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Burgio gegen Mölders 2:1

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Ein das Spiel (mit)entscheidendes Duell: Michael Fink (links) gegen Sascha Mölders. © Ben

Gießen . Das war wichtig: Der FC Gießen hat mit dem 3:1 (2:1)-Erfolg gegen die SG Sonnenhof Großaspach einen unbedingt notwendigen Sieg im Ringen um den Verbleib in der Regionalliga Südwest gefeiert. Wie bedeutend diese drei Punkte waren, zeigt ein Blick auf die Tabelle, der keine Euphorie-Sprünge auslösen dürfte, da die Elf von Trainer Daniyel Cimen auf einem direkten Abstiegsplatz verbleibt, weil Mitkonkurrenten wie der FSV Frankfurt und der VfB Stuttgart U23 ebenfalls gewinnen konnten.

Genau zu jenem Bundesliganachwuchs geht es am kommenden Samstag zum nächsten Sechs-Punktespiel im engen Abstiegskampf-Rennen.

FC Gießen - SG Großaspach 3:1

Zwei Erkenntnisse vor immerhin 720 Zuschauern waren bei bestem Fußballwetter ebenso wichtig wie die drei Punkte: Erstens hat die Gießener Mannschaft das Schockerlebnis der Last-Minute-Niederlage in Haiger gut verarbeitet, was unterstreicht, welch gutes Karma in dem auch sonst immer wieder schwierigen Umfeld der stets gelassene Daniyel Cimen verbreitet. Zweitens konnte Doppeltorschütze Giuseppe Burgio endlich einmal unter Beweis stellen, dass er bei einigermaßen normalem Fitnesslevel der Spieler sein kann, der die Elf für ihre Anstrengungen belohnt. »Klar, das war heute ungeheuer wichtig für uns. Wir wollen unbedingt drinbleiben, ich fühle mich in der Mannschaft sehr wohl«, sagte der nun vierfache Torschütze bescheiden: »Aber das war mein erstes Spiel über mehr als 45 Minuten seit September, ich bin immer noch nicht bei hundert Prozent. Da geht noch mehr.«

Die selbst attestierten noch fehlenden Prozente reichten aber zu einer nahezu hundertprozentigen Trefferquote des Ex-Walldorfers, denn die beiden schön anzuschauenden Treffer aus Minute 40 und 82 garnierte der 33-Jährige zudem mit einem Lattenknaller auf Wembleytor-Niveau nach 22 Minuten. Den Hammer aus 16 Metern hatte das staunende Publikum in den spektakulärsten fünf Minuten der kurzweiligen, aber nicht immer Feinkost bietenden Partie schon drin gesehen.

Zunächst war es aber Gießens zuletzt die Strafbank drückende Keeper Freddy Löhe, der nach 120 Sekunden hellwach sein musste, um einen langen Pass vor Can Karatas gerade noch so zu erlaufen, und auch in Minute elf war es Karatas, der mit einem harten Flachschuss Gießens Nummer eins auf dem Posten fand. Bedient worden war Aspachs Nummer 14 von der 33, dem Trikot, in dem der medial und auf dem Platz stets präsente Ex-Profi Sascha Mölders steckte. Das Duell des am gestrigen Sonntag seinen 37. Geburtstag feiernden kantigen Mittelstürmers mit dem 40-jährigen Michael Fink sorgte auch dann für Unterhaltungswert, wenn das Spiel ansonsten vor sich hindämmerte. Mölders zeterte, Mölders diskutierte, Mölders gestikulierte, Mölders rackerte aber auch als Prellbock in vorderster Reihe, legte Bälle ab, war an jeder gefährlichen Situation beteiligt, traf aber nur einmal, weil der noch routiniertere Fink im Verbund mit Marian Sarr einen klasse Job machte. Ohne zu zetern, aber mit Köpfchen und mit einer gegen den Hünen Mölders spektakulären Kopfballquote.

