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Defensiv drückt der Schuh

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Frankfurt. Beim 1:6 gegen Bayern München war die Abwehrleistung peinlich. Nach dem 1:1 in Berlin beschrieb Trainer Oliver Glasner die Leistung der Defensive als »desaströs«. Bei Eintracht Frankfurt klemmt es vorne und vor allem hinten, es ist einiges ins Rutschen geraten. Und längst ist eine Diskussion entbrannt, ob der Kader in der aktuellen Version vielleicht falsch zusammengestellt sein könnte.

Zu viele gute Angreifer, zu wenige gute Abwehrspieler.

Das schien nach dem 1:1 bei einer im Grunde schwachen Hertha auch Trainer Oliver Glasner so zu sehen. Er wies daraufhin, »dass wir mit einer neuen Dreierkette spielen«, dass das Karriereende von Martin Hinteregger ein Verlust sei und dass er wegen Verletzungen immer wieder Änderungen vornehmen müsse. Explizit hat Glasner keinen neuen Abwehrspieler gefordert, aber in diese Richtung interpretieren konnte man seine Aussagen schon. Und Anlass für diese Einschätzungen haben die jüngsten Spiele ja auch gegeben. Sportvorstand Markus Krösche hat eine andere Sicht auf die Dinge. »Es gibt keinen dringenden Bedarf«, sagte er in Bezug auf die Forderungen nach einem neuen Abwehrspieler.

Krösche fordert Zeit und Geduld

Krösche und Glasner verfolgen in diesem speziellen Fall zwei unterschiedliche Ansätze. Der Sportvorstand will seine Personalpolitik nicht so früh in Frage gestellt wissen. »Wir sollten nicht in Panik verfallen und den Jungs hinten noch Zeit geben«, fordert er Geduld ein. Der Trainer sieht das nicht anders, schließlich war er ja auch in die Transfers eingebunden. Doch Glasner sieht auch die Probleme, die es ihm nahezu unmöglich machen, beispielsweise auf eine Viererkette umzustellen.

Aurelio Buta, als rechter Verteidiger vorgesehen, war schon Wochen vor seinem Wechsel verletzt und ist es immer noch. Jerome Onguéné hatte im letzten halben Jahr in Salzburg wenig gespielt und ist nun auch verletzt. Und Hrvoje Smolcic war wegen Altlasten aus Rijeka schon zweimal gesperrt, ohne einmal für die Eintracht gespielt zu haben. Echte Verstärkungen sind alle drei Neuzugänge jedenfalls (noch) nicht. Auf der rechten Seite gibt es weiter nur Behelfslösungen. Wie in Berlin mit Ansgar Knauff. Almamy Touré hat auch schon rechter Verteidiger gespielt, jetzt ist auch er verletzt. Bleibt Timmy Chandler. Es ist das Recht und die Pflicht des Trainers darauf hinzuweisen, dass es bei den vielen Herausforderungen in drei Wettbewerben im Bereich des Abwehrverbundes eng werden könnte.

Die andere Seite: Es liegt an Glasner, der Mannschaft nun ein passendes System zu verpassen. Es liegt an ihm, Touré, Tuta und vor allem Ndicka wieder auf Kurs zu bringen. Das sind keine leichten Aufgaben. Zumal die Abwehr ja nicht nur aus der letzten Kette besteht. In Berlin hatte Glasner den eigentlich offensiven Mittelfeldspieler Daichi Kamada in einer defensiven Rolle gebracht, um mehr Platz für Mario Götze zu finden. Das ist nur in Ansätzen gut gegangen. Die Abstimmungen waren noch nicht optimal.

Die Suche nach der Ideallösung

Anfang dieser Woche wolle er sich mit dem Trainerteam Gedanken machen, wie eine neue Organisation des Spiels aussehen kann, die durch den Abgang von Filip Kostic und den Zugang von Luca Pellegrini nötig geworden ist. Glasner wird in jedem Fall nicht darum herumkommen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Womöglich wäre im Mittelfeld Kristijan Jakic als defensive Absicherung eine Hilfe. Und Kapitän Rode sollte bei vernünftigem Fitnesszustand sowieso spielen. Aber dann müsste der Trainer entweder Daichi Kamada oder Mario Götze rausnehmen.

Ganz ähnlich sieht es ganz vorne im Angriff aus. Randal Kolo Muani hat eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht, Lucas Alario noch nicht. Beim Spiel mit zwei Spitzen wäre sicher Rafael Borré der bessere Partner für den Franzosen. In der Haut des Trainers möchte zurzeit niemand stecken. Das ganze Spiel ist unrund, das System noch nicht wieder gefunden. Oliver Glasner muss hinten den Mangel verwalten und vorne den Überfluss moderieren.

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