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Das Jahr der Eintracht

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Trainer Adi Hütter. © dpa

Frankfurt (pep). Was für ein Jahr für die Frankfurter Eintracht! 70 Punkte in einem Kalenderjahr hat der Klub noch nie zuvor geholt. Was auch ein wenig daran lag, dass wegen der Pandemie noch drei Spieltage der Vorrunde 20/21 im neuen Jahr ausgetragen wurden. Aber auch die reellen Zahlen sind eindrucksvoll: 60 Punkte haben die Frankfurter in der letzten Saison aufs Konto geschaufelt, alleine 33 in der Rückrunde.

Und in dieser Vorrunde schon wieder 27. Hinter den Bayern war die Eintracht die zweitbeste Heimmannschaft der Liga.

Was für ein Jahr! In einer dreiteiligen Serie beleuchten wir den Höhenflug der Adler, der trotz allem auch einige Male ins Trudeln geraten war.

Euphorie und Enttäuschung: In die Rückrunde der vergangenen Spielzeit war die Eintracht mit 27 Punkten gestartet. Eine erstaunliche Parallele zur aktuellen Situation. Damals lagen die Frankfurter zwei Punkte hinter den Champions-League (CL)-Plätzen, heute wieder, damals auf Platz acht, heute auf Platz sechs. Unter Trainer Adi Hütter startete die Mannschaft durch. Schon am 19. Spieltag war die Eintracht auf Platz vier vorgerückt. Der CL-Rang wurde bis zum 31. Spieltag verteidigt. Zwischenzeitlich betrug der Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund sieben Punkte. Nach dem 27. Spieltag hatten die Frankfurter das Ziel dicht vor Augen, der 2:1-Sieg im Duell mit dem BVB schien am 3. April die Vorentscheidung gebracht zu haben. Es war André Silvas Siegtor drei Minuten vor dem Ende, das ganz Frankfurt träumen ließ.

Als eine Woche später auch der VfL Wolfsburg mit dem heutigen Trainer Oliver Glasner 4:3 besiegt wurde, hatte die Euphorie den Höhepunkt erreicht. Trainer Adi Hütter hatte die Eintracht zwei Jahre nach dem Halbfinale in der Europa-League nun auch national in ungeahnte Höhen geführt. Und das ohne Zuschauer in leeren Stadien.

Doch Hütter legte selbst die Axt an die Erfolgsstory und stürzte innerhalb weniger Tage sich selbst, die Mannschaft, den Verein und das ganze Umfeld vom Sockel. Dem österreichischen Fußball-Lehrer fiel nichts Schlechteres ein, als ausgerechnet mitten in der Erfolgsserie seinen Abschied anzukündigen. Am 13. April platzte die Bombe. Das war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, denn vier Tage später musste die Eintracht bei Hütters neuem Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach antreten. Es kam, wie es kommen musste, die Eintracht unterlag 0:4 und fortan ging es bergab.

Hütter, der noch ein paar Wochen vorher öffentlichkeitswirksam im TV verkündet hatte, in Frankfurt zu bleiben, wurde der Lüge bezichtigt. Es gab gegenseitige Vorwürfe, unterschiedliche Darstellungen. Bei den Fans war er unten durch, innerhalb der Mannschaft hatte er an Autorität verloren. Der sportliche Zerfall war in dieser Konstellation nicht mehr aufzuhalten, auch weil schon ein paar Wochen zuvor Sportvorstand Fredi Bobic seinen Abschied einseitig verkündet hatte. Dass Hütter dann Bobics Abschied als Grund für den eigenen nannte, erzürnte viele. Denn es war längst bekannt, dass Boss und Trainer nicht immer auf einer Wellenlänge gesendet hatten.

Von möglichen achtzehn Punkten holte die Eintracht an den letzten sechs Spieltagen nur noch sieben. Besonders peinlich das 1:1 im Nachbarschaftsduell mit Mainz 05 am drittletzten und das 3:4 auf Schalke am vorletzten Spieltag. Ein Sieg gegen den Absteiger Schalke 04 hätte, wie sich am Ende herausstellte, in der Abschlusstabelle für Platz vier und die CL-Teilnahme gereicht. Nur André Silva, der famose Torjäger, funktionierte noch (zwei Tore, am Ende 28). Aber das war zu wenig. Die CL war endgültig verspielt, Frankfurt war im Schockzustand.

Peinliche Aussagen

Die Kommentare von Trainer und Vorstand nach dem Spiel waren nahe an der Peinlichkeit. Da wurde in der Stunde der größten Enttäuschung von Vorfreude auf die Europa-League gefaselt. Nur Sebastian Rode sprach Klartext. »Natürlich hat uns der angekündigte Abgang des Trainers beschäftigt und beeinflusst«, sagte einer der erfahrensten Spieler.

Die Eintracht wurde also nicht Vierter, was eine historische Leistung gewesen wäre. Sie wurde Fünfter und qualifizierte sich damit direkt für die EL, zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Jahre. Auch ein Erfolg. Aber einer mit Beigeschmack. Die ganz große Euphorie war in eine große Enttäuschung gemündet, die dem Klub den gesamten Sommer und darüber hinaus beschäftigte.

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