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»Brauchen keine Neuzugänge«

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Frankfurt. Die Fans von Eintracht Frankfurt waren im Feiermodus. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als sich die Mannschaft vor der Kurve in die lange Winterpause verabschiedete. Es war nicht das 1:1 beim 1. FSV Mainz 05, wofür sich die mehr als 10 000 Anhänger der »Adler« bedankten, es war ein ganzes Jahr mit unglaublichem Fußball und unglaublichen Erfolgen.

»Ich wage zu behaupten, dass dies das schönste Kalenderjahr war, das die Eintracht seit langer Zeit erlebt hat«, sagte Torhüter Kevin Trapp.

Das war eher untertrieben. Die fantastische Reise durch Europa bis zum Europapokal-Coup in Sevilla, die erstaunliche Fortsetzung dieser Reise durch die Champions League bis ins Achtelfinale sowie eine starke Leistung in der Liga - viel mehr war für die Eintracht nun wirklich nicht mehr drin im Jahr 2022. Das Spiel in Mainz war die 48. Partie in diesem Jahr. »Kompliment an meine Mannschaft«, sagte Trainer Oliver Glasner, »welche Energieleistung sie im 24. Pflichtspiel innerhalb von etwas mehr als drei Monaten gebracht hat, wie sie sich gewehrt hat - das war klasse.«

Sieg des Glaubens und der Qualität

Sportvorstand Markus Krösche sprach vom »nächsten Entwicklungsschritt«, den die Eintracht genommen habe. Die Spieler haben national die Vorgabe, den elften Platz aus der vergangenen Saison zu korrigieren, bis hierhin eindrucksvoll umgesetzt. Der Trainer hat es geschafft, der »Diva vom Main« das »Divenhafte« auszutreiben, ohne ihr dabei die Kreativität zu nehmen. In Mainz war es allein der Wille, der dazu führte, dass nach einer schwachen ersten Halbzeit noch verdient ein Punkt mitgenommen wurde. Anführer Trapp plauderte aus dem Nähkästchen einer selbstbewussten Mannschaft: »Wir haben den Glauben und die Qualität, dass wir nach Rückständen zurückkommen können«, sagte er. Und: »Zudem haben wir gute Halbzeitansprachen, die uns zeigen, was wir verändern müssen, um ein Spiel noch drehen zu können.« Dieses Lob ging an den Trainer. Der war vor der Pause ziemlich sauer war. In der Halbzeit drehte Glasner dann an den richtigen Stellschrauben. »Sie wollten nicht als Verlierer vom Platz gehen und haben einen wunderbaren Ausgleich erzielt«, freute sich der Eintracht-Coach über seine folgsame Mannschaft.

Das Ausgleichstor in Mainz haben die beiden wichtigsten Neuzugänge aus dem Sommer zelebriert. Mario Götze lenkte den Ball mit dem Rücken zum Tor der Mainzer direkt weiter, Kolo Muani war danach nicht mehr zu stoppen. Sportchef Krösche darf sich durchaus auf die eigene Schulter klopfen, sowohl beim genialen Fußballer Götze als auch beim pfeilschnellen Muani hat er Sommer genau richtig gelegen. Beide haben die Europapokalsieger noch stärker gemacht.

Ein Auge bleibt auf dem Transfermarkt

Nun gilt es für den Sportchef, den Trainer und die Spieler, die Form bis ins neue Jahr über die lange Winterpause zu konservieren, idealerweise noch zu verbessern. Zwischen Krösche und Glasner herrscht eine wohltuende Einigkeit, was die Personalplanungen betrifft. Beide sehen keinen dringenden Anlass, größere Transfers vorzunehmen. Die Abwehrschwächen könnten intern behoben werden. Mit Makoto Hasebe und Almamy Touré kommen zwei Spieler nach Verletzungen zurück. Sommer-Neuzugang Aurelio Buta wird hoffentlich gesund zum Kader stoßen. »Wir brauchen keine Neuzugänge«, sagte Krösche. Die Augen offen halten werden die Frankfurter dennoch.

Oliver Glasner versicherte, er habe keine Kandidatenliste für den Winter. Sein Wunsch sei vielmehr, »dass wir unsere Spieler halten.« Die Stars der Szene stehen nicht zum Verkauf, zumindest nicht im Winter. Nicht Jesper Lindström, nicht Daichi Kamada, schon gar nicht Kolo Muani. Ein anderer dafür schon: Rafael Borré, im Mai noch Europapokal-Held, hat etwas den Anschluss verloren. In Mainz wurde er nicht einmal eingewechselt, schob stattdessen Frust. Ein Millionen-Euro-Angebot für den kolumbianischen Nationalspieler würde die Eintracht sicher nicht ablehnen.

Bis zum Trainingsstart am 3. Januar sollen die Spieler ihre Akkus wieder aufladen und Verletzungen auskurieren. Wie jene von Kapitän Sebastian Rode, der in Mainz eine halbe Stunde nach seiner Einwechslung schon wieder raus musste. »Die Wade ist kaputt«, sagte er. Aber im Erfolg sind Schmerzen nicht weiter erwähnenswert.

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