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Das magische Viereck

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Begeistert nach dem Treffer zum 2:0: Die Frankfurter Eintracht eilt dieser Tage von Erfolg zu Erfolg. Foto: dpa © dpa

Frankfurt (pep). Es war schon fast Mitternacht, da rollte Oliver Glasner dann doch ein wenig die Augen. »Wir haben gesehen, dass wir gegen eine Top-16-Mannschaft aus Europa noch nicht mithalten können«, hatte André Breitenreiter, Trainer der TSG Hoffenheim, die Frankfurter Eintracht geadelt, »sie haben uns in Bezug Energie, Geschwindigkeit und Motivation die Grenzen aufgezeigt.

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Dem Frankfurter Trainer war dies nach dem 4:2 (3:1)-Erfolg und dem Sprung auf Platz vier der Liga fast schon ein bisschen zu viel. »Wir müssen kritisch bleiben«, sagte Glasner und war für einen Moment über sich selbst erschrocken. Irgendwie bliebe gar keine Zeit, um das Geleistete zu genießen, steht doch am Sonntag noch ein weiteres wichtiges Spiel in Mainz an.

»Aber natürlich bin ich zufrieden über die Leistung insgesamt, sogar begeistert über unser Offensivspiel«, sagte der Baumeister der neuen Eintracht. Wenn einst Stars wie Anthony Yeboah, Uwe Bein und Andreas Möller »Fußball 2000« zelebriert hatten, dann spielen die Frankfurter der jüngsten Generation »Fußball 3000«. Sie rennen und kämpfen, sie schießen und flanken, sie kombinieren und tricksen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die 49 000 Zuschauer in der Arena waren entzückt.

Das »magische Viereck« mit Daichi Kamada, Mario Götze, Jesper Lindström und Randal Kolo Muani hat einmal mehr die unglaubliche Qualität der Frankfurter Mannschaft ausgedrückt. Dass der beste Mann des letzten Spiels in Augsburg, Sebastian Rode, zur Schonung fürs Spiel in Mainz auf der Tribüne saß, macht so richtig deutlich, wie gut diese Eintracht im Herbst 2022 besetzt ist.

Das dritte Tor war in seiner Entstehung, Ausführung und Vollendung so schön, dass es wert ist, im Detail beschrieben zu werden. Tuta hatte rechts hinten den Ball erobert und nach vorne geschlagen, Lindström hatte ihn in der Luft artistisch mit der Hacke weiter nach innen gelegt. Dort hatte Götze den Ball mit der Hacke auf Kamada weitergeleitet. Der Japaner schlug den flachen, langen Pass auf Kolo Muani. Der Franzose zog nach innen, passte quer durch den Strafraum auf die andere Seite. Dort kam Junior Ebimbe im Vollsprint herangerauscht und schoss ins Eck. Ein Tor wie ein Kunstwerk, im Sinne der Worte Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Beteiligt war die halbe Mannschaft.

Die Werte der Frankfurter Mannschaft sind ebenso eindrucksvoll wie jene der einzelnen Spieler. »Für die Nationalspieler war es die zehnte englische Woche in Folge«, verneigte sich Trainer Glasner vor seinen Spielern, »es ist unglaublich, was sie abreißen.« Auch gegen Hoffenheim sind die Frankfurter wieder mehr gelaufen als ihre Gegner (122 zu 120 Kilometer). Die Einzelstatistiken machen zudem deutlich, dass da eine Mannschaft mit unglaublicher hoher Qualität auf dem Platz steht.

Kolo Muani hat seinen vierten Treffer erzielt und dazu elf Torvorlagen gegeben. Daichi Kamada kommt auf sieben Tore und fünf Vorlagen und Jesper Lindström auf sechs Tore und zwei Vorlagen. Alles nur in der Liga. »Wahnsinn, was die veranstaltet haben«, sagte der Hoffenheimer Mittelfelspieler Christoph Baumgartner tief beeindruckt. »Wie haben die Hoffenheimer phasenweise schwindlig gespielt«, empfand Mittelfeldspieler Djibril Sow, eigentlich kein Mann der großen Worte. Die erste Halbzeit sei schlicht »fantastisch« gewesen, freute sich Torwart Kevin Trapp. Und da war ja noch einer: Mario Götze. Er zog die Fäden wie er sie seit Wochen zieht. Er machte das Spiel schnell, wenn es nötig war, er nahm Druck raus, wenn es gebraucht wurde. Götze streichelt den Ball, ist aber beileibe nicht nur ein Künstler. Er ist auch ein Kämpfer, ein Dauerläufer, mit 12,5 Kilometern hat er einmal mehr die höchste Laufleistung seines Teams erbracht.

»Momentan der beste deutsche Mittelfeldspieler«, sagte Sportvorstand Markus Krösche. Die Belohnung von höchster Stelle gab es am Tag darauf. Bundestrainer Hansi Flick hat den Weltmeister von 2014 für die WM 2022 nominiert. Götze sei ein »genialer Fußballer und toller Mensch«, sagte der Bundestrainer.

In Frankfurt freuen sie sich für und über ihren Spielmacher. »Seine Nominierung ist nach den jüngsten Leistungen folgerichtig«, sagte Krösche, »die Entwicklung zeigt auch, dass beide Seiten im Sommer die richtige Entscheidung getroffen haben.« In Quatar wird Götze die Kollegen treffen. Jesper Lindström steht im dänischen Aufgebot, Daichi Kamada im japanischen, Djibril Sow im Schweizer und Kristijan Jakic im kroatischen. Nur Kolo Muani muss daheimbleiben. Für den Franzosen kein Grund zum Trübsal blasen. »Da muss ich halt noch härter arbeiten«, sagte er nach seiner Gala gegen Hoffenheim.

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