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»Das Ziel ist, eine gute Rolle zu spielen«

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Weiter an der Gießener Seitenlinie: Daniyel Cimen. Foto: Ben © Ben

Gießen. Nachdem der FC Gießen nach dem Abstieg aus der Regionalliga Südwest zunächst »abgetaucht« war, tut sich seit dem vergangenen Wochenende einiges. Die wohl wichtigste Frage ist geklärt: Der Posten des Cheftrainers besetzt weiterhin Daniyel Cimen, der Termin für den Trainingsauftakt steht mit dem 24. Juni ebenso wie die ersten Testpielpartner, zu denen mit der SG Barockstadt und Wormatia Worms auch zwei Regionalliga-Aufsteiger zählen.

Die größte Herausforderung für den Sportlichen Leiter Christian Memmarbachi, den gut vernetzten spielenden Co-Trainer Michael Fink und Cimen ist es, in kurzer Zeit einen neuen, wettbewerbsfähigen Kader aus dem Boden zu stampfen. Im Interview bezieht der Coach zu allen wichtigen Fragen Stellung.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, weiter zu machen beim FCG?

Ich hatte wirklich gute, auch konstruktive und kritische Gespräche mit dem Verein. Ausschlaggebend war auch, dass ich jetzt fast fünf Jahre hier bin. Da ist natürlich auch eine große Verbundenheit gewachsen. Mir sind Gießen und der FC sehr ans Herz gewachsen. Es war sicher ein längerer Prozess, bis ich mich entschieden habe, das weiter anzugehen. Zumal gewisse Sachen vom Verein auf den Weg gebracht werden. Ich sehe nach wie vor das Potenzial und glaube daran. Zudem hatte ich ja einen Vertrag für die kommende Saison und den respektiere ich selbstverständlich.

Haben Sie sich mit alternativen Angeboten beschäftigt?

Es gab tatsächlich zwei Sachen, mit denen ich mich beschäftigt habe - zwei Regionalligisten. Auch das waren gute und ehrliche Gespräche. Aber es hat von der Gesamtsituation nicht gepasst, beispielsweise von der Entfernung her. Als Familienvater fließen in solche Entscheidungen einfach viele Faktoren mit ein. Gießen war für mich immer erster Ansprechpartner, das war mit den anderen Clubs auch klar so kommuniziert. Wobei ich mich ganz bewusst für den FC entschieden habe.

Nachdem der Abstieg feststand haben Sie von grundsätzlichen Dingen gesprochen, die geschaffen werden müssen, damit Sie bleiben. Was meinten Sie konkreter damit?

Manche Dinge sind intern und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Grundsätzlich müssen wir breiter aufgestellt sein. Strukturen sind da, aber sie müssen optimiert werden. Das gilt auch für die Abläufe. Da brauchen wir mehr Manpower. Um den Verein herum sehe ich einige gute Dinge, die mir ein gutes Gefühl geben.

In der Vergangenheit haben Sie schon öfter auf Verbesserungen gehofft, die dann nicht eingetreten sind. Warum glauben Sie, dass es diesmal klappt?

Da passiert gerade einiges, was mich daran glauben lässt. Die Personalie Michel Magel zum Beispiel in puncto Sponsoren. Oder Björn Lerhrmund für die Betreuung, der sozialen Medien. Hinzu kommt, dass die neue Kabine im Waldstadion Formen annimmt und hoffentlich bis zum ersten Spieltag fertig ist.

Wie ist es um die Kaderplanung bestellt?

Wir sind täglich in Gesprächen und Telefonaten. Wir geben Gas. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Das Ziel ist, bis zum Trainingsstart 16 Feldspieler und zwei Torhüter hinzubekommen. Wir wissen, dass die Zeit knapp ist, lassen uns aber auch nicht unter Druck setzen und wollen auch nicht die Erstbesten nehmen, die uns vor die Flinte kommen. Wir suchen Spieler, die Bock auf den Verein und den Neuaufbau haben.

Aykut Öztürk hat verlängert. Werden weitere Spieler bleiben?

Der weitaus größere Teil wird nicht bleiben. Sei es, weil wir uns eine weitere Zusammenarbeit nicht vorstellen können, aber auch, weil sich die Spieler das nicht vorstellen können. Ob nun insgesamt zwei, drei oder vier Spieler bleiben, wird sich zeigen. Wir haben theoretisch bis zum Transferschluss am 31. August Zeit. Es gibt auch Spieler, die sich bei uns vorstellen möchten im Training. Welche, die man nicht so auf dem Schirm hat.

Mit Daniel Duschner ist ein Keeper von RW Frankfurt verpflichtet worden. Ist das zwangsläufig der Weg, Spieler aus anderen Regionen zu verpflichten?

Das will ich so nicht sagen. Es ist ja auch die Frage, wo hört Mittelhessen auf? Daniel Duschner wohnt in Friedberg. Wir haben viele Gespräche mit Spielern, auch aus Mittelhessen, die sich anbieten. Natürlich haben viele Spieler schon andernorts zugesagt und stehen im Wort, was völlig in Ordnung ist. Unsere U19 hat nur sehr knapp die Aufstiegsrunde verpasst, da ist sicher auch der eine oder andere interessant für uns.

Können Sie die mögliche Kritik, dass die Hessenliga wenig Sinn macht, wenn der überwiegende Teil des Kaders nicht aus Mittelhessen kommen sollte, nachvollziehen?

Das muss jeder für sich entscheiden. Klar, es wäre schön, viele Spieler aus der eigenen Region zu haben, aber das ist aus meiner Sicht nicht die Grundvoraussetzung. Ich denke, in erster Linie kommen die Leute wegen des Fußballs. Darüber lässt sich auch Identifikation schaffen.

Lässt sich schon etwas zur Zielsetzung für die Saison sagen?

Dafür muss erstmal der Kader stehen. Das Ziel ist, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die eine gute Rolle spielen kann.

Das bedeutet?

Das heißt für mich, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, ein einstelliger Tabellenplatz und vielleicht an das obere Drittel anzudocken.

Und geht noch mehr?

Vielleicht. Das hängt von der Kaderplanung ab.

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