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Das Missverständnis im Eintracht-Sturm

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Frankfurt (pep). Fast schon verzweifelt hatte Markus Krösche im Sommer einen neuen Mittelstürmer für die Frankfurter Eintracht gesucht. Torjäger André Silva war nicht zu halten gewesen und für die festgelegte Ablösesumme von 23 Millionen Euro nach Leipzig gewechselt.

Über Wochen brodelte die Gerüchteküche am Main, der Brasilianer Vinicius von Benfica Lissabon und der Franzose Kolo Muani aus Nantes schienen die Favoriten. Am letzten Tag der sommerlichen Transferperiode präsentierte der Sportvorstand der Eintracht mit Sam Lammers dann einen Überraschungsgast. Der Holländer kam auf Leihbasis von Atalanta Bergamo. »Sam wird uns eine größere Flexibilität in der Offensive verschaffen«, sagte Krösche damals, »mit seiner körperlichen Präsenz im und um den Strafraum, seinen technischen Fähigkeiten und seinem Spielverständnis wird er uns schnell weiterhelfen können.« Was für Irrtum! Lammers ist bislang das größte und eigentlich auch das einzige Missverständnis im Personaltableau des neuen Frankfurter Sportchefs.

Die Reaktionen auf den langen Schlaks pendelten nach seinem knapp halbstündigen Einsatz gegen Borussia Dortmund zwischen Ärger und Mitleid. In den Internetforen, auch im vereinseigenen, wurde Lammers für seine schwache Leistung übel und nicht druckreif beschimpft. »Das geht gar nicht«, sagte Krösche zu Recht. Vielleicht muss die Eintracht ein bisschen mehr darauf achten, wer was unter der Adresse des Klubs ins Netz stellt.

Doch die eigentliche Frage ist eine andere: Warum kommt Lammers beim spielerischen Aufschwung der Eintracht so gar nicht mit? Er habe ihn aufgestellt, »weil er im Training sehr agil war und viele Tore geschossen hat«, begründete Trainer Oliver Glasner die Einwechslung für den erschöpften Jesper Lindström. Lammers wollte sich empfehlen nach seiner eher schwachen Vorrunde (neun Spiele, ein Tor). Im Training ist ihm das offenbar gelungen, im Spiel nicht. Gerade sieben Ballkontakte werden dem 24 Jahre alten Holländer zugeschrieben. Das ist zu wenig für einen Spieler, der eingewechselt wird, um seiner Mannschaft zu helfen, eine 2:0-Führung über die Zeit zu bringen. Schlimmer: Lammers hat dem Gegner geholfen. Er hat seine Aufgaben nicht erfüllt. Er hat keine Bälle »festgemacht«, also nicht für Entlastung gesorgt. Er hat die Dortmunder Abwehrspieler nicht gefordert, er hat kaum Zweikämpfe geführt und gefühlt schon gar keine gewonnen.

Vor dem zwischenzeitlichen 2:2 hat er geradezu gelangweilt dem Angriff des Gegners zugeschaut. Dass dies nicht mangelnder Berufseinstellung zuzuschreiben ist, darf angenommen werden. An was liegt es also?

Womöglich fehlt ihm einfach die Qualität. Dieser Verdacht drängt sich auf, wenn ein Spieler so gar nichts umsetzen kann. Er ist nicht schnell genug für das Spiel der Eintracht, weder mental noch physisch. Die Bundesliga erscheint eine Nummer zu groß. Auch andere Neue bei der Eintracht hatten es schwer, doch sie sind im Laufe der Zeit besser geworden.

Jesper Lindström ist kaum noch aus dem Team wegzudenken, Rafael Borré entwickelt sich nach und nach zu einem Torjäger und um den aktuell verletzten Jens-Petter Hauge wäre der Trainer gerade am letzten Samstag froh gewesen. Lammers aber will es einfach nicht gelingen, Vertrauen zurückzugeben.

Es bleibt der Fakt: Lammers ist offenbar ein sportliches Missverständnis. Das kommt in den besten Vereinen vor, das passiert den besten Spielern. Hier passt etwas nicht zusammen.

Die beste Lösung für alle wäre, Lammers noch im Winter wieder abzugeben und den umworbenen Kolo Muani vielleicht doch schon jetzt zu holen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn da geht es um Angebot und Nachfrage, letztlich ums Geld. Und das hat aktuell kein Klub in ausreichendem Maße, schon gar nicht die Eintracht.

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