Rasant wurde die Partie ab der 18. Minute, als Donny Bogicevic sich fein durchsetzte, zunächst an Gästekeeper Maximilian Reule scheiterte, doch den Abpraller verarbeitete Ben Fisher an der Grundlinie perfekt, legte auf, sodass Bogicevic dank freier Schussbahn zum 1:0 traf. Der sechste Treffer des Gießener Top-Torschützen, der spielerisch stets den elegantesten Eindruck hinterlässt. Nur zwei Minuten darauf war die Führung aber wieder dahin: Natürlich durch Mölders. Nach einem feinen Steckpass tauchte er frei vor Löhe auf, der die Eins-zu-Eins-Situation entschärfte, doch Mölders setzte nach und bugsierte den Ball spektakulär mit dem Rücken zum Tor über Löhe in den äußersten Winkel. Nach dem bereits angesprochenen Lattenknaller von Burgio (22.) krönte die Rote Karte von Jonas Brändle die wilden fünf Minuten, als er als letzter Mann den durchgebrochenen Dennis Owusu von den schnellen Beinen beförderte (23.).

Dass die spektakulärste Zeit des Spiels damit schon vorbei war, konnten die Zuschauer nicht ahnen, aber gerade gegen nur noch zehn Großaspacher tat sich die Cimen-Elf schwer. Mit leichter Dominanz, die aber die numerische Überzahl kaum abbildete. Immerhin: Fast aus dem Nichts gelang Burgio fünf Minuten vor der Pause das 2:1, an dem erneut Bogicevic beteiligt war.

Nach dem Wechsel war beim FCG nach der schlechten Erfahrung der Vorwoche auch die Mutter der Porzellankiste mit am Ball, man ließ Vorsicht walten, ging auch gegen nur zehn Großaspacher, die zu Kleinaspachern schrumpften, nicht ins Risiko. Es plätscherte so dahin, was angesichts des knappen Vorsprungs und eines Sascha Mölders Gefahren barg. So entschärfte Löhe einen Mölders-Versuch in Minute 51, hatte aber auch Gießen nach einer flachen Hereingabe von Fisher parallel zur Torlinie Pech, dass Burgio und Owusu das 3:1 knapp verpassten. Das schließlich Gießens Mittelstürmer mit dem tiefen Schwerpunkt erzielte. Nach 82 Minuten sah man, was einen echten Torjäger vom Durchschnitts-Torschützen unterscheidet: Von der Strafraumkante mit dem Rücken zum Tor, dazu halb im Fallen, platzierte Giuseppe Burgio den Ball gnadenlos effektiv ins Eck. Burgio machte den Unterschied - trotz Sascha Mölders. Was Trainer Daniyel Cimen zu einem frohen, aber auch vorsichtigen Fazit veranlasste: »Wir haben in den letzte Wochen viele Komplimente bekommen, aber nicht gewonnen. Das haben wir heute in einem nicht so schönen Spiel hinbekommen. Und das mit gleich drei Toren. Es war eine Energie- und Willensleistung, auch wenn wir es gegen zehn Mann nicht gut gemacht haben. Für mich war aber heute nur wichtig, dass wir irgendwie das Spiel gewinnen.«

FC Gießen: Löhe (2) - Gaudermann (3), Fink (1), Sarr (2,5), Fisher (2), Sawada (3), Trkulja (2/Münn 90.), Daghfous (3,5/Öztürk 79.), Sawada (3), Owusu (3,5/Makanda 86.), Bogicevic (1,5), Burgio (1/Tiliudis 86.)

SG Großaspach: Reule - Schiek (86. Kühn), Messina (80. Held), Gehring, Jüllich, Yarbrough, Gerezgiher, Brändle, Karatas (35. Diakite), Tomic (46. A. Owusu), Mölders

Schiedsrichter: Besiri (Trier). - Zuschauer: 720. - Gelbe Karten: Karatas, Schiek, Yarbrough, Gehring, Mölders, Trainer Boysen (alle Großaspach). - Rote Karte: Brändle (23., Notbremse). - Tore: 1:0 Bogicevic (18.), 1:1 Mölders (20.), 2:1 Burgio (40.), 3:1 Burgio (82.).

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