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»Das Spiel gegen Union wird ein echtes Highlight«

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Interview mit Timothy Chandler © Red

Frankfurt (pep). Nach vier freien Tagen hat die Frankfurter Eintracht am Montagnachmittag die Vorbereitung auf den Spiele-Marathon der nächsten Wochen aufgenommen. Den Auftakt von 13 Begegnungen in drei Wettbewerben bis zum 13. November macht am Samstag das Heimspiel gegen Union Berlin. Im Interview spricht Verteidiger Timothy Chandler (32) über die Herausforderung gegen den Tabellenführer gesprochen, über seinen Kollegen Daichi Kamada und seinen Freund Goncalo Paciencia.

Wir treffen uns hier auf Mallorca. Die Mannschaft hat vier Tage frei bekommen. Ist das ein reiner Urlaub mitten in der Saison?

Nein, nein, jeder hat ein Programm, muss ein, zwei Läufe am Tag machen. Ich hätte diese Auflagen aber gar nicht gebraucht, denn wegen meines Alters und meiner zeitweisen Knieprobleme würde jeder Tag, an dem ich gar nichts mache, es mir sehr schwer machen, dann wieder ins normale Training einzusteigen. Darum laufe und schwimme ich jeden Tag, schon ganz freiwillig.

Gab es Auflagen für die Spieler, wohin, bzw. wie weit sie fliegen durften in diesen Tagen?

Nein, wir sollen nur spätestens am Sonntag zurück sein, damit wir dann am Montag sicher ins Training einsteigen können.

Ist das aus Ihrer Sicht eine vernünftige Maßnahme mitten in der Saison?

Auf jeden Fall. Wir hatten jetzt eine längere Zeit, in der wir nicht freimachen konnten. Und jetzt kommen nur noch englische Wochen. Vom Trainer ist das eine schöne Geste, so haben wir nochmal ein paar Tage Zeit für die Familie. Dann liegt der Fokus nur noch auf den Spielen und wir sind ja kaum noch zu Hause.

In Stuttgart ist nach dem letzten Spiel eine Gruppe von Spielern nach dem Abpfiff auf dem Rasen ausgelaufen. Sie waren auch dabei, obwohl Sie sogar ein paar Minuten gespielt haben. Ist das nicht nervig?

Es muss sein, auch wenn es manchmal schwer ist, sich zu überwinden. Es kommt immer auch darauf an, wie die Spiele ausgehen, ob man reingekommen ist oder nicht. Diesmal war es aber richtig gut, dass wir es gleich abgearbeitet haben und danach frei hatten. Wir hätten ja sonst am nächsten Tag trainiert. Dieses Auslaufen gehört einfach dazu. Daran muss man sich gewöhnen. Da wir alle nach GPS-Daten laufen, ist auch alles genau festgelegt.

Wie wichtig war der Sieg von Stuttgart?

Sehr, sehr wichtig, denn so sind wir in der Bundesliga drangeblieben. Aus meiner Sicht war der Sieg verdient.

Und jetzt geht es gegen Tabellenführer Union Berlin.

Das ist gut für uns, aber es wird natürlich ein ganz schwieriges Spiel. Bei Union habe ich den Eindruck, als seien sie schon vier, fünf Jahre eingespielt, obwohl sie immer neue Leute haben. Das wird sehr spannend und ist sehr offen. Auch von der Stimmung wird es sicher ein Highlight.

Apropos Stimmung und Fans. Mit wie viel Erleichterung haben Sie vom Urteil der UEFA nach den Vorkommnissen von Marseille gehört?

Ich finde das Urteil gut. Es macht den Fans klar, dass eben nichts mehr passieren darf. Sie haben sich diese Chance aber auch verdient für das, was sie im letzten Jahr geleistet haben. Darum finde ich die Strafe auf Bewährung in Ordnung.

Gerade hat die USA ein Länderspiel gegen Japan 0:2 verloren. Sie waren nicht dabei. Gehören Sie eigentlich noch zur US-Nationalmannschaft?

Zurückgetreten bin ich nie. Kurz vor Corona wurde ich nochmal nominiert für ein paar Testspiele, aber die wurden dann auch abgesagt. Seitdem gab es keinen Kontakt mehr. Ich hatte eine schöne Zeit, vor allem unter Jürgen Klinsmann. Aber es ist jetzt auch kein Thema mehr für mich. Vor allem die weiten Flugreisen wären jetzt als Familienvater grenzwertig. Aber wenn sie nochmal anrufen, kann man natürlich drüber sprechen.

Kollege Daichi Kamada war beim Sieg der Japaner der beste Mann.

Das wundert mich nicht. Wie er im Moment drauf ist... Ich kenne ihn schon lange, er ist ein unglaublicher Spieler. Er hat Deutschland und die Bundesliga komplett angenommen. Jetzt hat er sogar das Grätschen für sich entdeckt. Und bei Makoto Hasebe hat er sich abgeschaut, dass man auch mal mit dem Schiedsrichter sprechen kann. Er ist sehr wichtig für uns. Intern hat er sich komplett geöffnet. Ich bin bei uns der Sauna-Gänger Nummer eins, jetzt sitzt Daichi häufig mit mir in der Sauna. Da reden wir viel miteinander.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Ex-Kollegen Goncalo Paciencia, der jetzt für Celta de Vigo spielt?

Ja klar, er ist ein Freund. Wir telefonieren unter der Woche bestimmt fünf, sechsmal über Face-Time miteinander. Gerade hat er sich zwei Finger gebrochen, als er aus Wut über eine Muskelverletzung gegen eine Wand gehauen hat. Er hatte gedacht, es wäre Pappe, aber es war eine Betonmauer.

Ärgert es Sie, wenn so häufig abwertend geschrieben wird, die Eintracht habe keinen rechten Verteidiger im Kader, »nur« den Chandler?

Wenn es jemand schreibt, stört es mich nicht. Das ist ja eine Meinung. Aber trotzdem finde ich, dass es extern manchmal geringgeschätzt wird, wie viel auch ich in den letzten Jahren mit der Eintracht erreicht habe, von der gemeisterten Relegation über den DFB-Pokalsieg bis zum Europapokalsieg. Ich bin immer noch fit und habe noch zwei Jahre Vertrag. Und das sicher nicht, weil ich gute Laune verbreite. Wenn ich reinkomme, zeige ich, was ich kann. Ich spiele schon seit vielen Jahre in der Bundesliga (250 Spiele, die Red,). Zurzeit bekomme ich eher weniger Chancen, aber wenn ich eingesetzt werde, gebe ich immer mein Bestes. Ich weiß auch, wie ich in der Mannschaft gesehen werde. Das ist ganz anders. Ich bin ein Verteidiger, der rechts und links spielen kann.

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