hartung

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Einer der Matchwinner der Hüttenberger: Torwart Simon Böhne pariert auch diesen Wurf. © Röczey

Hüttenberg. Obgleich er auf dem Statistikbogen »nur« sieben Paraden nachweisen konnte, war Simon Böhne am Ende der Matchwinner. Am Samstagabend beim Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim avancierte der Schlussmann von Handball-Zweitligist TV Hüttenberg in der letzten Aktion der Partie zur entscheidenden Figur.

TV Hüttenberg - SG Bietigheim 27:26

Beim Stand von 27:26 für die Gastgeber blieb es dem Bietigheimer Tim Dalhaus, mit sechs Treffern bester Werfer seines Teams, überlassen, sich Sekunden vor dem Ende den letzten Wurf zu nehmen. Der SG-Halbrechte zog aus neun Metern über den Hüttenberger Blockversuch ab, fand seinen Meister jedoch in Böhne, der sein rechtes Bein waagerecht zum und etwa 30 Zentimeter oberhalb des Hallenbodens ausgefahren hatte. Ende, Schlusspfiff, Freude - und vor allem: Erleichterung! Denn durch den 14. Saisonsieg verbleiben die Hüttenberger auf Tabellenplatz fünf und sind damit weiterhin Teil der Spitzengruppe des Unterhauses. Im Falle einer Niederlage wäre der Gast von der Enz am TVH vorbeigezogen.

»Ich konnte meiner Mannschaft noch nie einen Vorwurf in puncto Einstellung machen. Aber heute hat sie noch einmal einen draufgesetzt«, erklärte TVH-Trainer Johannes Wohlrab auf der anschließenden Pressekonferenz. In den vorangegangenen 60 Minuten hatten die 700 Zuschauer eine Begegnung verfolgt, die stets auf des Messers Schneide gestanden hatte und in deren Anschluss beide Mannschaften guten Gewissens von sich hätten behaupten können, das Spiel verdient gewonnen zu haben.

Dass dies am Ende die Hüttenberger tun durften, hatte einen entscheidenden Grund: Seine Schützlinge, so Wohlrab, hätten nach den vorangegangenen Niederlagen gegen Gummersbach (27:30) und Eisenach (29:36) einen schnellen Lernprozess hingelegt. »Die Jungs sind ja nur vier Tage älter, keine vier Jahre. Sie haben diese Pleiten sofort abgeschüttelt und verstanden, dass alles, was zählt, immer nur das nächste Spiel ist, und sonst nichts.« Das TVH-Ensemble, das in den beiden vorangegangenen Spielen der englischen Woche in den entscheidenden Momenten der Crunchtime jeweils den Kürzeren gezogen hatte, hatte am Samstagabend das entscheidende Spielglück auf seiner Seite - auch deshalb, weil Moritz Zörb, Ian Weber und Co. kämpften bis zum Umfallen.

»Deswegen kommen die Zuschauer doch in die Halle, weil sie die Spieler kratzen und beißen sehen wollen. Und das am Ende solch einer Woche, wo alles auf dem Zahnfleisch geht«, meinte Wohlrab hinterher stolz.

Während die Gastgeber auf zwei Niederlagen zurückblickten, war Bietigheim mit dem Selbstbewusstsein aus drei Siegen in Serie ins Handkäsedorf gereist. Und als SG-Rechtsaußen Christian Schäfer nach 20 Minuten aus spitzem Winkel zum 11:8 einwarf, deutete vieles darauf hin, dass das Team von Star-Trainer Iker Romero auch den vierten doppelten Punktgewinn einfahren würde.

Die Blau-Weiß-Roten scheiterten nach anfänglichen Führungen nun zu häufig an Ex-TVH-Schlussmann Konstantin Poltrum und ließen zu viele freie Würfe liegen. Böhne, der den Vorzug vor Dominik Plaue in der Startsieben erhalten und zunächst gut in die Partie gefunden hatte, ließ zwei haltbare Bälle passieren, so dass Wohlrab reagierte: Er brachte Plaue, der in seinen ersten sechs Minuten gleich drei Parade zeigte, und im Angriff stabilisierte sich der Tradi- tionsclub. Letzteres war vor allem darauf zurückzuführen, dass Kapitän Dominik Mappes immer stärker wurde: Am Ende sollte der Regisseur mit elf Treffern und sechs Assists an 17 Hüttenberger Toren direkt beteiligt gewesen sein.

War die erste Hälfte schon ein enges Hin und her gewesen, entwickelten sich die zweiten 30 Minuten zur Nervenschlacht. Nach einem Doppelpack von Philipp Schwarz führte das »Original aus Mittelhessen« mit 24:22 (53.), drei Minuten später lag die Romero-Sieben mit 25:24 vorne. Mappes verwandelte anschließend nicht nur seinen Siebenmeter zum 26:25 (58.) sicher, sondern erzielte, analog zum Dessau-Heimsieg vor anderthalb Wochen, abermals das entscheidende Tor in der Schlussminute. Dass die beiden Punkte im Hüttenberger Sportzentrum blieben, war jedoch nicht nur Mappes‹ Hand zu verdanken - sondern mindestens ebenso Simon Böhnes rechtem Fuß, der kurz darauf den letzten Bietigheimer Wurf entschärfte.

Hüttenberg: Böhne (bis 18., ab 46.), Plaue (18.-46.) - Schwarz (2), Kneer, Kirschner (4), Opitz, Theiß (3), Fujita, Weber (2), Rompf (3), Zörb, Mappes (11/3), Ribeiro, Hahn, Klein (2), Jockel.

Bietigheim: Poltrum, Lehmann (bei zwei Siebemetern) - Vlahovic (1), Claus, Dalhaus (6), Schäfer (4/1), de la Peña (4), Urban, Barthe (2), Asmuth (5), Wesseling (2/1), Pfeifer, Fischer (2).

Schiedsrichter: Bona/Frank (Remscheid/Radevormwald) - Zuschauer: 700 - Zeitstrafen: Hüttenberg vier (Kneer, Zörb, Hahn, Klein), Bietigheim fünf (Wesseling, Barthe, Dalhaus zwei, Vlahovic) - verworfene Siebenmeter: Wesseling (Bietigheim) wirft an die Latte (8.), Schäfer (Bietigheim) scheitert an Plaue (27.), Mappes (Hüttenberg) wirft über das Tor (37.)

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