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»Das größte Spiel seit dem Finale 1960«

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Die Eintracht-Fans sind bereit für den FC Barcelona. © dpa

Frankfurt. Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren viele große Spiele bestritten, die Strahlkraft über die Region hinaus hatten. Die Pokal-Endspiele gegen Borussia Dortmund (2017) und Bayern München (2018), vor allem die Europapokal-Spiele 2019 gegen Benfica Lissabon, Inter Mailand und den FC Chelsea. Auch in dieser Saison haben die Frankfurter internationale Akzente gesetzt:

Gegen Fenerbahce Istanbul, gegen Olympiakos Piräus oder gerade erst gegen Betis Sevilla. Aber nun stehen zwei Spiele der ganz besonderen Art bevor. Die Auslosung zum Europa League-Viertelfinale haben der Eintracht den FC Barcelona beschert. Seitdem wird in Frankfurt über nichts anderes mehr als diese beiden Begegnungen (am 7. April zuhause und am 14. April auswärts) diskutiert. Seit dem Europapokal-Finale 1960 gegen Real Madrid seien dies die »größten Spiele der Vereinsgeschichte«, hat Präsident Peter Fischer gesagt. Und niemand wird ihm widersprechen.

Tickets sind heiß begehrt

Doch zuvor geht es nach der Länderspielpause in der Bundesliga noch gegen die Spvgg. Greuther Fürth. Die Diskrepanz könnte nicht größer sein, aber gesprochen wird in der Stadt und der Region nur über die Katalanen. Unmittelbar nach der Auslosung - tatsächlich in den ersten fünf Minuten - sind die Server bei der Lufthansa zusammengebrochen. Viele tausend Frankfurter wollen beim Rückspiel im legendären »Camp Nou« von Barcelona dabei sein. Die Schätzungen belaufen sich auf weit über 10 000. Die Flugpreise sind schnell in astronomische Höhen gestiegen, von ursprünglich 250 Euro für Hin- und Rückflug auf beinahe tausend. Aber viele Wege führen nach Barcelona - viele Flüge über andere spanische Städte, viele Züge und selbst über viele Autobahnen. Und so werden die, die Karten ergattern, sicher auch auf die iberische Halbinsel kommen. Die Chance auf viele Frankfurter im Rückspiel sind also so groß wie das Stadion. Offiziell wird die Eintracht ein Kontingent von 5000 Tickets erhalten. Das »Camp Nou« fasst aktuell knapp 100 000 Zuschauer, beim Europacup dürfen ein paar weniger rein. Gegen Galatasaray Istanbul waren 68 000 Fans gekommen.

Passend für die großen Spiele, dass die Frankfurter Arena beim Hinspiel zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder ausverkauft sein wird. 48 000 Tickets stehen zur Verfügung, mehr als das Doppelte könnte die Eintracht verkaufen. Bevorzugt behandelt werden die Dauerkartenbesitzer und jene, die dem Club in den schweren Pandemie-Zeiten auch bei weit geringeren Auslastungszahlen die Treue gehalten haben. Der große FC Barcelona, der nach der Auslosung in Nyon mit der Eintracht gar nicht viel anzufangen wusste und sich erst einmal über Frankfurt und das Stadion informieren musste, wird das besondere internationale Flair in der hessischen Metropole kennenlernen.

Sportlich hat Trainer Oliver Glasner schon mal einen Akzent gesetzt. »Wer sich gegen den Fünften der spanischen Liga (Betis Sevilla, Anm. d. Redaktion) durchsetzen kann, kann das auch gegen den Dritten«, hat er gesagt. Das klingt logisch. Die Einschätzung hat freilich am späten Sonntagabend einige Schrammen bekommen. Da nämlich hat »Barca« - zu Beginn der Saison nach dem Abgang von Lionel Messi und eines in Deutschland nicht möglichen Schuldenbergs von 1,35 Milliarden Euro - eine sportliche Wiederauferstehung hingelegt. Mit 4:0 haben die Blau-Roten beim Erzrivalen Real Madrid im »Classico« gewonnen und dabei eine absolute Gala abgeliefert. In dieser Verfassung ist das sicher aktuell eine der besten Mannschaften Europas. Wie das gelungen ist? Trotz der finanziellen Schieflage hat Barca kräftig investiert.

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Unter dem neuen Trainer Xavi, dem früheren Spielmacher und einer der Helden aus den vergangenen Zeiten, spielen nun mit Pierre-Emerick Aubameyang (Arsenal), Ferran Torres (Manchester City) und Adama Traoré (Wolverhampton) drei neue Stars im Angriff. Für Torres haben die Spanier schlanke 55 Millionen Euro bezahlen müssen, die beiden anderen wurden ausgeliehen, kosten aber auch viele Millionen Euro an Gehalt und festgelegten Ablösen am Ende der Saison. Möglich gemacht hat das unter anderem ein 600-Millionen-Euro-Kredit der Investment-Bank »Goldman und Sachs«. Wer den FC Barcelona in Madrid gesehen hat, muss zu dem Schluss kommen, dass die Eintracht chancenlos in die Duelle geht. Allerdings sollte niemand die Frankfurter in Europa unterschätzen. Zumal für Barca die Europa League nur eine untergeordnete Rolle spielt. »Mehr als ein Club« lautet das Motto der Katalanen. Da muss es schon Champions League sein. Danach sind alle sportlichen Pläne ausgerichtet.

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