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Cimens wahre Worte

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Gießen . Der § 14 der Spielordnung hat in der Fußball Regionalliga Südwest durchaus das Zeug zum Schreckgespenst der Vereine. Wie eine Wand steht er in Verbindung mit dem § 50 Nr. 2. Letzterer regelt, dass eine Spielabsetzung dann erfolgt, »wenn einem Verein aufgrund positiver Testungen und/oder behördlich angeordneter Quarantäne weniger als 16 Spieler oder nicht mindestens ein Torhüter zur Verfügung stehen.

« So oder so eine enge Kiste für betroffene Klubs. Und eine, die Anlass zur Kritik gibt. Selbst wenn man, wie Gießens Trainer Daniyel Cimen, kein Mensch schneller emotionaler Urteile ist. Der FC-Coach machte nach der Partie in Mainz aus seinem Herzen allerdings keine Mördergrube, beklagte, dass es nach vielen Tagen der Quarantäne »mit 16 Mann nicht einfach so gehen kann« mit dem nächsten Spiel. Man brauche die entsprechende Vorbereitung, »um wieder einigermaßen vernünftig Leistungssport betreiben zu können«, der Verband aber, so sein Eindruck, wolle in erster Linie »den Spielplan durchbekommen«.

Vorfall in Berlin

In der Tat hatte die Regionalliga Südwest GbR sich schon im Winter 2020 genau diesen Ruf erarbeitet. Damals wurde in einer überdimensionierten 22er-Liga auf Teufel komm raus gespielt. Während der Pandemie, (noch) ohne Impfstoff - und auch ohne Zuschauer. Da half selbst der Rechtsweg einiger Vereine nicht, die sich genötigt fühlten. Cimen dürfte das ebenso im Hinterkopf haben wie den Vorfall vom vergangenen Freitag in der Regionalliga Nordost. Dort waren zwei zuvor von Corona betroffene Spieler des Berliner AK nach ihrem Comeback kollabiert. Die Notärzte machten das Virus und den zu schnellen Einstieg in den Leistungssport für den Zusammenbruch verantwortlich.

Personell sah es beim FC Gießen, der die nächsten Tage die letzten beiden Quarantänisten zurück erwartet, zuletzt nicht besser aus. Zwölf Feldspieler und zwei Torhüter! Derart ausgedünnt Vereine in der semiprofessionellen vierten Liga zum Antreten zu nötigen, darf zumindest fahrlässig genannt werden. Der Internist und Allgemeinmediziner Carsten Siebert, mit Sitz in Krofdorf-Gleiberg, bestätigt, dass eine »umfassende cardiologisch/pneumologische Diagnostik« vor dem Wiedereinstieg nötig sei, dabei gelte es besonders, »Lungenveränderungen und Herzmuskelbeteiligung« auszuschließen. Zudem müsse das Motto lauten: »Start low, go slow.« Soll heißen: Klein anfangen, langsam weitermachen. Kein Stress, keine schnelle Überlastung.

Ob das ankommt in der Regionalliga-Welt? Die GbR jedenfalls hat nicht nur Großaspach nach Corona-Fällen zu einem Nachholspiel-Marathon verdonnert, auch die gebeutelten Aalener haben schon wieder ihren Nachholtermin gegen Schott Mainz. Ach ja, der Rahmenterminplan 2022 steht übrigens auch schon fest. Eröffnungsspiel am 5. August. Die GbR agiert, als gäbe es kein Morgen. Und kein Corona. Dabei hätte man diesmal genug Zeit, um nachzuholen. Rüdiger Dittrich

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