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Das Leuchten der »Roten Laterne«

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Einen mangelhaften Einsatz kann man Aykut Öztürk und dem FC Gießen nicht vorwerfen. Dennoch reicht es gegen Robin Heußer und dem SSV Ulm nicht zum erhofften Punktgewinn. © Ben

Gießen. Drei Partien hat der FC Gießen in dieser Saison noch vor der Brust. Und falls kein Fußball-Wunder geschieht, dürten es nach drei Jahren Zugehörigkeit die vorerst letzten Spiele in der Regionalliga Südwest sein. Denn angesichts der 0:2-Niederlage gegen Titelanwärter SSV Ulm ist klar: Der Abstieg des FC Gießen, der jüngst fünfmal am Stück den Rasen als Verlierer verlassen hat, könnte bereits am kommenden Wochenende auch rein rechnerisch feststehen.

FC Gießen - SSV Ulm 0:2

In das Duell mit Ulm waren die Gießener als krasser Außenseiter gegangen. In Sachen Personal tauchten die namhaften Offensivroutiniers Giuseppe Burgio und Nejmeddin Daghfous übrigens auf dem Spielberichtsbogen nicht auf. Die Frage, ob ihre Abwesenheit verletztungsbedingt gewesen sei, verneinte Daniyel Cimen nach dem Spiel. »Ich habe für dieses Spiel auf sie verzichtet«, meinte der Trainer und wollte sich näher nicht äußern. Beide waren gegen Frankfurt früh nach enttäuschenden Leistungen ausgewechselt worden. Während der 35-jährige Daghfous Anfang 2021 zum FCG gewechselt war und seitdem nie, auch verletzungs- und krankheitsbedingt, in Tritt gekommen ist, galt der vor Rundenbeginn verpflichtete Mittelstürmer Burgio lange Zeit als Hoffnungsträger für mehr Effizienz im Abschluss. Sofern fit, traf der oft ausfallende 33-Jährige auch regelmäßig, seit seinem Doppelpack gegen Großaspach im März wirkte Burgio nach überstandenener Muskelverhärtung bei seinen Spielen im April unglücklich und unauffällig. Cimen hatte nach der katastrophalen ersten Halbzeit bei der 1:3-Niederlage gegen Frankur unabhängig vom Ergebnis eine Reaktion seiner Elf und einen Auftritt mit Leidenschaft, Bereitschaft und Emotion gefordert.

Die angestrebte Wiedergutmachung gelang insbesondere im ersten Durchgang. Mehr noch: Der FCG gestaltete das Geschehen offen, hatte selbst große Gelegenheiten durch einen Lattenkopfball von Michael Fink (8.) und durch Kristian Gaudermann (14.), der aus kurzer Entfernung an Keeper Christian Ortag scheiterte (14.). Für die Gäste verbuchte Adrian Beck einen gefährlichen Kopfstoß (3.), fand Nicolas Jann seinen Meister in FCG-Torhüter Frederic Löhe (40.) und traf Jannik Rochelt (41.) den Querbalken. »Die Jungs haben das phasenweise gut gemacht. Wir wollten versuchen, kompakt zu stehen und vorne mit Itoi und Öztürk die Bälle zu halten und schnell umzuschalten«, war Cimen einverstanden mit der Darbietung seiner Schützlinge, die sich nicht versteckten und den SSV mit geschicktem Anlaufverhalten vor Probleme stellten.

Vorne harmlos, hinten nachlässig

Im zweiten Durchgang wehrten sich die Hausherren nach Kräften, die jedoch am Ende der dritten »Englischen Woche« in Serie jedoch stetig nachließen, wobei die Ulmer das Tempo auch deutlich anzogen und zielstrebiger agierten. »Da hast du gemerkt, dass wir das sechste Spiel in zweieinhalb Wochen hatten«, sahen mit Cimen 426 Zuschauer dem Gießener Team den Verschleiß an. Der Drittliga-Anwärter indes drehte auf und zeigte, welche hohe fußballerische Qualität er in seinen Reihen hat. Dem FCG fehlten fortan bei allen Bemühungen die Mittel, um für eine Überraschung zu sorgen. Hinzu kamen im Defensivbereich grobe Schnitzer, die der SSV binnen vier Zeigerumdrehungen zum Doppelschlag nutzte: Dennis Owusu ließ die Kugel für Einwerfer Marian Sarr zu kurz prallen, der Gießener Innenverteidiger ging anschließend zu zaghaft in den sich daraus ergebenden Pressschlag. Gießen verlor das Leder und Jann schob zum 1:0 für den Ex-Bundesligisten ein. Das 0:2 resultierte aus einem Angriff der Ulmer über die linke Abwehrseite des FCG. Im Anschluss an die Hereingabe hatte Gaudermann die Chance, die Situation zu bereinigen, doch der Ball landete erneut bei Jann. Der erhöhte problemlos. »Das sind zu einfache Gegentore. Das ist schade bei dem betriebenen Aufwand. Das fängt beim 0:1 schon damit an, dass ein Innenverteidiger eigentlich nicht einwirft. Beide waren da verantwortlich. Und beim 0:2 klären wir vor die Füße des Gegenspielers«, monierte Cimen, der in diesen 64 Minuten den bisherigen Saisonverlauf erkannte: »Es mangelt vorne an der Effektivität, die Treffer hinten kassieren wir zu leicht.«

Mit dem 0:2 war die Angelegenheit am Samstagnachmittag erledigt. Ulm verzeichnete noch die eine oder andere Einschussmöglichkeit, die Löhe vereitelte. Den »Spatzen« war das egal. Mit dem achten Dreier in Folge bleiben die Ulmer im Kopf-an-Kopf-Rennen der SV Elversberg auf den Fersen. Derweil hat Gießen nach der 18. Saisonniederlage die »Rote Laterne« von Schott Mainz übernommen.

FC Gießen: Löhe (2) - Gaudermann (4) (69. Takehara), Reithmeir (3), Fink (3), Sarr (3,5), Owusu (3,5) (79. Mohr) - Tiliudis (3,5) (69. Münn), Trkulja (3), Sawada (3) - Itoi (3,5) (61. Fisher), Öztürk (3,5) (79. Kling).

SSV Ulm: Ortag - Allgeier (78. Kiefer), Reichert, Geyer, Guarino - Maier, Heußer (90.+1 Petrovic) - Rochelt, Beck (78. Wähling), Jann (90.+1 Kundruweit) - Harres (83. Klostermann).

Tore: 0:1 Jann (60.), 0:2 Jann (64.). - Schiedsrichter: Michel (Lissensdorf). - Gelbe Karten: Sarr, Trkulja / Rochelt. - Zuschauer: 426.

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