Das Schreckgespenst der Geisterspiele

Frankfurt. Geisterspiele! Es ist das Wort, das die Bundesliga und alle anderen Profisportarten scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Jetzt sind sie wieder beschlossen, die Großveranstaltungen ohne Zuschauer.

Das Virus hat sich einmal mehr gegen alle Hygienekonzepte durchgesetzt. Bei der Frankfurter Eintracht sind sie ziemlich sauer auf die Entscheidung der Politik. »Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass es kein milderes Mittel geben soll«, sagt Vorstandssprecher Axel Hellmann, »es wird für uns extreme wirtschaftliche Folgen haben.« Mit etwa 20 Millionen Euro hatte Hellmann vor ein paar Tagen noch die Verluste für diese Saison prognostiziert. Da war er aber noch von einer Teilauslastung ausgegangen. Sollten die »Geisterspiele« wieder bis zum Ende der Saison andauern, würden die Verluste sicher auf mindestens 30 Millionen Euro steigen. In den vergangenen beiden Spielzeiten hat die Eintracht schon bis zu 70 Millionen Euro verloren.

Selbstverständlich sehen sie auch bei der Eintracht wegen der drohenden Infektionswelle mit »Omikron« die Notwendigkeit, Zuschauerzahlen zu reduzieren. So wie in den vergangenen Wochen, als in Absprache mit dem Gesundheitsamt nur noch jeweils 15000 Zuschauer bei den Heimspielen gegen Leverkusen und Mainz zugelassen waren. In diesen Größenordnungen sehe er bei Freiluftveranstaltungen »kein Gefährdungspotential« und könne darum die Rückkehr auf null nicht verstehen, sagte Hellmann dieser Zeitung.

Sein Vorwurf: »Es ist wieder ein spezieller Zuschnitt auf Großveranstaltungen und damit auch auf die Bundesliga. Es drängt sich der Eindruck auf, dass da ein symbolisches Exempel statuiert werden soll.« Die Eintracht, und wohl auch einige andere Klubs, müssten nun prüfen, »wie juristisch haltbar diese Beschlüsse sind.«

Der Klub werde nun auf allen Ebenen erneut mit »Sparmaßnahmen« reagieren müssen, »aber noch haben wir dazu keine Überlegungen konkretisiert.« Dementsprechend ist auch noch offen, ob die gesamte Lizenzspielerabteilung mit Gehaltsreduzierungen rechnen müssen. So wie das im vergangenen Jahr schon praktiziert worden war.

Die Eintracht wird von den Verboten von Zuschauern bei Großveranstaltungen gleich doppelt getroffen. In der Bundesliga, wo der Schnitt in dieser Saison aktuell trotz aller Einschränkungen noch 23 125 (Quelle: Kicker) beträgt. Zumindest die nächsten beiden Heimspiele, gegen Borussia Dortmund (8. Januar) und Arminia Bielefeld (21. Januar) müssen nun vor leeren Rängen ausgetragen werden. Das Ende der Aussperrungen: Offen, abhängig von der Entwicklung der Pandemie. Besonders bitter wäre es, wenn der »Stadion-Lockdown« bis in den März hinein geht. Am 10. und 17. März findet das Achtelfinale der Europa-League statt. Das ist die eine Seite der Verlustmedaille. Auf der anderen steht die Vermarktung der Arena. Die haben die Frankfurter im vergangenen Jahr in Eigenregie übernommen und durch die lang andauernden, nur kurzfristig unterbrochenen Verbote bislang nur wenig Geld verdienen können. Es wird existentiell sein, dass der »Publikums-Lockdown« spätestens im Sommer aufgehoben wird, denn es sind eine ganze Reihe von großen Konzerten in der Arena geplant, unter anderen Elton John, Coldplay und Ed Sheeran. Auch da geht es um Millionen Euro und letztlich um Arbeitsplätze.

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