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Das völlig verrückte Spitzenspiel

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Von: Nico Hartung

Hüttenberg. In der 2. Handball-Bundesliga sorgt allein die Tatsache, dass der VfL Gummersbach zu Gast sein wird, bei jedem Team dafür, dass das anstehende Heimspiel ein besonderes sein wird. Zu groß ist der Name des Traditionsclubs, zu oft erzählt sind die denkwürdigen Spiele der Vergangenheit, zu prall gefüllt ist die Vitrine mit Meisterschaften, DHB- und Europapokalen, als dass ein Aufeinandertreffen mit den Oberbergischen das gerne zitierte »Spiel wie jedes andere« sein könnte.

TV Hüttenberg - VfL Gummersbach (Samstag, 19.30 Uhr)

Und doch ist das Duell zwischen dem TV Hüttenberg und dem VfL Gummersbach an diesem Samstagabend (Anwurf: 19.30 Uhr) noch eine Spur mehr »besonders«. Da wäre zum einen die Tabellenkonstellation: Die Gummersbacher sind nach zwei vergeblichen Anläufen in den zurückliegenden Jahren als Primus in der besten Position, um den ersehnten Wiederaufstieg zu erreichen - eine Platzierung, mit dem zu diesem Zeitpunkt wohl nur die wenigsten Experten vor der Saison nicht gerechnet haben dürften.

Ganz anders die Hüttenberger, die, mit wesentlich kleinerem Etat ausgestattet, auf Position vier rangieren und ihren beachtlichen Saisonstart längst zu einem kaum für möglich gehaltenen Rundenverlauf ausgebaut haben. Kein Wunder also, dass TVH-Trainer Johannes Wohlrab sagt: »Hätte mir vor der Spielzeit jemand gesagt, dass wir im März ein absolutes Topspiel gegen Gummersbach haben würden, dann hätte ich diesen Menschen schlicht für verrückt erklärt.«

Und da sind zum zweiten natürlich die im Sommer bevorstehenden Transfers zweier Mitwirkender, die diesem Aufeinandertreffen beider Traditionsclubs noch eine besondere Würze verleiht. So dürfte der Schmerz der Hüttenberger Fans über den Wechsel von Schlüsselspieler Dominik Mappes nach Gummersbach zumindest dadurch etwas gedämpft worden sein, nachdem am vergangenen Donnerstag vonseiten des TVH publik gemacht wurde, dass der aktuell bim VfL unter Vertrag stehende Timm Schneider den gegenläufigen Weg antreten und sich den Hüttenbergern anschließen wird - zum zweiten Mal, nachdem der gebürtige Gießener bereits von 2010 bis 2012 das Trikot des »Originals aus Mittelhessen« getragen hat. »Natürlich wissen wir alle um die Vorzeichen dieser beiden Wechsel. Aber das spielt alles erst in der nächsten Saison eine Rolle, am Samstag noch überhaupt nicht«, erklärt Wohlrab in ruhigem Ton, um im Anschluss beiden Akteuren zu attestieren, dass sie »Leistungssportler und Vollprofis durch und durch« sind. »Ich bin mir sehr sicher, dass jeder von beiden sein letztes Hemd für seinen aktuellen Verein geben wird.«

Beide Protagonisten dürften jedenfalls am Samstagabend mit dem notwendigen Selbstvertrauen auf die Platte gehen: Mappes avancierte beim 29:27-Sieg im Nachholspiel am Dienstagabend über den Dessau-Roßlauer HV mit neun Tagestreffern und dem spielentscheidenden 28:27 einmal mehr zum Matchwinner, Schneider und seine Mitstreiter kommen mit der breiten Brust von vier Heimsiegen in Serie.

Doch der bisherige Saisonverlauf zeigt, dass der zwölfmalige Meister auswärts schlagbar ist. Von elf Begegnungen in der Fremde gewann das Ensemble um die drei Ex-Wetzlarer Schneider, Tibor Ivanisevic und Alexander Hermann sowie um EM-Shootingstar Julian Köster nur knapp die Hälfte, ganze fünf Partien gingen verloren. Auch die letzte Auswärtsbegegnung Mitte Februar beim 29:31 in Lübeck wurde vom einstigen Serienmeister in den Sand gesetzt. »In Hüttenberg zu bestehen ist schwer. Aber wir wollen dort unbedingt gewinnen und den Abstand zu ihnen vergrößern«, sagt VfL-Trainer Gudjon Valur Sigurdsson.

Der einstige Weltklasse-Linksaußen und seine Schützlinge werden, wenn es nach Wohlrab geht, am Samstagabend in permanenter Unterzahl agieren - zumindest im übertragenen Sinne: »Wir brauchen unsere Zuschauer als siebten Feldspieler hinter uns, dann wird es für jeden Gegner richtig unangenehm im Sportzentrum. Außerdem lege ich meine Hand dafür ins Feuer, dass alle Spieler, alle Verantwortlichen und wir als Trainerteam alles geben werden, um die zwei Punkte hier zu behalten.« Dafür steht dem 35-Jährigen bis auf Rechtsaußen Tobias Hahn (leichte Blessuren nach dem Dessau-Heimsieg) der gesamte Kader zur Verfügung.

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