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»Da kannst du ein Spiel mal killen«

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Balingen/Gießen . Mit zwei Zähler aus zwei Spielen nach der Winterpause zwei Tabellenplätze gut gemacht und die voraussichtliche Abstiegszone verlassen: Die Ergebnisausbeute des FC Gießen spricht, aus der Ferne betrachtet, zunächst einmal für Effizienz. Diese Zuschreibung passt allerdings überhaupt nicht dazu, was der heimische Fußball-Regionalligist in diesen 180 Minuten auf dem Rasen gezeigt hat.

TSG Balingen - FC Gießen 1:1

Denn da fehlte wie schon zum Auftakt beim torlosen Remis gegen den Bahlinger SC auch im Auftritt bei der TSG Balingen die Effektivität im Abschluss. Im Schwarzwald waren es noch mehr Großchancen, die der FCG ungenutzt verstreichen ließ. Am Ende stand ein 1:1 (1:0)-Unentschieden, das Trainer Daniyel Cimen wie folgt bewertete: »Das waren definitiv zwei verschenkte Punkte. Wir müssen das Spiel in der ersten Hälfte ganz klar höher gestalten. Heute war das ein Mix aus mangelhafter Verwertung und ein, zwei super gehaltenen Bällen vom Balinger Torhüter. Jetzt stehen wir wieder da und haben uns für den betriebenen Aufwand nicht in vollem Ausmaß belohnt.«

Im Grunde genommen hatte das Match aus Gießener Sicht drei Hauptdarsteller: Takero Itoi, denn der pfeilschnelle Flügelmann vergab gleich vier Hochkaräter, darunter drei Eins-gegen-Eins-Situationen mit Schlussmann Julian Hauser. Torhüter Frederic Löhe, der unmittelbar vor dem Pausenpfiff einen Strafstoß parierte und den Ausgleich aus dem Nichts verhinderte. Und Innenverteidiger Tobias Reithmeir, der in der Nachspielzeit das Leder in höchster Not von der eigenen Torlinie kratzte und den FCG davor bewahrte, am Ende sogar mit leeren Händen nach Hause fahren zu müssen.

Der Gastgeber hätte sich über einen Pausenrückstand von zwei bis drei Treffern wahrlich nicht beschweren dürfen. Der erste Durchgang gehörte dem FCG von Beginn an. Immer wieder war in hervorragenden herausgespielten Angriffen Keeper Julian Hauser aus kurzer Distanz Endstation. Bogicevic (14. und 20., den Nachschuss verzog Aykut Öztürk) und insbesondere Itoi (20., 34. und 35.) fehlten die Wucht, Präzision und das nötige Glück im Abschluss.

Einzig Ko Sawada traf in der achten Minute von der Strafraumgrenze auf Vorarbeit von Nikola Trkulja und Dennis Owusu. Wenngleich die Eyachstädter teils mit haarsträubenden Fehlpässen Einladungen aussprachen, machten die wachen und zweikampfstarken Gießener das sehr gut. Das erfahrene Sechser-Duo Nikola Trkulja und Ko Sawada organisierte die Bemühungen aus der Tiefe, Zehner Donny Bogicevic absolvierte viel Laufarbeit und zog den Ball im Vorwärtsgang als Initiator wie ein Magnet an, die Außen Dennis Owusu und Itoi sorgten mit ihrem Antritt in Hochgeschwindigkeit für Gefahr und vorne drin machte Özürk die Bälle fest und schaffte Räume für die Mitspieler. Dennoch war der Ausgleich vor dem Seitenwechsel nur elf Meter entfernt. Da konnten sich die Gießener bei ihrem Keeper Frederic Löhe bedanken, dass sie zu allem Überfluss nicht auch noch mit einem Remis in die Kabine gehen mussten. Löhe entschärfte den von Tobias Reithmeir verursachten und von Kaan Akkaya getretenen Foulelfmeter klasse.

Im zweiten Abschnitt gelang es der Cimen-Truppe nicht, an die bis dahin starke und dominante Offensivvorstellung anzuknüpfen. Im Zentrum haperte es am Zugriff, die Balinger verlagerten das Geschehen häufiger in die Hälfte der Gäste und hatten schließlich auf der linken Gießener Seite mit Gianluca Lo Scrudato und Owusu ein Übergewicht. Und trotzdem hatte der FCG gleichwohl früh eine riesige Gelegenheit, um in der 53. Minute auf 2:0 zu stellen. Erneut Itoi tauchte frei von Hauser auf, der die Oberhand in diesem Eins-gegen-Eins-Duell behielt. »Da kannst du so ein Spiel mal killen«, monierte Trainer Cimen. Eine knappe Viertelstunde vor dem Ende rächte sich die Fahrlässigkeit der Gießener bei einem Eckstoß. Der Kopfball von Mirco Gaiser senkte sich zum Ausgleich in die Maschen. Und beinahe wäre es noch ganz dumm gelaufen. In der Nachspielzeit stürzte Schlussmann Löhe aus seinem Gehäuse, um vor Tobias Dierberger an die Kugel zu kommen. Resultat war ein Pressschlag, das Leder rollte Richtung Tor, doch der durchgelaufene Reithmeir bewahrte seine Farben mit einer Grätsche auf der Linie vor dem Super-Gau. Das beschäftigte die Gießener zwar nach dem Abpfiff, mehr allerdings noch die vielen versäumten Gelegenheiten aus Durchgang eins. »Nach so einer Halbzeit nur einen Punkt zu haben, ist in unserer Situation im Abstiegskampf eine Katastrophe«, ärgerte sich Frederic Löhe im Gespräch auf dem Youtube-Kanal des FCG: »Es ist auch eine Willenssache, den Ball unbedingt reinmachen zu wollen. Fußball ist eben ein Ergebnissport. Das wir es können, sieht man ja.« Stichwort Resultate: Weil die SGS Großaspach (4:0 beim FK Pirmasens) und der TSV Schott Mainz (2:1 über den VfB Stuttgart II) die Kellerduelle gewannen, wird es von Rang 14 bis 19 noch einmal kuscheliger. Lediglich zwei Zähler trennen Stuttgart als 14. vom Schlusslicht Mainz. Für den FC Gießen geht es am nächsten Samstag gegen Elften VfR Aalen, der gerade mit der äußerst geräuschvollen Trennung von Coach Uwe Wolf für Aufsehen gesorgt, weiter.

TSG Balingen: Hauser - Eisele, Vogler, Fritschi - Foelsch (52. Gaiser), Curda, Ramser, Vochatzer, Akkaya - Ferdinand, Meiser (85. Dierberger).

FC Gießen: Löhe - Fisher, Fink, Reithmeir, Lo Scrudato (83. Burgio) - Trkulja, Sawada (82. Daghfous) - Owusu (66. Takehara), Bogicevic (75. Tiliudis), Itoi - Öztürk (66. Makanda).

Tore: 0:1 (8.) Sawada (8.), 1:1 Gaiser (76.). - Schiedsrichter: Satriano (Zell im Wiesental). - Gelbe Karten: Foelsch, Maiser, Gaiser / Lo Scrudato. - Zuschauer: 500.

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