Den Irrwitz stoppen

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Die Regionalliga GbR hat sich mit der Entscheidung, noch im Dezember den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu wollen, ein klassisches Eigentor geschossen. Und zwar aus 20 Metern volley in den Winkel. Umso länger man darüber nachdenkt, was da eigentlich entschieden wurde, desto mehr bleibt nur Fassungslosigkeit angesichts dieser fahrlässigen Ignoranz gegenüber den derzeitigen gesellschaftlichen Herausforderungen.

In einer Zeit, da die (politische) Frage nur ist, ob man den Lockdown verschärft, verlängert, ausdehnt, kommt eine Gesellschafterversammlung der 4. Liga daher und will ein Mammutprogramm durchdrücken, das all das beinhaltet, was den Bürgern im Südwesten derzeit verboten ist. In Gruppen durchs Land zu reisen und Woche für Woche sich neuen Kontakten auszusetzen.Es ist ein Irrwitz, der darüber hinaus von Offenbachs Äußerung ("Wir haben das Tauziehen gewonnen") zudem Züge zwischen Hybris und Irrsinn aufweist. Wo ist hier die Solidarität?Da sollen fachfremde Vereinsmitarbeiter geschult werden, um danach ihre Mannschaft zu testen. Da geht eine Empfehlung raus, dass die Spieler am besten immer zu zweit im PkW zu Spielen anreisen. Da sollen zudem die Vereine auch noch für die Corona-Tests bezahlen. Wie weit weg sind die verantwortlichen Herren eigentlich von den Vereinen, Spielern, gesellschaftlichen Problemen? Die Regionalliga Südwest ist nicht die Bundesliga. Hier spielen Schüler, Studenten, berufstätige junge Männer, sind ältere Herren als Betreuer dabei, die einen ansonsten ganz normalen Alltag leben. Mit allen Kontakten - auch in Risikogruppen hinein.Ist, könnte man fragen, die GbR nur den Möchtegern-Profis der Liga verantwortlich? Spielen die anderen keine Rolle? Und warum lassen sich die Südwestler nicht auf Alternativmodelle ein, wie sie Bayern oder der Norden längst implementiert haben ?Dass sechs Vereine versuchen, diesen Unfug zu stoppen, davor kann man nur den Hut ziehen. Dass neben fünf Underdogs der TSV Steinbach-Haiger als sportlich und finanziell potenter Klub die treibende Kraft ist, davor muss man den Hut ziehen. Dass der Klageweg Erfolg hat, übrigens sollen noch mehr Vereine das Anliegen unterstützen, ist zu wünschen. Der Schaden, der jetzt schon entstanden ist, ist weit schlimmer als jedes Eigentor. Rüdiger Dittrich

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