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»Das Treffen zweier cooler Vereine«

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Jubel in Barcelona - auch in London? Eintracht-Legende Jan Aage Fjörtoft sieht die Frankfurter nicht chancenlos. © dpa

Frankfurt/London . Seit dem 29. Mai 1999 genießt Jan Aage Fjörtoft bei der Frankfurter Eintracht Kultstatus. Sein »Übersteiger«-Tor zum 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern am letzten Spieltag, das die Rettung vor dem Abstieg bedeutete, wird in ewiger Erinnerung bleiben. Fjörtoft ist und bleibt ein »Held« in Frankfurt, auch wenn er insgesamt »nur« 52 Spiele für die Eintracht bestritten und dabei 14 Tore erzielt hat.

Heute hat der 55 Jahre alte Norweger die Seiten gewechselt, arbeitet als Leiter von »Viasat«, einem norwegischen TV-Sender, der über die Champions-League, die Europa-League (EL), norwegische Länderspiele und englische Pokalspiele berichtet.

Vor allem: Fjörtoft gilt als absoluter Kenner des englischen Fußballs. Vorm EL-Halbfinale West Ham United London gegen die Eintracht sagt er: »Es ist völlig offen, wer das Finale erreicht, aber die Eintracht hat sicher gute Chancen.« Da spricht ein wenig auch der Adler im Herzen mit. »Ich bleibe immer Frankfurter«, sagte Fjörtoft gegenüber dieser Zeitung, »natürlich drücke ich der Eintracht die Daumen.«

Am Spielfeldrand wird der ehemalige norwegische Nationalspieler (71 Länderspiele, 20 Tore), der am Wochenende mit einer Aussage zu seinem Landsmann Erling Haaland (»Die Bayern bemühen sich sehr um ihn«) für Aufsehen gesorgt hat, hautnah dabei sein. »Ich führe für Viasat Interviews gleich nach dem Spiel«, erklärt er seine neue Rolle. Wie die Eintracht kennt er auch West Ham wie seine Westtasche. Zwischen beiden Klubs gebe es viele Parallelen. »Beide Vereine nehmen die Europa-League voll an, sie wollen den Wettbewerb unbedingt gewinnen«, erklärt er die Gemeinsamkeiten. Diese Paarung sei eigentlich eines Endspiels würdig. »Es ist eine Super-Auslosung, da treffen zwei coole Vereine aufeinander«, sagt Fjörtoft.

Die Spiele würden einen völlig anderen Charakter haben als jene der Eintracht gegen Barcelona. West Ham spiele unter Trainer David Moyes im 3-5-2-1-System »traditioneller als Barcelona«, sehr intensiv, energisch, zweikampfstark. »Aber Vorsicht«, sagt Fjörtoft, »sie spielen nicht nur englisch, sie haben auch ein paar richtig gute Fußballer in ihren Reihen«. Allen voran Declan Rice (23), englischer Nationalspieler, der von allen Großklubs auf der Insel umworben wird. Ihn und einige andere hatte der West-Ham-Coach bei der 0:1-Niederlage am Sonntag beim FC Chelsea geschont und nur kurz eingesetzt. Bei allem Respekt, den die Frankfurter den Londonern entgegenbringen müssten, dürften sie aber auch selbstbewusst ins Spiel gehen. »Wer Barcelona schlägt, kann sich auch gegen West Ham behaupten«, glaubt Fjörtoft.

Für die Fans der Eintracht würde London ebenfalls ganz andere Herausforderungen bringen als Barcelona. »Die West Ham-Fans haben auch nur noch den Europacup im Kopf«, berichtet Fjörtoft von der Insel, »sie sind genauso heiß auf den Titel wie die Eintracht und ihre Fans«. Die Frankfurter Eintracht würde im Olympiastadion, das inzwischen »London Stadium« heißt, ein ganz heißer Tanz erwarten. Freilich ist die Stimmung in der 60 000-Zuschauer-Arena lange nicht mehr so heißblütig wie im »Upton-Park«, der ursprünglichen Heimat von West Ham. 2016 ist der Klub umgezogen, hat trotz vieler Proteste der Anhänger das Traditionsgelände verkauft. Dort sind längst Wohnhäuser entstanden.

Wie die Frankfurter (»Im Herzen von Europa«) singen auch die West Ham-Fans ihr ganz besonderes Vereinslied mit voller Inbrunst. Was dem Liverpooler sein »You’ll never walk alone« ist, ist ihnen das »I»m forever blowing bubbles« - eine Vereinshymne mit Nostalgie und britischer Selbstironie. Tausende von Seifenblasen werden bei den Heimspielen dazu in die Luft gepustet, wenn die Fans singen. »Sie fliegen so hoch, erreichen fast den Himmel, aber dann platzen und sterben sie wie meine Träume«, heißt es da so tragisch-passend. Die guten alten (und erfolgreichen) Zeiten sind schließlich lange her, waren geprägt von den Weltmeister Geoff Hurst und Bobby Moore aus dem Jahre 1966. 1976 haben sich West Ham und Eintracht schon einmal in einem Halbfinale gegenübergestanden, damals im Europapokal der Pokalsieger. 2:1 in Frankfurt für die Eintracht, 3:1 in London für die »Hammers«. Diesmal ist die Spielabfolge andersherum. Da ist eine späte Revanche angesagt.

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Jan Aage Fjörtoft © Red

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