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»Darum ist man Fußballer«

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Als Dirigent am Bieberer Berg gefragt: Trainer Daniyel Cimen muss mit dem FC Gießen beim OFC bestehen. © PeB

Gießen. Spiele auf dem Bieberer Berg, das ist logisch, sind immer Highlights der Saison für die Gästemannschaften. In diesem Stadion, in dem ohne Weiteres Zweitligafußball möglich wäre, mit dieser Fankultur und Atmosphäre. 6000 Zuschauer sahen sich im März die letzte Heimpartie der Offenbacher Kickers gegen die FK Pirmasens an, und auf eine ähnliche Zahl darf sich am Ostersamstag der FC Gießen einstellen (Anstoß 14 Uhr).

Kickers Offenbach - FC Gießen (Samstag, 14 Uhr)

»Darum ist man ja Fußballer«, freut sich Trainer Daniyel Cimen trotz der nach der 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart nochmals verschärften Lage im Abstiegskampf auf die Kulisse und das Ambiente beim ehemaligen Bundesligisten, schränkt aber wohlgemerkt auch ein: »Wir wissen natürlich um unsere Situation und fahren nicht dahin der Stimmung wegen.«

Es ist übrigens das erste Gastspiel mit dem echten »Bersch«-Feeling für den FCG - im Oktober 2020 waren aufgrund der Corona-Pandemie lediglich 100 Besucher zugelassen - und wird in die noch junge, aber an Turbulenzen keineswegs armen Vereinshistorie als Partie mit den meisten Zuschauern (das Benefizspiel gegen Eintracht Frankfurt 2019 ausgeklammert)bei eigener Beteiligung eingehen. Womöglich hilft auch das, um von Anfang hellwach präsent zu sein.

In Stuttgart verschliefen die Rot-Weißen in diesem Kellerduell Durchgang eins weitgehend und hatten Glück, nicht mit mehr als einem Gegentor zur Pause im Hintertreffen zu liegen. Die Steigerung nach dem Seitenwechsel reichte nicht, um zumindest einen Zähler mitzunehmen. Zwar sind die Chancen auf den Klassenerhalt weiterhin vorhanden, aber folgende Rechnung verdeutlicht auch, dass dieses Unterfangen mehr denn je eine echte Herkulesaufgabe für die Truppe von Trainer Daniyel Cimen wird.

Der Blick richtet sich dabei auf die SGS Großaspach, die aktuell den ersten Nichtabstiegsplatz einnimmt. Sollten die Aspacher ihren Punkteschnitt in etwa beibehalten, dann müssten die Gießener acht Punkte, eventuell auch deren neun und damit drei Siege einfahren. Zum Vergleich: 2022 gelang in acht Matches erst ein einziger - ausgerechnet gegen die SGS, die zwar gegen das komplette Spitzentrio ran muss (SV Elversberg, Offenbach, SSV Ulm), doch auch Gießen hat neben den Kickers die Ulmer Spatzen noch vor der Brust. RW Koblenz, TSG Hoffenheim II, Hessen Kassel: Das sind die Spiele, in denen der FCG quasi zum Erfolg verdammt ist.

Schlüsselspiel

Vieles steht und fällt jedoch mit dem Auftritt am kommenden Dienstag im Waldstadion gegen den Tabellennachbarn FSV Frankfurt.»Ich bin kein Freund von diesen Rechnungen«, meint Coach Cimen dazu. Das ist alles zu spekulativ. Ich denke, Mannschaften, die sich über diese Sachen zu viele Gedanken machen, verlieren an Prozentpunkten dafür, was sie selbst beeinflussen können. Und das ist bei uns jetzt erstmal das Spiel in Offenbach.«

Schwer vorstellbar ist, dass der Drittliga-Kandidat in dieser Saison mit dem großen Ziel direkt vor Augen in eine dritte Krise wie im Herbst und direkt nach der Winterpause schlittert. Die Elf von Trainer Sreto Ristic sammelte jüngst 18 von 18 möglichen Zählern, trotzte Widrigkeiten auf dem Rasen wie dem zwischenzeitlichen 1:1 des Bahlinger SC am Mittwoch (Endstand 3:1) und ließ sich auch von einer Corona-Welle nicht aus dem Rhythmus bringen. Auf der anderen Seite die Gießener, die es sowohl gegen Elversberg als auch in Stuttgart nicht schafften, über die gesamte Spieldauer konstant gut zu agieren und schon wieder dreimal am Stück ohne eigenen Treffer sind. Immerhin kehrt mit Michael Fink der Abwehrchef nach abgebrummter Gelbsperre zurück, ebenso Tobias Reithmeir, was die Optionen in der Defensive erweitert. Derweil fällt Kapitän Nikola Trkulja nach seiner zehnten Gelben Karte aus.

»Wir glauben an unsere Chance. Es ist vielleicht nicht schlecht, dass niemand von uns etwas erwartet. Wir brauchen Mut, Bereitschaft und Entschlossenheit«, gibt sich Daniyel Cimen zuversichtlich, wenngleich er auch weiß, »dass es es bei uns ein generelles Problem ist, so wenig oder zuletzt gar keine Tore erzielt haben. Wir können nicht alles wegverteidigen.«

Aufgebot FC Gießen: Löhe, Grbovic, Birol - Fisher, Sarr, Fink, Reithmeir, Gaudermann, Kling, Mohr, Tiliudis, dos Santos, Münn, Sevim, Owusu, Sawada, Daghfous, Beal, Makanda, Öztürk, Burgio, Gärtner. - Es fehlen: Trkulja (gesperrt), Lo Scrudato (Meniskus), Itoi (Muskelbündelriss), Takehara (Bänderriss), Bogicevic (Hüft-OP).

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